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„Nicht Extremisten das Feld überlassen“Dobrindt nach Blackout

Nach dem Anschlag aufs Berliner Stromnetz will Bundesinnenminister Dobrindt stärker gegen Linksextremisten vorgehen. Mit mehr digitalen Befugnissen.

Lehnt sich gerne mal aus dem Fenster: Grüßaugust Alexander Dobrindt (CSU) Foto: dpa
Jasmin Kalarickal

Aus Berlin

Jasmin Kalarickal

Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kündigt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) einen härteren Kurs gegenüber Links­ex­tre­mis­t:in­nen an. Tagelang mussten 100.000 Ber­li­ne­r:in­nen bei Minustemperaturen ohne Strom, Heizung und Mobilfunk zurechtkommen. Einen konkreten Ermittlungserfolg gibt es noch nicht, aber Dobrindt wählt harte Worte. „Wir schlagen zurück – und überlassen den Linksextremisten und Klimaextremisten nicht das Feld“, erklärte er der Bild am Sonntag.

Dobrindt verfolgt laut Medienbericht ein Maßnahmenpaket, das zwei Säulen umfasst. Zum einen soll es mehr Personal für Nachrichtendienste geben und mehr digitale Befugnisse. Damit sollen Spuren besser verfolgt und die Szene besser beobachtet werden können. Wer im Netz Anschläge plant, solle seine Anonymität verlieren. „Sicherheit hat oberste Priorität – ohne den Kampf gegen Rechtsextremismus zu vernachlässigen“, erklärte Dobrindt. Das Innenministerium bestätigte die Richtigkeit der Informationen, verriet aber auch keine weiteren Details.

In einer zweiten Säule soll die kritische Infrastruktur selbst besser geschützt werden. Dafür soll das sogenannte Kritis-Dachgesetz vorangetrieben werden, das neue Sicherheitsstandards für wichtige Infrastruktur festschreibt. Das Kritis-Dachgesetz war bereits ein Vorhaben der Vorgängerregierung, kam aber vor dem Regierungsbruch nicht zustande. Im September 2025 hat das Kabinett unter Merz einen erweiterten Gesetzentwurf beschlossen. Derzeit wird das Gesetz im Bundestag beraten.

Um bei künftigen Krisenfällen besser vorbereitet zu sein, fordert der Deutsche Städtetag eine „nationale Blackout-Reserve“ des Bundes mit mobilen Kraftwerken. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) plädiert bei The Pioneer für ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für zehn Jahre.

Wer ist verantwortlich?

Wer genau hinter dem Sabotageakt in Berlin steckt, ist unklar. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt. Der Berliner Senat und das Bundesinnenministerium machen für den Anschlag linksterroristische Gruppen verantwortlich. Bisher hat es mehrere, teils widersprüchliche Schreiben von „Vulkangruppen“ gegeben – die einen bekannten sich zum Anschlag, die anderen distanzierten sich davon.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Sonja Eichwede, begrüßte den Vorstoß des Bundesinnenministers. „Die Ermittlungen haben ergeben, dass es in jüngster Zeit vermehrt Anschläge auf unsere Infrastruktur gegeben hat, die linksextremistisch motiviert waren“, erklärte sie der taz. Es sei daher richtig, „dem nachzugehen und auch durch personelle Verstärkung den wiederholten Angriffen effektiv entgegenzutreten.“ Eichwede verwies aber auch darauf, dass die größte Gefahr für die staatliche Ordnung vom Rechtsextremismus ausginge.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, konnte in den Vorschlägen Dobrindts „nichts substantiell Neues“ erkennen. „Die feindlichen Aktivitäten russischer Nachrichtendienste in Deutschland, aber auch die Bedrohung durch Extremismus und Terrorismus – und Mischformen dieser Phänomene – sind ein handfestes Sicherheitsproblem“, erklärte er. Das sei seit Jahren bekannt, passiert sei allerdings wenig. Von Notz begrüßte die Vorschläge des Städtetags und der Polizeigewerkschaft GdP.

Clara Bünger, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, warf dem Innenminister Doppelmoral vor. „Bei Rechtsextremisten hört man von Herrn Dobrindt selten diese martialische Sprache, bei Links sofort ‚Zurückschlagen‘“, kritisierte sie. Dobrindt werfe zudem „Linksextremismus und Klima-Protest in einen Topf“. Ihm gehe es „offenkundig eher um Schlagworte und Stimmung als um ein seriöses Sicherheitskonzept“. Kritische Infrastruktur müsse besser geschützt werden, man dürfe „aber Grundrechte nicht als Kollateralschaden für mehr Überwachung opfern.“

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5 Kommentare

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  • Dieser Maut-Skandal- und VW-Abgas-Skandal-Minister ist einfach unerträglich. Hat dieses Land Minister solcher Couleur wirklich verdient?

  • Mensch Alexander, du wirst weder mit noch ohne Strom Digital etwas.

  • Bisher hat ja Herr Dobrindt in seinem Amt nur mit hohem Aufwand marginal geleistet - der Rückgang der Migration, mit dem er sich schmückt, ist weder wesentlich sein Verdienst noch genügt sein Vorgehen Anforderungen des Arbeitsmarktes, der Wirtschaftlichkeit und der Menschlichkeit.



    Jetz hat er also endlich seine Zuständigkeit als Innenminister erkannt und sofort die Strom-Attentäter ermittelt und es ihnen bewiesen (,oder etwa nicht?) - was ja dann wohl rechtfertigt, gegen sie vorzugehen. Schade, dass mir der Verlauf dieser Glanzleistung entgangen ist. Weiter gehts mit Identifizierung von ausreichend Linksradikalen aus dem Fundus der Bevölkerung - Kriterien unwichtig, beim Bespitzeln wird sich was finden. Jetzt noch Nancy Faesers bisher von ihm abgelehnte Vorarbeit aneignen (wahrscheinlich ohne Verbesserung und Anpassung) und ein paar Maßnahmepakete erfinden. Nun ja, auch eher unpolitische Wähler mögen es nicht, wenn jemand seine Arbeit schlecht oder gar nicht macht, besonders, wenn sie das Ergebnis schmerzhaft ausbaden müssen.

  • ein Stromnetz zu sabotieren darf kein Mittel des Widerstands sein/werden!



    Aber die Brachial-Wortwahl unseres HEIMATministers, "wir schlagen zurück"! ist mehr als fragwürdig.



    Wenn vereinzelte Linksextremisten das Falsche tun, nutzt es eher wenig, dem Ganzen mit personeller Aufrüstung und überzogener Digital-Kontrolle zu begegnen.



    Aber das einfache Dobrindtsche Denkmuster verfängt leider bei Vielen; und genau darum gehts ihm!

  • Dobrindts Vorgehen ist nur allzu durchsichtig. Die Verschärfung der Gesetze - ich nehme an, die gute alte Vorratsdatenspeicherung kommt einmal mehr auf den Tisch - soll vom Staatsversagen hinsichtlich des Schutzes der kritischen Infrastruktur ablenken. Sehr interessant dazu die Einlassungen von Johannes Rundfeldt von der AG Kritis in der Phoenixrunde v. 07.01.2026.



    www.phoenix.de/sen...wie-a-5157482.html / Minute 13:30