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Zum Tod von Badesalz-Comedian Knebel„Busfahrer, zieh die Jack’ aus!“

Eine Erinnerung an Badesalz und Gerd Knebel: 90er-Jahre-Provinz, VHS-Rauschen und hessische Satire, die einen Menschen besser verstehen ließ.

Es war 1990. Mein Bruder hatte die VHS-Kassette von irgendwem besorgt, auf ihr stand „Badesalz“. Das Magnetband wurde so oft vor- und zurückspult, der Ton leierte hier und da, es gab Bildrauschen und Schnee auf dem Schirm. Aber der Livemitschnitt des Badesalz-Auftritts aus dem Bürgerhaus in Sprendlingen funktionierte.

„Die Volkszählung“ war unser Lieblingssketch. Wir haben ihn uns so oft angeschaut, dass wir anfingen, genauso zu sprechen: „Busfahrer, zieh die Jack’ aus!“, brüllten wir. Genau wie Gerd Knebel, der Glatzkopf von Badesalz, es auf der Bühne machte. Er hat sich in seiner Rolle so dermaßen weggeschossen, das war großartig und ansteckend. „Busfahrer, zieh die Jack’ aus!“, brüllten wir uns auf dem Schulhof zur Begrüßung und zum Abschied zu.

Der Glatzkopf konnte den hessischen Spießbürger spielen, den Hooligan, die rechte Sau, den linken Grünen-Softie, den Siffpunk, er konnte einfach alles: alt, jung, gut, böse, links, rechts, notgeil. Niemand konnte so schnell großen Quatsch erzählen wie er. Seine Figur „Hessi James“ werde ich niemals vergessen.

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In den 90er Jahren in der saarländischen Provinz aufzuwachsen bedeutete: Spießer mit Partykellern voller Schlager, Mofas, aufgetunte Autos, Fußball, Holland-Techno, Tarnhosen und Jeans-Kutten. Saarbrücken war für uns New York, Trier LA. Menschen wurden größtenteils nur mit ihrem Nachnamen angesprochen („de Schneider“, „de Kruchten“, „de Thyssen“). Wenn es zu schwer auszusprechen war, gab es Spitznamen (Dille, Lölle, Pelle). Umliegende Dörfer heißen Fitten, Britten, Mechern oder Ballern. Deswegen: Badesalz im Fernsehen zu sehen und zu hören, war befreiend, weil man die Menschen um einen herum endlich besser verstehen und ihr Verhalten verarbeiten konnte. Und das, obwohl alles auf Hessisch war.

Das größte Arschloch

Sadisten konnte Knebel sehr gut spielen, Behördentypen, Verkäufer, Arschloch-Vermieter, Türsteher, Fußballtrainer und Spießbürger, die über alles herzogen, was nicht die Norm war. Aber er spielte sie so: Keiner weiß mehr, wer hier die Guten sind und wer die Bösen. Wenn Knebel das Arschloch in der Reinigung spielt, der einem seiner Kunden die frisch gewaschene Bettdecke mit Hakenkreuz liebevoll einpackt, dann weiß man am Ende nicht, wer hier das größere Arschloch ist, der Nazi oder derjenige, der drüber hinwegsieht. Um zu zeigen, wie Nazis und Spießbürger sind, ließen Badesalz sie sprechen, sie ließen sie sein, ohne große Erklärung.

Ich würde jetzt gerne auf der Party sein, auf der Gerd Knebel einen seiner Charaktere spielt. Er bewegt sich leichtfüßig von Gespräch zu Gespräch, lässt immer ein paar lässige Bemerkungen fallen und klopft auf die Schultern. „Ja, ja, wenn’s nett regnet, gibt’s kein Tropfen.“ In den 90er Jahren gab es als Jugendlicher nicht viel Geld zum Ausgeben, aber es gab zum Glück auch nicht viel zum Kaufen. Im Plattenladen gab’s, Badesalz, „Och jo“ hatten die, das war eine meiner ersten CDs.

Danke Gerd Knebel. „Da machste ‚Hü‘, da machste ‚Hott‘, da is der annern schon längst fort, machste dies, machste des, kommst net weiter uff de Leiter. Biste unne, biste obbe, wenn’s net regnet gibt’s kei Troppe. Und wie ich des Leben deut’, geht’s de Mensche wie de Leut’.“ (Aus dem Lied „Jesu S“, gesungen von Hessi James)

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4 Kommentare

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  • Peter Schütt

    Einmal, vor über dreißig Jahren habe ich sie live in Wuppertal gesehen, genial.



    Ich hätte sie gerne nochmal gesehen, aber das geht ja leider nicht mehr



    Meine Söhne fanden sie auch toll.

  • John Zoidberg

    was habe ich diesen Dialekt gehasst (ich bin in Offenbach auf die Schule gegangen). Was habe ich die Rodgaus, Flatsch und später dann Badesalz gefeiert. Denkt daran, die 6 Mark 50 sind auf keinen Fall verloren, auch wenn ihr mal gereizt seid!

  • Felis

    Och Godd nä, nicht der Gerd... hoffentlich gibt's im Jenseits Clausthaler, des zischt wie Appelsaft... RIP, Gerd.

  • hierbamala

    Och, des Ozonloch - isch hab noch kaans gesehn bis jetzt...

    Danke, Gerd, nicht nur für den Bub, der immer 42 Jahre und Elektroingenieur war und für Hessi James - auch für so wichtige Hinweise wie den, dass Schäferhunde anders zu behandeln sind als Teppiche!