Weitere Proteste angekündigt: Generalstreik in Katalonien
„Selbstbestimmung ist kein Verbrechen“: Die Aktionen in Barcelona richten sich gegen einen Prozess von Chefs der Unabhängigkeitsbewegung.
Bereits in den frühen Morgenstunden wurden Zuglinien, Autobahnen und Landstraßen blockiert. Aufgerufen hatten die katalanische Gewerkschaft Intersindical-CSC und mehrere Bürgerbewegungen, die die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens anstreben.
Offiziell ging es beim Generalstreik um eine Erhöhung des Mindestlohnes und eine kürzere Wochenarbeitszeit. Der eigentliche Grund war das Verfahren gegen zwölf Führer der Unabhängigkeitsbewegung, das seit Anfang vergangener Woche in Madrid vor dem Obersten Gerichtshof stattfindet. Den Angeklagten, darunter ein Großteil der damaligen katalanischen Regierungsmitglieder, wird wegen der Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober 2017, „Rebellion“ und „Aufstand“ vorgeworfen. Ihnen drohen hohe Haftstrafen.
Von den Blockaden betroffen waren die wichtigsten Zufahrtsstraßen zu den großen Städten, wie Barcelona, Girona oder Tarragona sowie die Grenzübergänge nach Frankreich.
Vor allem in Verwaltung und öffentlichen Diensten blieben viele der Arbeit fern. Der öffentliche Nahverkehr funktionierte nur eingeschränkt. Die meisten Oberschüler und Studenten tauschten den Hörsaal gegen die Straße. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Die großen landesweit aktiven Gewerkschaften CCOO und UGT blieben dem Streik fern. Demgegenüber schloss sich die katalanische Regierung dem Streik an.
Gegen Mittag kamen in Katalonien Tausende zu Kundgebungen zusammen. Sie verlangten die Unabhängigkeit Kataloniens, die Freilassung der zwölf Gefangenen und die straffreie Rückkehr der sieben ins Ausland geflohenen Politiker, darunter Kataloniens Ex-Premier Carles Puigdemont. Am vergangenen Samstag waren in Barcelona laut Veranstalter 500.000 Menschen auf die Straße gegangen. Ihr Motto: „Selbstbestimmung ist kein Verbrechen“. Für Donnerstagabend waren in mehreren Städten Kataloniens weitere Proteste angekündigt.
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