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+++ Nachrichten im Nahostkrieg +++19 Deutsche verlassen Gaza-Streifen

Deutschland hat die Ausreise 19 deutscher Staatsbürger und ihrer Angehörigen aus dem Gazastreifen erreicht. Israel weitet seine Offensive in Gaza aus.

Ein von einer Drohne aufgenommenes Luftbild der Ruinenlandschaft der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens am 29. März Foto: Mohammad Abu Samra/AP/dpa

Gruppe von Deutschen kann Gazastreifen verlassen

Deutschland hat nach Angaben des Auswärtigen Amts die Ausreise einer Gruppe deutscher Staatsbürger und ihrer Angehörigen aus dem umkämpften Gazastreifen erreicht. 19 Deutsche und enge Familienangehörige seien in Abstimmung mit den israelischen Behörden über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom aus dem Küstenstreifen ausgereist, hieß es in der Mitteilung. Ein Charterflug habe die Menschen von einem Flughafen im Süden Israels aus direkt nach Deutschland gebracht. Wie viele Angehörige mitreisen konnten, war zunächst unklar.

Die Ausreise aus dem seit fast zwei Jahrzehnten blockierten Gazastreifen, in dem rund zwei Millionen Menschen leben, ist seit Beginn des Krieges vor eineinhalb Jahren noch schwieriger geworden. Sie ist – wenn überhaupt – nur über ein langwieriges Verfahren möglich, bei dem Palästinenser mit ausländischer Staatsbürgerschaft etwas bessere Karten haben. Im Zuge des Krieges, der mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober begonnen hatte, sind breite Teile des Gazastreifens verwüstet worden. Die Lebensumstände für die Zivilbevölkerung sind dabei unerträglich. (dpa)

Minister in Israel: Gaza-Operationen werden ausgeweitet

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat eine Ausweitung der Militäroperationen im Gazastreifen angekündigt. Israels Offensive in dem Küstengebiet werde „ausgeweitet, um das Gebiet von Terroristen und terroristischer Infrastruktur zu säubern und große Gebiete zu erobern, die den Sicherheitszonen des Staates Israel hinzugefügt werden“, teilte Katz am Mittwoch mit.

Die Bewohner des Gazastreifens forderte er auf, die Hamas zu vertreiben und alle Geiseln zu übergeben, die nach dem Terrorangriff der militant-islamistischen Palästinenserorganisation auf Israel am 7. Oktober 2023 noch im Gazastreifen verblieben sind. (ap)

15 Tote bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach Angaben des von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch Kinder, sagte Zivilschutzsprecher Mahmud Bassal am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Der erste Luftangriff habe im Morgengrauen ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Chan Yunis im Süden des Gazastreifens getroffen. Dabei seien 13 Menschen getötet worden, sagte Bassal. Bei einem zweiten Angriff auf ein Haus im Flüchtlingslager Nuseirat seien zwei weitere Menschen getötet worden.

Israel hatte Mitte März seine massiven Luftangriffe auf Ziele der Hamas im Gazastreifen wieder aufgenommen, wo seit Mitte Januar eine Waffenruhe galt. Zudem startete die Armee einen neuen Bodeneinsatz in dem Palästinensergebiet. (afp)

UN: Israelische Angaben zu Nahrung in Gaza „lächerlich“

Die Vereinten Nationen haben eine Darstellung einer israelischen Behörde zu angeblich ausreichenden Lebensmittelvorräten im Gazastreifen mit ungewöhnlich scharfen Worten zurückgewiesen. „Was die UN betrifft, ist das lächerlich. Wir sind am Ende unserer Vorräte angelangt, der Hilfsgüter, die über den humanitären Weg geliefert wurden. Das Welternährungsprogramm (WFP) schließt seine Bäckereien nicht aus Spaß“, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric in New York. Er nahm Bezug auf die vorläufige Schließung der Backstuben, aus denen das WFP Brot für Zehntausende Bedürftige bezieht. Es gebe schlicht kein Mehl mehr und kein Gas zum Kochen, sagte Dujarric.

