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Wohnungen in Deutschland werden kleinerEs geht immer mehr Richtung Schuhkarton

Laut einer Studie werden erstmals seit Jahrzehnten Wohnungen in Deutschland wieder kleiner. Wegen kleinerer Haushalte – und steigender Immobilienpreise.

Der Trend geht zum Schuhkarton Foto: Paul von Stroheim/imago

kna | Nach Jahrzehnten stetig größerer Wohnungen stagniert die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Es deute sich eine historische Trendwende an: Laut der Schätzung soll die Durchschnittsgröße einer Wohnung von derzeit etwa 94 Quadratmetern bis zum Jahr 2050 auf dann knapp 88,5 sinken.

„Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden“, so das DIW. Demnach wuchsen die Wohnungen seit 1965 von 69 auf 94 Quadratmeter – und damit um mehr als ein Drittel. Parallel dazu habe sich die Wohnfläche pro Person von knapp 20 auf gut 49 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Doch seit etwa 2005 verkleinerten sich Neubauwohnungen wieder.

Kleinere Haushalte und steigende Preise

Verantwortlich für diesen Rückgang sind laut den Studienautoren zwei zentrale Faktoren: kleinere Haushalte und steigende Immobilienpreise. Die demografische Entwicklung gelte dafür als Haupttreiber. Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland habe sich seit den 1960er Jahren auf 41 Prozent verdoppelt. Auch könnten sich viele Menschen größere Wohnungen nicht mehr leisten, für Bauträger wiederum seien kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver.

Laut der Studie ist eine Verkleinerung von neuen Wohnungen aber kein Rückschritt, „sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten“. Kleinere und energieeffiziente Wohnungen seien ein Schlüssel, um den Energiebedarf im Gebäudesektor zu senken.

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1 Kommentar

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  • Danke für die Nachricht.



    Die Überschrift und somit die negative Bewertung sehe ich allerdings nicht ein.



    Grundsätzlich ist (Neu-) Bau wenig ökologisch.



    Weniger Fläche(nfraß) besser für das Klima.



    Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware.



    Bei 41% Singlehaushalten ist an dieser Stelle die Quadratmeternutzung wohl überproportional.



    Doch oft bleibt den Singles gar nichts anderes übrig, als (zu) große Wohnungen zu mieten, weil der Immobilienmarkt nichts anderes hergibt.



    Ich begrüße also die Grundinformation.



    Abgesehen von Durchschnittszahlen halte ich Wohnungen von 50qm für Singles ( evtl. auch kleiner), sowie 60qm Wohnungen für ausreichend.



    Sowas sollte gebaut werden.



    Statt Papa, Mama , Kind(er) zu planen, wird das "danach" zu selten in den Blick genommen.



    Zwei kleine Kinderzimmer können in Trockenbauweise zu einem größeren werden, bei Auszug des ersten Kindes, bzw. der Kinder.



    Oft ist den Eltern alleine die Fläche anschließend eher" zu groß".



    Von einem Schuhkarton sind wir noch weit entfernt.



    Ich glaube aber, dass Viele bezahlbare Wohnungen bevorzugen, auch wenn sie ein paar Quadratmeter weniger haben.



    Variabel scheint mir da wichtiger zu sein.