Politische Zukunft der USA: Das Ende der Donaldwelle
Für den US-Präsidenten läuft es nicht gut. Sein „Golden Age“ bleibt bisher ein leeres Versprechen, sein Agieren spaltet seine MAGA-Bewegung.
D as Jahr 2026 wird kein gutes Jahr für den US-Präsidenten. Donald Trump ist nicht das letzte Wort der amerikanischen Demokratie, auch wenn er sie jeden Tag angreift. Ja – es mag Jahre dauern, bis sich die amerikanische Gesellschaft von dem autokratischen Schock erholt haben wird, womöglich erst nach einer weiteren Amtsperiode mit seinem Vize J. D. Vance oder jemandem aus der Dynastie von King Donald. Vielleicht wird das einstige Demokratiemodell bürgerkriegsartige Gewalt durchmachen und die westliche Führungsmacht in die Zweitklassigkeit absteigen. Aber ein anderes Szenario ist möglich.
Hoffentlich bald wird die depressive, selbstbezogene Talfahrt der demokratischen Opposition enden und sie mit einem populären Gegenprogramm aufwarten, wie sich die Lage der „working people“ bessern lässt. Die leiden faktisch am stärksten unter der Geld- und Tech-Oligarchie. Mit „affordability“ (Erschwinglichkeit) hat Trump selbst die Messlatte dafür gelegt, sei es Wohnen, Einkaufen, Verreisen. Steigende Lebenshaltungskosten treffen auch die Maga-Basis, womit statt haltloser Paranoia wieder die bread-and-butter issues ins Zentrum rücken können: Wie viel habe ich mehr oder weniger im Portemonnaie und auf dem Konto? Nur noch ein Drittel der Amerikanerinnen und Amerikaner sehen ihr Land „on the right track“.
Hoffnung geben die Proteste im ganzen Land. Im Oktober 2025 demonstrierten fast sieben Millionen Bürgerinnen und Bürger in mehr als 2700 Ortschaften. Ihr Motto „No Kings!“ erinnert an die Geburtsstunde der amerikanischen Demokratie 1776, als sich die Menschen vom englischen König abwandten. In einem immer noch halbmonarchischen Präsidialsystem braucht es eine überzeugende Middle-of-the-road-Gegenkandidatin, vorzugsweise aus einem Swing State, die nicht als Sozialistin oder Woke-Liberale abgetan werden kann. Bei den Zwischenwahlen im November müssen republikanische Abgeordnete um ihre Wiederwahl bangen, schon bei den Primaries wird sich zeigen, ob Trump alle radikalen Favoriten durchbringt.
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Auch die sogenannten Strongmen fürchten die nächste Wahl. Trumps Zustimmungswerte stürzen ab, sein „Golden Age“ findet nicht statt. Die messianische Überhöhung des Präsidenten durch seine evangelikale Gefolgschaft bröckelt, da es nun auch in den USA immer mehr „nones“, Konfessionslose und Atheisten, gibt. Und die Vermutung, Trump habe die „Persönlichkeit eines Alkoholikers“, kam aus berufenem Munde, auf die Entourage der Schmeichler, Kriegsgewinnler und Ideologen ist kein Verlass. Die Paranoia, die Trump stark macht, kann gegen ihn umschlagen. Nur mit Mühe kann er verhindern, dass die „Epstein-Dokumente“ die Maga-Basis explodieren lassen.
So rückt die Szene aus dem Märchen Hans Christian Andersens, ausgerechnet eines Dänen, näher. Darin öffnet das kluge Kind den Schranzen die Augen „Der König ist nackt!“ Gefolgsleute aus der Tech-Branche werden von Trump abrücken, wenn die Geschäfte schlecht laufen, China als Weltmacht Nummer 1 vorbeizieht und einer, der versprochen hat, Amerika aus allen Konflikten der Welt herauszuziehen, die Nation in Kriege von Venezuela und Mexiko über Nigeria bis in die Straße von Taiwan und die Arktis hineinreitet. Der von der Basis gewünschte Isolationismus sieht anders aus.
Auch geoökonomisch läuft es nur scheinbar gut für Donald Trump. Sein Schlachtruf „Drill, baby, drill!“ zielt auf die Ausbeutung sämtlicher noch im Boden befindlicher Rohstoffe, vor allem der immensen Erdöl- und Erdgasreserven sowie Kohlevorkommen. Trump leugnet den menschengemachten Klimawandel aus einem materiellen Grund: Seine „extraktivistische“ Kapitalfraktion will die fossile Energieerzeugung um jeden Preis erhalten. Da liberale Demokratien sich ansatzweise eines Besseren besinnen, fördert er allerorts autokratische Bewegungen und Regime, um die ökologische Transformation aufzuhalten. Doch unaufhaltsam vollzieht sich – auch in der VR China und der Golfregion – die Energie-, Bau- und Verkehrswende. Genauer betrachtet sind Trump und Konsorten Auslaufmodelle. Europas Kollaborateure sind gewarnt. Der ungarische Ministerpäsident Viktor Orbán, das europäische Vorbild und Lieblingskind von Trump (und Putin), könnte im April 2026 abgewählt werden. Allzu optimistisch darf man aber nicht sein. Die illiberale Internationale steht fest, weiterhin gehen mehr Demokratien seit der Jahrtausendwende unter, als Autokratien überwunden werden.
Die Macht Trumps und die Putschbereitschaft seiner Milizen sind groß, einem normalen demokratischen Machtwechsel bis 2028 stellen sie große Hindernisse in den Weg: Wahlkreise werden passend zugeschnitten, die Registrierung potenzieller demokratischer Wählerinnen und Wähler wird behindert, Gerichte werden unter Druck gesetzt, Medien mit Prozessen überzogen, die Briefwahl soll ganz verhindert werden. Nun kommt es zum Schwur, ob es noch unabhängige Richter in Amerika gibt und wie stark die ehrwürdigen Institutionen schon unter den Schlägen von DOGE (Abteilung für staatliche Effizienz) gelitten haben. Trump hat die Axt an den ohnehin schwach ausgestatteten Bundesstaat gelegt und die Sicherheitsdienste gegeneinander ausgespielt, selbst die Streitkräfte versucht er zu seiner Privatarmee und Leibgarde zu degradieren.
Gleichwohl: Die amerikanische Demokratie, so unfertig sie immer blieb, hat die Könige davongejagt und frühere Kipppunkte überstanden, darunter die Reichen-Oligarchie am Ende des 19. Jahrhunderts und die erste Welle falscher America-first-Propheten, die sich in den 1930er Jahren am liebsten mit Adolf Hitler verbündet hätten. Vom Alter des Greises, der im Juni 80 wird, war noch gar nicht die Rede, der unüberwindbar wirkende Präsident verliert seine Aura. Dem kann im Jahr 2026 mit einer Machtentziehungskur nachgeholfen werden. Fun Fact: Die Bäckerei Trump im pfälzischen Freinsheim hat schon zugemacht, Donaldwellen werden nicht mehr hergestellt.
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