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WasserkriseWas Lachse auf Koks uns über Abwasser verraten

Über Urin und Kanalisation gelangen Drogenrückstände in Flüsse. Eine Studie zeigt jetzt, wie sie dort das Verhalten von Lachsen verändern können.

Worum geht’s?

Um unser Abwasser. Die Erfindung von Waschpulver, Spülmittel und Co setzte die Flüsse ebenso unter Druck wie die Abwässer industrieller Produktion. In den 1980er Jahren waren Oder, Elbe und Neckar stinkende Kloaken. Legendär ist der Sprung von Klaus Töpfer (CDU) in den Rhein – nicht weil der damalige Umweltminister damit suggerieren wollte, dass der Rhein sauber wäre (Töpfer hatte eine Wette verloren), sondern weil dadurch die amtlichen Messwerte an der Badestelle dokumentiert wurden: pro Liter Rheinwasser 3,2 Milligramm Nitrat, 0,22 Milligramm Phosphor, 97 Mikrogramm Chlorid, 0,2 Mikrogramm Quecksilber, 0,4 Mikrogramm Cadmium und 2 Mikrogramm Chrom.

Immerhin sorgte Töpfer mit dafür, eine dritte Klärstufe verbindlich zu machen: In der ersten Reinigungsstufe werden grobe Stoffe wie Papier, Plaste oder Fett zurückgehalten, in der zweiten, biologischen Stufe organische Stoffe durch Mikroorganismen abgebaut. Seit 1990 gilt eine dritte Klärstufe, die vor allem Phosphor und Stickstoff aus dem Abwasser holt. Dadurch hat sich die Wasserqualität der Flüsse erheblich verbessert.

Sauber sind die Flüsse aber trotzdem noch nicht. Vor allem Mikroplastik, Ewigkeitschemikalien – sogenannte PFAS – und Medikamentenreststoffe sind ein Problem. Rückstände der Verhütungspille sorgen dafür, dass Wasserlebewesen verweiblichen, sich also die männlichen Fortpflanzungsorgane zurückbilden. Deshalb wird seit Jahren über eine vierte Klärstufe gerungen.

Die Studie

Auch Rückstände von Drogen gelangen in Flüsse. Ein Forschungsteam aus Schweden hat nun untersucht, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat. Dafür setzten sie Atlantische Lachse der Spezies Salmo salar über einen längeren Zeitraum kontrolliert kleinen Kokaindosen aus – und zwar in Dosierungen, die auch in vielen Gewässern nachgewiesen wurden.

Für ihr Experiment nutzten die Forschenden 105 Lachse. Eine Gruppe wurde acht Wochen lang Kokain ausgesetzt, eine zweite Benzoylecgonin – dem Hauptabbauprodukt, das nach menschlichem Kokainkonsum in der Leber gebildet und über den Urin ausgeschieden wird. Eine dritte Gruppe bekam weder das eine noch das andere. Ergebnis: Die Lachse, die mit dem Abbauprodukt des Kokainkonsums leben mussten, schwammen doppelt so weit wie die Gruppe in sauberer Umwelt. Auch die Lachse, die Kokain selbst verstoffwechseln mussten, schwammen weiter, allerdings nicht so weit, wie die Benzoylecgonin-Gruppe.

Was bringt’s?

Den Nachweis, dass unsere Abwässer in ihrer jetzigen Form Fluss- und Meeresökosysteme aus dem Takt bringen. Die Studie kommt zur richtigen Zeit: Konservative und Rechts-außen-Abgeordneten des Europaparlaments haben gerade für eine Resolution gestimmt, die die Einführung der vierten Klärstufe zur Filterung von Chemikalien und Medikamentenrückständen hinauszögert.

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