Zwischen Gerhard und Olaf: Was Angela Merkel von diesem jungen Mann will
Über vier Jahre nach Ende ihrer Amtszeit fehlt in der Kanzlergalerie noch immer die Kanzlerin. Das soll sich nun ändern.
Foto: Michael Kappeler/dpa
D ie aktuelle Titelseite der Zeit schmückt ein Foto von Angela Merkel, sitzend, im roten Blazer. Neben ihr steht ein junger Mann im roten Kittel. Hinter der Bundeskanzlerin a. D. eine Leinwand, die uns den Rücken zukehrt. Es könnte sein, dass darauf ein Porträt der Frau zu sehen ist, die Kanzlerin wurde, als der junge Mann noch ein Kind war. Er heißt Jérémie Queyras.
Keine Frau, kein Star
Angela Merkel weiß sich zu inszenieren. Mit dieser Geschichte in der Zeitung, die exklusiv den Entstehungsprozess des Gemäldes erzählt, erzeugt sie Aufmerksamkeit dafür, dass am Dienstag ihr offizielles Porträt fürs Bundeskanzleramt enthüllt werden wird. Wie das Bild aussieht, lässt sich erahnen, wenn man den Insta-Account des Künstlers betrachtet.
Er malt abstrakte Bilder, die den Eindruck erwecken, als hätte man der KI gesagt: Entwirf mir was im Stil der klassischen Moderne. Er sagt, ihn interessierten „Interaktionen zwischen Mensch und Maschine und die Rolle der Kunst im menschlichen und im künstlichen Bewusstsein“. Queyras widmet sich aber auch einer Porträtmalerei, der man ansieht, dass er die Alten Meister studiert hat. Diese Mischung scheint Merkel gefallen zu haben. Warum sonst sollte sie sich einen kaum bekannten Maler aussuchen?
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Wir diskutieren das bei einer Zigarette in der Berliner Hitze, eine Kollegin formuliert diese These: Junge Männer zeigten Respekt für ältere Damen – oder sollten es zumindest. Diese Wahl ist auch ein sehr merkelianisches Statement. Der junge Mann als solcher hat es heute nicht mehr so leicht wie früher.
Seine Altersgenossinnen schreiben die besseren Noten, sind allerorts gefragt. Es ist symbolträchtig, sich nicht von einer jungen Frau, nicht von einer Ostdeutschen und nicht von einem Star malen zu lassen. Sondern von einem, der 24 war, als er seine Initiativbewerbung an Frau Merkel schickte.
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