die wahrheit

Handgranaten der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Gartenübungen vor dem Nato-Gipfel.

Während der kleine Nici seinen Auftritt übt, ist die Première Dame in Frauendingen unterwegs. Bild: reuters

Mon cher journal intime …

Dienstag, 24. 3. 2009

Oh, ich bin so außer mir! Ich bin wirklich sehr, sehr außer mir. Weit weg von meiner Mitte, die ich so schätze, und ich weiß im Moment auch nicht, wie ich da so schnell wieder hinkommen soll. In die Mitte, meine ich. Also: Ich habe ja diesen tollen Dienst abonniert. Google Alert. Da gibt man seinen Namen ein oder das Wort "Pferd" oder "Kuchen" und bekommt dann jeden Artikel zugeschickt, der meinen Namen oder eben "Pferd" oder "Kuchen" im Text hat. Als Carla Bruni bekomme ich natürlich eine Menge Meldungen. Also, ich bekam mal eine Menge Meldungen, irgendwie wird das derzeit weniger …

Na, egal, jedenfalls kam da dieser Link. Ich drück drauf, und was sehe ich? Irgendein Girlie trägt das gleiche Kleid wie ich. Also nicht dasselbe, das geht ja nicht, das ist ja bei mir. Aber eben das gleiche. Mein "Coffee and Cream"-Kleid von Chanel. Und nicht nur das. Nicht nur, dass irgend so ein dahergelaufenes Früchtchen in meinem Kleid herumspaziert, dieser impertinente Onlinedienst, der sich die Mühe macht, so einen überflüssigen Schnickschnack zu veröffentlichen, schreibt auch noch, dass das Kleid an mir ein "Fashion-Fiasko" sei. Während das Blondchen "fabelhaft" darin ausgesehen hätte.

Sie sagen, es sehe an mir "irgendwie … preiswert" aus. Preiswert! Das ist ein anderes Wort für "billig"! Für "herabgesetzt". Für erschwinglich, schrottig, arm, kärglich, kläglich, anspruchslos, ramschig. Und minder. Und dürftig, zweitklassig, gewöhnlich, kümmerlich, wertlos, lausig, schäbig, mangelhaft, desolat und mies. Cheap, eben. Einfach cheap. So wie "20 Prozent umsonst". Eine Billigmarke. Ein Preisvorteil, ein Sonderangebot, ein Auslaufmodell …

Ja, genau, das ist das Bild, das ich momentan abgebe: das eines Auslaufmodells. Eine abgeschriebene Frau, die auf das Morgen wartet, weil sie in der Gegenwart nichts mehr zu melden hat. Und jetzt die Geschichte mit dem Kleid. Das Kleid, schreibt dieser Dienst, betone meine "mächtige Oberweite". Mächtig! Ja, sag mal, liebes Tagebuch, wer schlägt denn bei denen in die Tasten? Seit wann sind denn so kleine B-Hüpferchen mächtig? Auf die Idee ist ja noch keiner gekommen. Micky (Jagger, Anm. d. Red.) hat immer meine "süßen kleinen Handgranaten" gelobt, weil sie so gut in seine zerfurchte Hand passten, und der eine Israeli, der mit dem ausgeschlagenen Eckzahn, hat gesagt, ich hätte die schönsten Avocados jenseits der Klagemauer. Und dann hieß es noch, ich hätte hübsche Bällchen und wunderbare Äpfelchen oder dufte Flummis.

Nici hat jetzt ein neues Feld eröffnet und von "Wasserbomben" gesprochen, was ich, ehrlich gesagt, auch nur mäßig charmant finde. Nie aber ist irgendjemand auf die Idee gekommen, zu sagen, meine kleinen Hüpferchen seien "mächtig"!

Also, ich bin ehrlich empört. Unser Anwalt sagt, da könne ich nichts machen, Kleider- und Brustvergleiche seien legitim. Schade eigentlich. Ich weiß aber, wie ich mich abreagiere. Ich rufe bei Chanel an und mache denen die Hölle heiß. Wie es sein könnte, dass die mein Kleid ein zweites Mal verkaufen. Wollen doch mal sehen, ob das nicht hilft.

Dienstag, 24. 3., 15.10 Uhr

Jetzt fühle ich mich schon besser! Was das doch ausmacht, jemanden mal so richtig zusammenzufalten. So richtig kleinzumachen. Großartig! Ich kann meinen Puls noch immer glühen fühlen! Ein Wagen mit den allerneuesten Modellkleidern von Chanel ist zu mir unterwegs. Ich kann mir aussuchen, was immer ich möchte. Na, also. Geht doch!

Donnerstag, 26. 3. 2009

Es britzelt nicht mehr. Nicht ein Fünkchen, nirgends. Ich überlege, ob ich mir wieder so eine kleine Liebelei zulege, wie letzten Sommer mit Joseph. Da pochte das Herz, wenn ich in den Garten ging … da konnte ein jeder Busch die Verheißung bedeuten. Maman sagt, jeder sei seines Glückes Schmied, ich sei selbst schuld, wenn es so langweilig wäre. Die hat gut reden. Die war ja auch nie Präsidentengattin. Als Unternehmerfrau lassen sich ein, zwei Liebhaber auch viel besser in das Ehedasein integrieren. Aber bei mir ist das ja nicht nur eine Frage der Organisation.

Sonntag, 29. 3. 2009

Nici ist schon ganz aus dem Häuschen wegen der Nato-Party in Straßburg. Seine neueste Idee: Die Merkel, das alte Walross, soll in Kehl die Gäste auf eine Rhein-Brücke bringen, und Nici wird dann vom französischen Ufer her auf die Gäste zugehen. Als Soloauftritt. Er als Frankreich kehrt in die Familie der Nato zurück. Schritt für Schritt begleitet von einer großen Lichtshow und einem Orchester, das unter der Brücke hockt und "Eye Of The Tiger" von Survivor spielt. Nici hat im Garten schon einen Teil der Brücke nachbauen lassen, um das Timing einzustudieren. Nicht, dass er in der Mitte ankommt, bevor Johnny Hallyday, der auch beim Orchester steht, auch nur angefangen hat zu singen. Leider stehen Nici wieder einmal seine kurzen Beine im Weg. Irgendwie passen seine Tippelschrittchen nicht zum "Rocky"-Feeling.

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