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Politische Zukunft der USADas Ende der Donaldwelle

Gastkommentar von

Claus Leggewie

Für den US-Präsidenten läuft es nicht gut. Sein „Golden Age“ bleibt bisher ein leeres Versprechen, sein Agieren spaltet seine MAGA-Bewegung.

Hoffnung geben die Proteste im ganzen Land: „No Kings“-Demonstration am 18. Oktober 2025 in New York Foto: Eduardo Munoz/reuters

D as Jahr 2026 wird kein gutes Jahr für den US-Präsidenten. Donald Trump ist nicht das letzte Wort der amerikanischen Demokratie, auch wenn er sie jeden Tag angreift. Ja – es mag Jahre dauern, bis sich die amerikanische Gesellschaft von dem autokratischen Schock erholt haben wird, womöglich erst nach einer weiteren Amtsperiode mit seinem Vize J. D. Vance oder jemandem aus der Dynastie von King Donald. Vielleicht wird das einstige Demokratiemodell bürgerkriegsartige Gewalt durchmachen und die westliche Führungsmacht in die Zweitklassigkeit absteigen. Aber ein anderes Szenario ist möglich.

Hoffentlich bald wird die depressive, selbstbezogene Talfahrt der demokratischen Opposition enden und sie mit einem populären Gegenprogramm aufwarten, wie sich die Lage der „working people“ bessern lässt. Die leiden faktisch am stärksten unter der Geld- und Tech-Oligarchie. Mit „affordability“ (Erschwinglichkeit) hat Trump selbst die Messlatte dafür gelegt, sei es Wohnen, Einkaufen, Verreisen. Steigende Lebenshaltungskosten treffen auch die Maga-Basis, womit statt haltloser Paranoia wieder die bread-and-butter issues ins Zentrum rücken können: Wie viel habe ich mehr oder weniger im Portemonnaie und auf dem Konto? Nur noch ein Drittel der Amerikanerinnen und Amerikaner sehen ihr Land „on the right track“.

Claus Leggewie

ist Politikwissenschaftler und war von 2007 bis 2017 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen. Er ist Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik.

Hoffnung geben die Proteste im ganzen Land. Im Oktober 2025 demonstrierten fast sieben Millionen Bürgerinnen und Bürger in mehr als 2700 Ortschaften. Ihr Motto „No Kings!“ erinnert an die Geburtsstunde der amerikanischen Demokratie 1776, als sich die Menschen vom englischen König abwandten. In einem immer noch halbmonarchischen Präsidialsystem braucht es eine überzeugende Middle-of-the-road-Gegenkandidatin, vorzugsweise aus einem Swing State, die nicht als Sozialistin oder Woke-Liberale abgetan werden kann. Bei den Zwischenwahlen im November müssen republikanische Abgeordnete um ihre Wiederwahl bangen, schon bei den Primaries wird sich zeigen, ob Trump alle radikalen Favoriten durchbringt.

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Auch die sogenannten Strongmen fürchten die nächste Wahl. Trumps Zustimmungswerte stürzen ab, sein „Golden Age“ findet nicht statt. Die messianische Überhöhung des Präsidenten durch seine evangelikale Gefolgschaft bröckelt, da es nun auch in den USA immer mehr „nones“, Konfessionslose und Atheisten, gibt. Und die Vermutung, Trump habe die „Persönlichkeit eines Alkoholikers“, kam aus berufenem Munde, auf die Entourage der Schmeichler, Kriegsgewinnler und Ideologen ist kein Verlass. Die Paranoia, die Trump stark macht, kann gegen ihn umschlagen. Nur mit Mühe kann er verhindern, dass die „Epstein-Dokumente“ die Maga-Basis explodieren lassen.

So rückt die Szene aus dem Märchen Hans Christian Andersens, ausgerechnet eines Dänen, näher. Darin öffnet das kluge Kind den Schranzen die Augen „Der König ist nackt!“ Gefolgsleute aus der Tech-Branche werden von Trump abrücken, wenn die Geschäfte schlecht laufen, China als Weltmacht Nummer 1 vorbeizieht und einer, der versprochen hat, Amerika aus allen Konflikten der Welt herauszuziehen, die Nation in Kriege von Venezuela und Mexiko über Nigeria bis in die Straße von Taiwan und die Arktis hineinreitet. Der von der Basis gewünschte Isolationismus sieht anders aus.

