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Graphic Novel zur SportgeschichteKicker, Kolonien, Klassen

Fußball kann schöner sein als die vergangene WM. Eine Graphic Novel zeigt die Geschichte und die Kraft dieses subversiven und rebellischen Sports.

Es beginnt nicht mit dem Fußball, sondern mit dem, was diesen Sport groß gemacht hat: dem Reden über Fußball. Auf einer der ersten Seiten dieser französischen Graphic Novel sitzen Menschen in einem Café und unterhalten sich über all die Missstände, die der Fußball, den sie doch so sehr lieben, ausmacht.

„Es würde sich lohnen, all das zu erzählen, findest du nicht?“, sagt irgendwann ein Mann, als schon diese Themen dran waren: Menschenrechtsverletzungen auf Stadionbaustellen in Katar, die Skandal-WM 1978 in Argentinien, der Ausschluss von Frauen, die Kommerzialisierung und wo sie herkommt.

Das zu erzählen, lohnt tatsächlich. Und „Eine kurze Geschichte des Fußballs“, so der Titel der Graphic Novel, geht tatsächlich sehr gut in die Tiefe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihm ein sehr gut recherchiertes Buch zugrunde liegt, das – anders als der Comic – leider nicht auf Deutsch vorliegt. „Une histoire populaire du football“ (2018) heißt es im Original, die englische Übersetzung lautet „A People’s History of Football“ (2023), und Autor ist der französische Journalist Mickaël Correia.

Eine kurze Geschichte des Fußballs

Jean-Christophe Deveney, Mickaël Correia (Szenario), Lelio Bonaccorso (Zeichnung): Eine kurze Geschichte des Fußballs (übersetzt von Harald Sachse). Bielefeld 2026: Splitter-Verlag. 144 Seiten, 25 Euro.

In der Graphic Novel geht es – wie auch schon im Sachbuch – um all das, was den Fußball eben nicht zur „Nebensache“, sondern zum gesellschaftlichen Faszinosum macht: um Kämpfe um Teilhabe, die Arbeiter und Frauen geführt haben – und führen; um Fußballspiele als Inszenierungen (und mehr als das) von Klassenkämpfen; um die Bedeutung, die der Fußball beim Kampf gegen Diktaturen hat, sei es gegen das franquistische Spanien oder das faschistische Italien, sei es die „Democracia Corinthiana“ im Brasilien der frühen 1980er; um Kämpfe gegen Kolonialmächte, die teils den Fußball mitbrachten und teils den Fußball verboten (manchmal beides zugleich).

Die große Palette der Fußballthemen

Anders als das Sachbuch bleibt die Graphic Novel oft chronologisch, was den Erzählstrang erleichtert. Es beginnt also mit dem wilden Folk Football auf britischen Wiesen, wo nicht selten Kirchenportale als Tore fungierten. Die Anfänge des Fußballs als Regelsport in Rugby werden uns zeichnerisch nahegebracht, und auch dass das eine Gründung von oben war, von den gesellschaftlichen Eliten. Die Working Class im englischen Norden musste sich den Zugang erkämpfen.

Ähnlich eindringlich werden die Anfänge des Frauenfußballs, zunächst von Arbeiterinnen in englischen Munitionsfabriken, die während des Ersten Weltkriegs die Männer in der Produktion und auf dem Fußballfeld ersetzen sollten, beschrieben. Als sie zu gut wurden, folgte das Verbot. Um es zu umgehen, wurden eigene Verbände gegründet, und es wurde auf Profisport gesetzt. Auch Themen wie Fußball in NS-Deutschland – nämlich als Feld, das vom System beherrscht wurde, und auch als Feld, auf dem Widerstand geleistet wurde – wird behandelt.

Die Fußballgeschichte, deren ärgstes Ärgernis sein dürfte, dass sie von Fifa, DFB und anderen so erfolgreich entpolitisiert wurde, wird hier in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert. Weil Fußball ja etwas Ästhetisches ist, liegt die gewählte Form der gezeichneten Geschichte nahe. Es gelingt. Kurz gesagt: Hier treffen sich die sehr gute Recherche des Sachbuchs und die überzeugende künstlerische Präsentation, dazu noch gut übersetzt.

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