was fehlt ...: ... das Gütesiegel
Brüssel plant eine Änderung des Warenursprungsrechts. Berlin wittert eine Verschwörung gegen das Heiligste der deutschen Wirtschaft. "Made in Germany" ist in Gefahr.
Ein böses Gerücht aus Brüssel traf direkt ins Herz des Export-Weltmeisters. Es hieß, die EU-Kommission wolle Hand - oder besser die Fräse - anlegen an den stolzen Stempel deutscher Produktionskultur - "Made in Germany". Im Klartext: Man plane die Änderung des Warenursprungsrechts.
Der besorgte Blick gilt der Überlegung, das in Zukunft Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sein könnten. Bisher galt das Land als Made-Country, das den wirtschaftlich entscheidenden Fertigungschritt durchgeführt hat. Das geht gar nicht, Brüssel. Wehe, da wagt jemand den Angriff auf dieses heilige Signum der germanischen Qualität, seit jeher gepresst auf Plastik, Papier oder Stahl.
Dabei stammt das Gütesiegel von den Briten und wurde als Schutzmaßnahme für die eigene Wirtschaft 1887 eingeführt. Man wollte sich gegen die aufstrebende deutsche Industrie schützen und Waren, die über den Kanal kamen als minderwertige Massenware kennzeichen. Der Schuss ging bekanntlich nach hinten los.
Daher scheint dann auch das folgende Protestgezucke der Berliner Republik und ihre Lobbyisten folgerichtig. Rösler, Dobrinth und DIHK-Präses Driftmann schossen wütend zurück. "Die Bundesregierung stützt auf jeden Fall den Vorstoß der deutschen Wirtschaft", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ein Sprecher der EU-Kommission stellte klar, bei den Änderungen ginge es lediglich um Importwaren. Daher verstehe man die Aufregung nicht. (taz)
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