Der Sprecher antwortete auf eine Frage zu einer Behauptung der für Palästinenserangelegenheiten zuständigen israelischen Behörde Cogat. Diese hatte mitgeteilt, es gebe trotz der Blockade von Hilfslieferungen „noch lange genug Lebensmittel, wenn die Hamas sie den Zivilisten überlässt“. (dpa)

USA: Verstärken Nahost-Einheiten mit weiteren Jets

Die USA verstärken ihre Einheiten in Nahost mit einer Verlegung zusätzlicher Kampfflugzeuge. Damit wolle Verteidigungsminister Pete Hegseth die Marineeinheiten dort stärken, heißt es in einer Mitteilung. Um welche Flugzeuge es sich handelt, wird nicht mitgeteilt. US-Insidern zufolge sind jedoch mindestens vier B-2-Bomber auf einen amerikanisch-britischen Stützpunkt auf der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean verlegt worden. Laut Experten könnten sie von dort aus auch Ziele im Jemen wie auch im Iran angreifen. Die USA besitzen 20 der B-2-Bomber, die auch mit Kernwaffen bestückt werden können. (rtr)

Drei Verletzte bei Siedlergewalt im Westjordanland

Maskierte jüdische Siedler haben Berichten zufolge ein palästinensisches Dorf im nördlichen Westjordanland angegriffen und Eigentum der Bewohner in Brand gesteckt. Die Siedler setzten Schusswaffen und Gummigeschosse ein und verletzten drei Palästinenser, teilte der örtliche Rote Halbmond mit.

Nach Angaben des Bürgermeisters des Dorfes Duma fackelten die Angreifer drei Autos und zwei Gärten ab. Den Dorfbewohnern sei es gelungen, die rund 300 Eindringlinge zurückzudrängen, hieß es in den Berichten.

Das israelische Militär teilte mit, dass es Berichte erhalten habe, wonach Dutzende israelische Zivilisten in Duma palästinensisches Eigentum in Brand gesteckt hätten. Militär und israelische Polizei seien ausgerückt und hätten die „verfeindeten Mengen“ voneinander getrennt. Fünf Siedler seien festgenommen worden, berichtete das Kan-Radio. Sie wurden von der Polizei festgehalten, konnten aber anschließend entkommen, schrieb die Times of Israel unter Berufung auf Sicherheitskreise. (dpa)

Jemenitische Huthi-Miliz meldet Abschuss von US-Drohne

Die Huthi-Miliz im Jemen will eine weitere US-Hightechdrohne abgeschossen haben. Die Drohne vom Typ MQ-9 Reaper sei mit einer „geeigneten, lokal hergestellten Rakete“ vom Himmel geholt worden, sagte Huthi-Sprecher Jahja Saree in einer Videobotschaft. Die Huthi veröffentlichten am Dienstag Bildmaterial, auf dem Trümmer zu sehen sind, die von der Drohne stammen sollen.

Den Angaben zufolge wurde sie im Gouvernement Marib abgeschossen, wo sich Öl- und Gasfelder befinden, die noch unter der Kontrolle von Verbündeten der jemenitischen Zentralregierung im Exil stehen. Das US-Militär bestätigte der Nachrichtenagentur AP, es wisse von den Berichten über einen Drohnenabschuss, lehnte aber weitere Kommentare ab.

Die vom Iran unterstützten Huthi greifen seit Herbst 2023 Handelsschiffe am wichtigen Zugang zum Suezkanal an. Nach eigenen Angaben wollen sie auf diese Weise die Hamas im Gazastreifen bei ihrem Kampf gegen Israel unterstützen. Um die Angriffe einzudämmen, greifen die USA Stellungen der Huthi mit Kampfflugzeugen und Drohnen an. Mitte März verstärkten sie ihre Attacken und haben die Huthi nach Angaben von Präsident Donald Trump dezimiert. „Ihre Fähigkeiten, die die Schifffahrt und die Region bedrohen, werden schnell zerstört. Unsere Angriffe werden fortgesetzt, bis sie keine Bedrohung mehr für die Freiheit der Schifffahrt darstellen“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Die Rebellen wehren sich unter anderem mit iranischen Boden-Luft-Raketen und haben mehrere Reaper-Drohnen abgeschossen. Die Huthi sprechen von 20. Das US-Militär hat Verluste eingeräumt, nennt aber keine Gesamtzahl. Eine MQ-9 kostet etwa 30 Millionen Dollar (rund 27,8 Millionen Euro), fliegt mehr als 12.100 Meter hoch und kann mehr als 30 Stunden in der Luft bleiben. (ap)

Bericht: Journalist und Familie bei Angriff in Gaza getötet

Bei einem israelischen Angriff im Gazastreifen sollen einem Bericht zufolge ein palästinensischer Journalist, seine Ehefrau und ihre drei Kinder getötet worden sein. Aufnahmen der Nachrichtenagentur AP vom Dienstagmorgen zeigten ein eingestürztes Haus in Chan Yunis im Süden des Küstengebiets, das Mohamed Salah Bardawil mit seiner Familie bewohnte. Der Anwohner Fathi Nuschasi berichtete, der Luftangriff habe sich wie ein Erdbeben angefühlt. „Ich habe viele Kriege miterlebt, aber noch nie so etwas, das uns passiert ist. Die Trümmer drangen in unser Schlafzimmer ein“, erklärte er.

Dutzende Menschen versammelten sich im Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis zu Trauergebeten, ein Mann schrie: „Das waren Kinder, die geschlafen haben.“ Eine Presseweste wurde über einen Sack mit der Leiche Bardawils gelegt.

Der Journalist arbeitete für den mit der Hamas verbundenen Sender Radio Aksa. Er war der Neffe von Salah Bardawil, einem Mitglied des Politbüros der militant-islamistischen Gruppe, der kürzlich durch einen Angriff getötet worden sein soll, bei dem auch dessen Frau umkam. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zum Bericht über den Angriff auf das Haus von Mohamed Salah Bardawil. (ap)

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4 Kommentare

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  • Es kann ja nicht unklar gewesen sein wieviele Familienmitglieder da mitreisen konnten, bevor das Flugzeug bestiegen wird oder zumindest hoffe ich das nach dem Debakel in Afghanistan. Will es das Auswärtige Amt auf Nachfrage nicht nennen oder soll das lieber nicht direkt an die Öffentlichkeit kommuniziert werden?

    • @Šarru-kīnu:

      Wir können bei dieser Personengruppe vermutlich davon ausgehen, dass es keine (bekannten) Täter/Mittäter des 07.10.23 sind, da ich annehme, solche Menschen würde Israel nicht ausreisen lassen.

      Hoffen wir, dass sie sich in Deutschland ein gutes, ihren Wünschen entsprechendes Leben aufbauen können.

      • @*Sabine*:

        Das sehe ich auch so. Ich mißbillige aber diese Kommunikationspolitik des AA, die genaue Anzahl der Familienangehörigen geheim zu halten.



        Das leistet chauvinistischen Geraune über arabische Großfamilien Vorschub und außerdem hinterlässt es ein Gefühl, von "denen da oben" veralbert zu werden. Sprich, es bietet Wahlkampfhilfe für die AfD, wahrscheinlich das Gegenteil davon, was man erreichen wollte. Schema: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern".

        Wenn es nach mir ginge, sollte das AA selbstbewusst und offenherzig kommunizieren: In einem Akt der Nothilfe haben wir 19 bisher in Gaza lebenden ausreisewilligen Deutschen und so-und-so-viel-hunderten ausreisewilligen Familienangehörigen die Ausreise nach Deutschland gewährt. So-und-soviele Menschen, die nicht mehr als lebende Schutzschilder für den blutigen Krieg der Hamas herhalten wollten. So-und-soviele Kinder und Jugendliche, die wieder in die Schule können.



        Alle, die noch nicht deutsch können, werden im Rahmen des Aktionsprogramms mit verpflichtenden Sprachkursen versorgt.



        Alle haben umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen sowohl durch israelische als auch deutsche Sicherheitsdienste durchlaufen.



        Usw.

        • @a jugovic:

          Ich verstehe die mangelnde Transparenz an dieser Stelle auch nicht und sehe auch keinen Grund, in dem Punkt etwas "verbergen" zu müssen. Aber vielleicht hat es mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten der (auch) gazanischen BürgerInnen zu tun.

          Vermutlich ist diese Vorgehensweise sogar kontraproduktiv, da an anderen Stellen von "hunderten" Personen gesprochen wird und die Anzahl derjenigen, die davon über die deutsche Staatsbürgerschaft (19 Personen) verfügen, bekannt ist.