Auch geoökonomisch läuft es nur scheinbar gut für Donald Trump. Sein Schlachtruf „Drill, baby, drill!“ zielt auf die Ausbeutung sämtlicher noch im Boden befindlicher Rohstoffe, vor allem der immensen Erdöl- und Erdgasreserven sowie Kohlevorkommen. Trump leugnet den menschengemachten Klimawandel aus einem materiellen Grund: Seine „extraktivistische“ Kapitalfraktion will die fossile Energieerzeugung um jeden Preis erhalten. Da liberale Demokratien sich ansatzweise eines Besseren besinnen, fördert er allerorts autokratische Bewegungen und Regime, um die ökologische Transformation aufzuhalten. Doch unaufhaltsam vollzieht sich – auch in der VR China und der Golfregion – die Energie-, Bau- und Verkehrswende. Genauer betrachtet sind Trump und Konsorten Auslaufmodelle. Europas Kollaborateure sind gewarnt. Der ungarische Ministerpäsident Viktor Orbán, das europäische Vorbild und Lieblingskind von Trump (und Putin), könnte im April 2026 abgewählt werden. Allzu optimistisch darf man aber nicht sein. Die illiberale Internationale steht fest, weiterhin gehen mehr Demokratien seit der Jahrtausendwende unter, als Autokratien überwunden werden.

Die Macht Trumps und die Putschbereitschaft seiner Milizen sind groß, einem normalen demokratischen Machtwechsel bis 2028 stellen sie große Hindernisse in den Weg: Wahlkreise werden passend zugeschnitten, die Registrierung potenzieller demokratischer Wählerinnen und Wähler wird behindert, Gerichte werden unter Druck gesetzt, Medien mit Prozessen überzogen, die Briefwahl soll ganz verhindert werden. Nun kommt es zum Schwur, ob es noch unabhängige Richter in Amerika gibt und wie stark die ehrwürdigen Institutionen schon unter den Schlägen von DOGE (Abteilung für staatliche Effizienz) gelitten haben. Trump hat die Axt an den ohnehin schwach ausgestatteten Bundesstaat gelegt und die Sicherheitsdienste gegeneinander ausgespielt, selbst die Streitkräfte versucht er zu seiner Privatarmee und Leibgarde zu degradieren.

Gleichwohl: Die amerikanische Demokratie, so unfertig sie immer blieb, hat die Könige davongejagt und frühere Kipppunkte überstanden, darunter die Reichen-Oligarchie am Ende des 19. Jahrhunderts und die erste Welle falscher America-first-Propheten, die sich in den 1930er Jahren am liebsten mit Adolf Hitler verbündet hätten. Vom Alter des Greises, der im Juni 80 wird, war noch gar nicht die Rede, der unüberwindbar wirkende Präsident verliert seine Aura. Dem kann im Jahr 2026 mit einer Machtentziehungskur nachgeholfen werden. Fun Fact: Die Bäckerei Trump im pfälzischen Freinsheim hat schon zugemacht, Donaldwellen werden nicht mehr hergestellt.

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10 Kommentare

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  • Auch wenn Trump nicht mehr an erster Stelle steht, wird die Situation nicht besser, eher das Gegenteil wird eintreten. Ein Typ wie J D Vance, der Empathie als Schwäche bezeichnet, wird noch stärker als Trump wirken. Er hat mehr Grips im Kopf als Trump und genau das ist die große Gefahr. Zudem ist er noch skrupelloser als sein Lehrherr und wird sich keine Chance entgehen lassen, seine Macht zu steigern und zu halten. Wir werden es alle zu spüren bekommen...

  • Kompletter Pessimismus wie kompletter Optimismus ist meist nicht zielführend, so nähme ich das jetzt als Hinweis, dass Amerika noch Chancen hat.



    Die für tazzies natürlich klaren Warnsignale gegen Trump müssten dafür die Blasenhaut dort durchdringen - und darin auch aufgenommen werden. Right or wrong, my Donald? U-S-A, U-S-A? Was kommt durch? Eine offene Frage.

  • Das ist alles wohl Wunschdenke, den Demokraten gelingt es einfach nicht einen glaubhaften Kandidaten für das Amt des Präsidenten zu finden, sie werden wohl auch bei der nächsten Wahl scheitern.

  • Darin öffnet das kluge Kind den Schranzen die Augen „Der König ist nackt!“ Gefolgsleute aus der Tech-Branche werden von Trump abrücken, ...



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    Nett gedacht, doch nicht nur in U-SA sind "kluge Kinder", auch "kluge Erwachsene" leider Mangelware! :-(

    Die demokratischen & völkerrechtlichen Grundlagen sind schnell "geschleift"! DAS Wiederaufbauen dauert aber wohl sehr viel länger!

