Wildtiere im Zirkus: Agrarminister*innen fordern Verbot
Affen, Elefanten und Nashörner sollen nicht mehr in einem Zirkus auftreten müssen. Obwohl der Beschluss einstimmig fiel, ist er nur ein Appell.
Wildtiere in Zirkussen sollen verboten werden. Das forderten die Agarminister*innen der Länder am Freitagvormittag auf der Agrarministerkonferenz (AMK) in Landau, einstimmig. Das Verbot soll insbesondere für die Haltung von Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde gelten.
Zur Begründung heißt es, die Minister*innen und Senator*innen der Agrarressorts sähen mit Sorge, „dass es besonders bei der Zurschaustellung von Elefanten, Bären und anderen großen Wildtieren an wechselnden Orten zu tierschutzrechlichen Verstößen kommen kann“. Obwohl Zirkusleitlinien zur Haltung bestimmter Wildtierarten vorgeschrieben sind, entwickelten die Tiere immer wieder Verhaltensstörungen oder körperliche Schäden.
Bereits in der Vergangenheit forderten Minister*innen und Senator*innen der Länder die Bundesregierung – bislang erfolglos – dazu auf, ein Verbot der Haltung für bestimmte wild lebende Tierarten auszusprechen. Nun soll zusätzlich eine Verordnung zum rechtmäßigen Transport der Wildtiere eingeführt werden. Konkrete Größenvorgaben sollen für die eingesetzten Transportmittel festgeschrieben werden.
„Zeichen an den Bund“
Die Beschlussvorlage wurde von Schleswig-Holstein, Berlin und Hessen vorgelegt. Berlins Agrarsenator, Dirk Behrendt, sagte: „Großtiere und Zirkus, dass passt einfach nicht zusammen. Elefanten, Raubkatzen oder auch Giraffen leiden erheblich unter den Haltungsbedingungen in Zirkussen. Der Beschluss der Agrarminister ist ein wichtiges Zeichen an den Bund, den Tierschutz ernst zu nehmen und endlich zu handeln.“
Die Agrarministerkonferenz, eine Fachkonferenz für Agrar- und Forstwirtschaft und ländliche Entwicklung, tagt zweimal jährlich. In der AMK sind Agrarminister*innen und Senator*innen des Bundes und der Länder Vertreten. Für einen Gesetzesentwurf braucht es jedoch noch die Aufmerksamkeit der Bundesregierung und des Bundestags. So bleibt der Beschluss vorerst eine Forderung.
Das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von Ministerin Julia Klöckner (CDU) reagiert am Freitag verhalten auf den Vorstoß: Seit vergangenem Sommer sei der Kontakt zu Zirkusbetreibern vermehrt hergestellt worden mit dem Ziel, „ein gemeinsames Konzept zur Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben zu vereinbaren“. Dieses Konzept betreffe sowohl allgemeine Anforderungen, etwa das Vorhalten eines Winterquartieres, „als auch möglicherweise spezielle Anforderungen an die Haltung und den Transport einzelner Tierarten“, sagte eine Sprecherin des Ministerium auf Anfrage der taz.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert