tazđŸŸsachen
: Der Name
des TĂ€ters

Nennen? Oder nicht nennen? Die Berichterstattung ĂŒber den am Dienstag begonnenen Prozess zum Anschlag von Halle hat auch in der taz eine Diskussion ausgelöst. Soll oder muss sogar der Name des AttentĂ€ters in den Texten stehen – auch, um ihn zur Verantwortung ziehen zu können? Oder ganz im Gegenteil: Sollte man ihn verschweigen – schon um die Opfer zu schĂŒtzen?

FrĂŒher ging es bei dieser Frage vor allem um den TĂ€terschutz. Laut Pressekodex ist aufgrund der Unschuldsvermutung ZurĂŒckhaltung geboten – außer bei Taten von ĂŒberragender Bedeutung. Die ist in Halle zweifelsohne gegeben. Was aber, wenn ein TĂ€ter mit seiner Tat bekannt werden will? Was, wenn sich Nachahmer angestiftet fĂŒhlen könnten?

Nach dem Anschlag 2019 in Christchurch hatte Neuseelands MinisterprĂ€sidentin Jacinda Ardern erklĂ€rt, den Namen des TĂ€ters zu verschweigen, um seinen Wunsch nach BerĂŒhmtheit nicht zu erfĂŒllen. Sie nannte ausschließlich die Opfer beim Namen. Beim Prozess von Halle forderten Opfervertreter nun, dem TĂ€ter keine BĂŒhne zu bieten und auf die Namensnennung zu verzichten.

Bei der Redaktionskonferenz der taz am Mittwoch wurde die Frage lange diskutiert. Einige plĂ€dierten fĂŒr, andere gegen die Namensnennung. Einige AutorInnen haben den TĂ€ter in ihren Texten benannt. Die Autorin des Texts in der heutigen Ausgabe hat darauf verzichtet. Es ist etwas in Bewegung geraten. Die Redaktion wird sich mit ExpertInnen und Betroffenen beraten, um eine ­generelle Linie fĂŒr die taz zu finden. (ga)

inland 6 , tazzwei 14