ZDF-Doku „Die Spur“: Christliche Nächstenliebe? Von wegen
Die ZDF-Serie „Die Spur“ rekonstruiert das internationale Netzwerk von Abtreibungsgegnern. Auch AfD-Politiker sind Teil der Gruppe.
Foto: Christian Mang via www.imago-images.de
Bis dato hatte man militante Abtreibungsgegner:innen vor allem in den USA und Polen gewähnt. Doch sind sie auch hierzulande nicht auf ein paar harmlose ältere Damen und Herren beschränkt, die aus der Bibel zitieren und vom „Recht auf Leben“ faseln. Vielerorts belagern Demonstrant:innen Beratungsstellen und Praxen. Vor dieser „Gehsteigbelästigung“ sollen schwangere Frauen künftig geschützt werden. Das hat das Bundeskabinett vor rund einem Monat beschlossen.
Wer unterstützt die Anti-Abtreibungs-Bewegung? Dieser Frage gehen Sarah Ulrich und Ciara Cesaro-Tadic in einer brisanten neuen Folge der ZDF-Serie „Die Spur“ nach. Ihre Recherche beginnt beim „Marsch für das Leben“ in Berlin, dem deutschlandweit größten Treffen der Bewegung.
Es laufen mit: AfD-Bundesvorstand Maximilian Krah vom völkischen Flügel, Joachim Kuhs von den „Christen in der AfD“ und Martin Kohler, Berliner Landesvorsitzender der rechtsextremen Jungen Alternative.
Außerdem: die brasilianische Organisation TFP, die von Soziolog:innen als rechtsextreme Sekte eingestuft wird und zwischen 2009 und 2018 über 113 Millionen Euro Unterstützung erhielt.
Nach und nach zeichnen die Journalistinnen das Bild einer internationalen Allianz aus christlichen Fundamentalist:innen, rechten Politiker:innen und einflussreichen Geldgeber:innen, deren Ziel die Durchsetzung einer reaktionären Ideologie ist.
„Die Spur“ deckt Erschütterndes auf: Über den Veranstalter des Marsches, den Bundesverband Lebensrecht, gelangt das Team innerhalb weniger Stunden an Progesteron – ein verschreibungspflichtiges Medikament, das angeblich Schwangerschaftsabbrüche rückgängig macht. Es ist weder dafür zugelassen, noch konnte seine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Stattdessen drohen lebensgefährliche Blutungen. So viel zur christlichen Nächstenliebe.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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