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Imagekampagne für NiedersachsenKein Land für lahme Claims

Wenn die Landesregierung mal wieder eine Imagekampagne auslobt, kann das eigentlich nur schiefgehen. Mit oder ohne neuen Slogan.

Verdienstkreuz statt After-Show-Party: Was ist, wenn Niedersachsen wie die Scorpions ist? Foto: Michael Matthey/dpa

E s gibt ja kaum etwas, was so zuverlässig Fremdscham auslöst, wie Standortmarketing. Neulich erst musste ich jemanden vom Flughafen abholen, wo immer noch diese ganzen „hub of the scorpions“-Banner herumhingen, die man zum großen Bandjubiläum im letzten Jahr dort aufgehängt hatte.

Ich summte leise Thees Ulmanns „Was wird aus Hannover, wenn die Scorpions nicht mehr sind“, um mich nicht die ganze Zeit geniert zu winden, aber das half auch nicht wirklich. In der vergangenen Woche kam dann die Meldung, dass Niedersachsen nun mal wieder eine Imagekampagne plant und dafür zehn Millionen Euro eingeplant hat.

Die europaweite Ausschreibung ist wohl schon so gut wie abgeschlossen, dieses Mal ohne Gemauschel und Rücktritte. Eine Präsentation der Ergebnisse droht in naher Zukunft. Darauf gibt es natürlich überhaupt nur eine denkbare Reaktion: So viel Geld, gebt das doch lieber für x aus.

Und obwohl der Regierungssprecher mehrfach betonte, es sei nicht klar, ob bei dieser Gelegenheit auch der aktuelle Slogan „Niedersachsen. Klar.“ ausgetauscht werden sollte, das habe man bei der Ausschreibung bewusst offen gelassen, konzentrierte sich danach natürlich trotzdem die gesamte Debatte auf – klar – eben diesen Slogan.

Slogans, an die sich kein Mensch erinnert

Fernsehteams und Radiopraktikanten rückten umgehend zu Straßenumfragen aus, um zu dokumentieren, dass bei diesem Thema wirklich niemandem spontan etwas auch nur ansatzweise Lustiges oder Originelles einfällt. Ich wäre wirklich dankbar, wenn das bald mal die KI übernehmen könnte. Das Ergebnis wird ja in etwa das gleiche sein.

Der NDR veröffentlichte gleich eine Liste mit den Slogans oder Claims der anderen Bundesländer, sofern sie welche haben. Wenn Sie mal testen möchten, wie eingängig die sind, versuchen Sie doch einmal, sie ohne Nachzuschauen aufzuschreiben. Also ich komme dabei auf null von 16 möglichen Punkten.

Der letzte Länderwerbeslogan, der bei mir hängen geblieben ist, war „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“. Zu meinem Erstaunen ist der aber auch schon seit 2021 abgemeldet. Seither wirbt Baden-Württemberg mit „the länd“, was ich so schlimm fand, dass ich es prompt wieder verdrängt habe. Dabei ist es ja eigentlich eine total logische Steigerung. Die können halt weder Deutsch noch Englisch.

In Niedersachsen könnte man jetzt natürlich sagen, wir können wenigstens Hochdeutsch. Das stimmt zwar aus wissenschaftlicher Sicht nicht so ganz, aber wer hört schon auf Linguisten. Werbeagenturen ganz sicher nicht.

Das niedersächsische Identitätsproblem

Dass man sich sofort auf den Slogan stürzte, hängt natürlich damit zusammen, dass der Rest noch viel weniger greifbar ist. Image? Niedersachsen? Was zum Kuckuck soll denn das sein? Dazu müsste man ja überhaupt erst einmal eine halbwegs stabile Identität als Niedersachse haben. Aber daran scheitert es ja schon.

Schon in diesem berühmt-berüchtigten Niedersachsenlied, mit seinem völkisch-geschichtsklitternden Vokabular definiert man sich ja vor allem darüber, gegen wen man gekämpft hat bzw. wer oder was man auf keinen Fall ist: römischer Scherge, welsche Brut, Franke, unausgesprochen auch: Westfale, igittipfui. „Sturmfest und erdverwachsen“, na ja.

In Niedersachsen gibt es außerdem so viele unterschiedliche regionale Identitäten und Lokalpatriotismen, dass für das Bundesland – das ja auch bloß so eine Verwaltungskopfgeburt aus der Nachkriegszeit ist – überhaupt nichts übrig bleibt.

Dazu kommt: Die Hälfte der Bevölkerung ist irgendwann in den letzten 80 Jahren zugezogen. Einwanderung können wir. Geflüchtete aufnehmen üben wir seit 1945 – und waren damit ziemlich erfolgreich. Aber damit will im Moment natürlich auch keiner protzen.

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Nadine Conti
Niedersachsen-Korrespondentin der taz in Hannover seit 2020
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5 Kommentare

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  • Da gab vor Jahren mal was mit Pferdeäpfeln. Das war halbwegs witzig, wenn da neben dem Niedersachsenross auch ab und zu... naja... Scheiße liegt.

  • "Das Land, das VW aushält", "Vor allem nieder", "Platt. Gemacht" - genügend Vorschläge gibt es ja.



    Gleichwohl hätte Niedersachsen durchaus gute Karten. Es muss halt nur rascher Erneuerbare und deren billigen Strom als Standortfaktor aufbauen, als die Küsten zurückgenommen werden müssen. Und zum obsoleten Verbrenner der Arroganz-Bosse: Adios.

    • @Janix:

      Es ist absolut eklig, so mit dem Wohlstand des ganzen Landes umzugehen. Das führt letztendlich zu mehr Stimmen für die AfD, weil jeder sieht, dass es doch die Linke ist, die das Land gerne deindustrialisiert und keinen Wert auf Arbeitsplätze legt.

      • @Otto Mohl:

        Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.



        Die Verbrenner-Auto-Industrie hat seit 93 Jahren Zuschüsse und Privilegien gesogen, was das Zeug hält. Mit bekannten Folgen und Kosten. Aber so eine Klappe. Das durfte ich kurz sagen.

        Zurück zu Niedersachsen: Wer Arbeitsplätze will, setzt z.B. auf Windkraft im Lande, dadurch sehr billige Energie. Setzt den Seehafen Wilhelmshaven als Nachfolger von Hamburg durch. Reduziert die Abhängigkeit von Verbrenner-Auto und auch eingepferchten Schweinen rasch. Wohlstand heißt, durch Klugheit Dinge gar nicht mehr zu "brauchen".

        • @Janix:

          Die (Auto-) Industrie hat das Land aufgebaut und bezahlt noch immer den ganzen unproduktiven Rest.



          Der Jade-Weser-Port ist eine gute Idee, läuft aber total schlecht. Das ist einer der unproduktiven Rest-Insolvenz-Betriebe.



          Windkraft ist überhaupt nicht billig. Ohne garantierte Einspeisung nach EEG mit 10 Cent kWh für 20 Jahre baut niemand eine WEA. Rechnet sich einfach nicht. Dann braucht die WEA auch noch konventionelle Backup-Kraftwerke, die viel rumstehen und nur unproduktiv Kosten verursachen. Ich weiß wovon ich rede, ich habe viel Geld in WEA investiert. Das lohnt sich. Ist aber eine Katastrophe für die Gesellschaft.



          Schweine im Stall sind Mist. Das ist der einzige Punkt, wo du recht hast. Allerdings gibt es da auch ganz viele Vorteile: hygienischer, es sterben weniger Tiere, günstiger, die Gülle kann dosiert wieder ausgebracht werden... deshalb insgesamt nachhaltiger.