    Ob es dabei ohne massive Gewalt in U-SA, bzw. auf dem "Rest der Welt abgeht" bleibt ungewiss!

    Btw. Doch es gibt auch Changen! Wenn Europa jetzt entlich merkt, das es nötig ist, auf eigenen Füssen zu stehen & dass DAS nur geht, wenn kleinliche nationalistische "Egospiele" zw. den Mitgliedern dazu kontraproduktiv sind, kann neben dem o.a. "Mist" vielleicht auch etwas positives herauskommen!

    Nachdenklich Sikasuu

  • Oh ja, des Koenig neu Kleider, irgendwann fällt das Kartenhaus und wenns auch aus dem Giergene. Der Koenig wird vom Hof gejagdt, wenn er nicht mehr liefert und seine absurden Heilslehren Alle und Alles ins Chaos stürzt. Die Frage ist nur wann passierts? Hilft evtl die Klimakatastrophe bei dem Sturz der alten, gestrigen Autokraten und welchem Kind/Narr wird der Wahnsinn zuerst auffallen und verkünden

  • Das ist mir viel zu optimistisch. Ich würde mich aber freuen, wenn ich mich irre. Ich stimme lediglich darin zu, dass ich die Demokratie in den USA nicht am Ende sehe. Aber Trump sehe ich ebenfalls noch nicht am Ende. Es bräuchte mal einen richtigen Fehlschlag von Donald, einen der die Basis trifft. Aber was soll das sein? Ich hatte auf teurere Preise dank seiner Zölle gehofft. Aber das ist (bislang) wohl alles moderat.

  • Es würde Zeit, die Demokratie zu reformieren, damit Politiker wie Trump oder Parteien wie die AdD schneller wieder abgewählt werden können, sobald die Wähler verstehen, dass diese nicht die Politik machen, für die sie gewählt wurden. Nur noch 30% der Menschen in den USA finden, dass das Land auf dem richtigen Weg ist. In Deutschland sieht es nicht viel anders aus. Eine Demokratie soll ja eigentlich eine "Herrschaft des Volkes" sein. Zumindest sollte die Politik im Sinne und im Interesse des Volkes gemacht werden.



    Und das bedeutet eigentlich, dass wenn über längere Zeit mehr als 60% des Volkes der Meinung sind, dass sie so nicht regiert werden möchten, dann muss das Volk auch die Chance bekommen, neu zu wählen.



    So wie z.B. In dieser Petition gefordert:



    innn.it/diedemokratiemussbesserwerden



    Dadurch hätte auch die AdD in Deutschland nicht 4 Jahre Zeit, sondern könnte schon nach 1-2 Jahren wieder abgewählt werden.



    Und die Regierungen würden von vornherein mehr Wert darauf lege , dass mehr Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Und dadurch würden weniger Menschen radikale Parteien wählen.

  • lt. RealClearPolling (die mitteln über alle Umfragen) liegt die Zustimmungsrate des orangen Irren aktuell bei 44,3 %

    www.realclearpolli...mp/approval-rating

    Das mag "under water" sein, ist aber angesichts dessen, was der Mann abliefert, sensationell stabil.



    Also, da gabs ja mal so einen Spruch: Das Fell des Stinktieres erst verteilen, wenn es erlegt ist. Oder so ähnlich.

    • @Kaboom:

      Auf der einen Seite sehr hoch angesichts dessen, was er sich leistet. Auf der anderen Seite sind 55-60% stabil gegen seine Politik, zunehmend mehr.



      Daher sollte man darüber nachdenken, in eine Demokratie einen Mechanismus einzubauen, dass ein Volk einen Politiker auch wieder a b wählen kann, wenn stabil mehr als 55% unzufrieden mit der Politik sind. Auch in Deutschland als Schutz vor extremisti schon Parteien. So wie u.a. Hier vorgeschlagen: innn.it/diedemokratiemussbesserwerden

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        "Auf der einen Seite sehr hoch angesichts dessen, was er sich leistet. Auf der anderen Seite sind 55-60% stabil gegen seine Politik, zunehmend mehr."

        Jo. Aber da geht einiges mit Gerrymandering. Die geplanten Änderungen der Wahlbezirke in Florida (die ja Gerichte gecancelt haben) hätten vermutlich zu null von den Demokraten gewonnenen Wahlbezirken geführt. Bei über 30 % Stimmen für die Demokraten.