Zur Mobilmachung in Russland: Zeichen der Schwäche
Putin wollte Stärke demonstrieren. Die Ukraine und viele ihrer Unterstützerstaaten reagieren selbstbewusst auf die russische Teilmobilisierung.
taz/dpa/rtr | Russlands Präsident Wladimir Putin wollte mit der Ankündigung einer Teilmobilisierung ein Zeichen der eigenen Stärke setzen, aber außerhalb Russlands legt man ihm seine Vorhaben eher als Schwäche aus.
Mychailo Podoljak, ukrainischer Präsidentenberater, etwa schreibt, es sei „ein absolut vorhersehbarer Aufruf, der eher wie ein Versuch aussieht, das eigene Versagen zu rechtfertigen“, wie die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. „Der Krieg verläuft eindeutig nicht nach Russlands Szenario und erforderte daher von Putin extrem unpopuläre Entscheidungen zur Mobilisierung und zur starken Einschränkung der Rechte der Bevölkerung.“
Diese Lesart wird auch von wichtigen Unterstützerländern geteilt. Bridget Brink, US-Botschafterin in Kiew, schrieb auf Twitter, „Scheinreferenden und Mobilmachungen sind Zeichen der Schwäche, des russischen Versagens“, der britische Verteidigungsminister Ben Wallace wertet Putins Ankündigung als Hinweis, dass „seine Invasion scheitert“.
In der unmittelbaren Nachbarschaft Russlands ist der Tonfall weniger jubilierend. Finnlands Verteidigungsminister Antti Kaikkonen erklärt, sein Land beobachte die Situation im benachbarten Russland nach der angeordneten Teilmobilmachung genau: „Was die Umgebung Finnlands betrifft, so kann ich sagen, dass die militärische Lage stabil und ruhig ist. Unsere Verteidigungskräfte sind gut vorbereitet und die Situation wird genau überwacht.“
Keine Zuflucht für fliehende Russen
Litauens Verteidigungsminister Arvydas Anušauskas schreibt auf Facebook, sein Land, das an die russische Exklave Kaliningrad grenzt, habe die Bereitschaft der schnellen Eingreiftruppe seiner Armee erhöht, „um jegliche Provokationen von russischer Seite zu verhindern“. Edgars Rinkēvičs, Außenminister Lettlands, schreibt auf Twitter, man werde als Nachbarland Russen, die vor der Teilmobilmachung fliehen, keine Zuflucht gewähren.
Auch Wladimir Putins Äußerungen zum Einsatz von Atomwaffen riefen Reaktionen hervor. Die EU-Kommission wirft Russlands Präsidenten ein sehr gefährliches Spiel mit Nuklearwaffen vor. Die internationale Gemeinschaft müsse Druck auf ihn ausüben, damit er „dieses rücksichtslose Verhalten einstellt“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission.
Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki reagierte mit einer erneuten Forderung nach mehr Hilfe für Kiew von den westlichen Verbündeten, „damit die Nato die Ukraine noch stärker unterstützt, damit sie sich selbst verteidigen kann“.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert