Zum Tod von Georg Baselitz: Die Welt steht Kopf
Der Neoexpressionist prägte mit umgedrehten Motiven und Riesenformaten die deutsche Nachkriegskunst. Nun ist er im Alter von 88 Jahren verstorben.
Foto: Ralph Orlowski/reuters
Georg Baselitz ist tot. Der deutsch-österreichische Maler, Bildhauer und Preisträger des Praemium Imperiale starb am 30. April 2026 im Alter von 88 Jahren. Sein Atelier bestätigte den Tod dem Spiegel-Magazin.
Baselitz, bürgerlich Hans-Georg Kern, wurde am 23. Januar 1938 im sächsischen Deutschbaselitz geboren. Das Leid und die Zerstörung des Zweiten Weltkriegs haben den Künstler und sein Werk nachhaltig beeinflusst, sie tauchten auch immer wieder als Motiv in den großformatigen Malereien des Künstlers auf.
1956 begann Baselitz sein Kunststudium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, von der er nach zwei Semestern wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ verwiesen wurde. 1961 nahm er den Künstlernamen Georg Baselitz an, angelehnt an seinen Geburtsort.
Der Maler prägte die Nachkriegskunst
1963 machte Baselitz mit einem ersten Skandal auf sich aufmerksam: Seine Bilder „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“ auf seiner ersten Einzelausstellung in der Berliner Galerie Werner & Katz, die einen überformatigen Penis so wie einen masturbierenden Jungen zeigten, wurden von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und später wieder freigegeben: „Die große Nacht im Eimer“ gehört mittlerweile dem Kölner Museum Ludwig.
Ende der 1960er Jahre begann Baselitz damit, seine Motive auf den Kopf zu stellen. Baselitz belebte den von den Nationalsozialisten verfemten deutschen Expressionismus neu und stellte die menschliche Figur wieder in den Mittelpunkt der Malerei und prägte damit entscheidend eine Wiederbelebung der neoexpressionistischen Malerei in Deutschland.
Zuletzt war eine Ausstellung seiner Werke der letzten Jahre im Museum der Moderne in Salzburg zu sehen. Zeitweise gehörte Baselitz zu den am teuersten gehandelten lebenden deutschen Künstlern.
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