„Nius“-Werbung im Berliner ÖPNV: Nicht über jedes Stöckchen springen
Die Empörung über Nius-Werbung im Stadtbild dürfte von den Initiatoren einkalkuliert sein. Wie schafft man es, nicht nach ihrem Skript zu handeln?
S ie lügen wie gedruckt. Wir drucken, wie sie lügen“, der Werbeslogan der Tageszeitung Junge Welt prangt seit Jahren auf öffentlichen Plakatwänden. Vermutlich ohne dass auch nur jemals eine Menschenseele groß Anstoß daran genommen hat. Wenn nun das rechte Portal „Nius“ auf einem BVG-Bus seinen Werbespruch „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“ durch die verstopften Straßen der Hauptstadt schleichen lässt, ist die Aufregung groß.
So groß, dass sich eine Kampagnen-Organisation nicht zu blöd ist, dem öffentlichen Verkehrsmittel mit einem Kleinlaster zu folgen und mit einer persiflierten Botschaft vor dessen Machenschaften zu warnen. Kann man machen. Muss man aber nicht.
An Absurdität gesteigert wird dieses Schauspiel durch die mediale Rezeption. Die Vorsitzenden der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Verdi bezeichnen die Werbung in einem offenen Brief als „keinen guten Look“ für die BVG, diese weist sämtliche Verantwortung von sich, schließlich sei ein externer Vermarkter für die Vergabe der Werbeplätze zuständig. Gefolgt von dem Lippenbekenntnis, man stehe „öffentlich und aus Überzeugung für Offenheit, Respekt und ein demokratisches Miteinander ein.“
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Man könnte die Aussage der Verkehrsbetriebe nun als das entlarven, was sie ist: eine Floskel aus dem Bausteinkasten moderner Unternehmenskommunikation – und die rollende Nius-Werbung trotzdem zu Recht kritisieren. Oder aber man unterschreibt eine Campact-Petition an die BVG, versehen mit dem Appell, diese solle zu ihrer „Aussage stehen“ und sich „klar gegen rechtspopulistische Angstmache“ positionieren.
Das Problem, das Petition, mediale Rezeption und damit auch dieser Kommentar gemeinsam haben: sie schaffen Aufmerksamkeit für das rechte Portal und sind damit Teil des Skriptes. Dessen sollte man sich bewusst sein. Schließlich dürfte das von den Initiatoren genauso einkalkuliert sein. In der Werbepsychologie gibt es das AIDA-Prinzip. Es steht für Attention, Interest, Desire (Verlangen) und Action.
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Demnach gilt es als größte Hürde, dass Konsument:innen überhaupt Notiz von einer Werbung nehmen. Diese dürfte Nius genommen haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sich zur Eindämmung der folgenden Punkte andere Antworten als Onlinepetitionen finden.
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