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Wahlkampfkampagne Berliner Linkspartei Hot Influencer Summer

Lilly Schröder

Kommentar von

Lilly Schröder

Die Berliner Linke macht Wahlkampf mit In­flu­en­ce­r*in­nen und Musiker*innen. Je größer der Hype, desto kleiner wird die politische Botschaft.

D ie Berliner Linkspartei ist auf dem besten Weg, zum LAP-Coffee der Landespolitik zu verkommen: die gehypteste Lifestyle-Marke der Stadt. Je näher die Abgeordnetenhauswahl am 20. September rückt, desto mehr Crea­to­r*in­nen und Mu­si­ke­r*in­nen wirbt die Partei für ihren Wahlkampf an. Politische Inhalte geraten bei aller Inszenierung in den Hintergrund.

Mama Ikkimel, die seit Beginn des Wahlkampfs für die Partei mobilisiert, machte offenbar nur den Auftakt. Vor zwei Wochen traten die Mu­si­ke­r*in­nen Jero19 und Lila Sovia bei einem Wahlkampfevent der Linkspartei am Mierendorffplatz auf. Vergangenen Samstag legten Berliner Techno-DJ Charly Schaller und Revier-Südost-Resident Tham beim RAW-Rave der Partei auf dem Gelände in Friedrichshain auf.

Beim Linke FestiWahl tritt am 9. September auf dem ehemaligen Tegel-Gelände neben Gloria Viagra auch Ritter Lean auf. Lean hatte zuletzt mit einer vermeintlichen Solidaritätsaktion für Schwarzfahrende für Aufmerksamkeit gesorgt, die sich als Lüge und geschmacklose PR-Inszenierung entpuppte. Für die Linkspartei offenbar Nebensache. Hauptsache Reichweite.

Spitzenkandidatin Elif Eralp inszeniert sich zunehmend auch selbst als Content Creatorin: In einem Instagram-Video lässt sie sich von Filmemacherin und Influencerin Tsellot Melesse interviewen, die ihren „Elif Schatz“ nach ihren „Berlin Hot Takes“ und „Hidden Bangern“ im Wahlprogramm fragt. Influencer Dalyan Unland (100.000 Follower) bekommt von Eralp Türkischunterricht: „Toplu ulaşım herkes için uygun fiyatlı olmalıdır“, also „Der öffentliche Nahverkehr sollte für alle bezahlbar sein“, oder: „Mit unseren Mieten wird nicht gezockt“.

Sozialismus vs. Influencer-Kultur

Dalyan Unland zeigt in einem Instagram-Video, was die Linke für ein Influencer-Wahlkampfevent auffährt: Im Innenhof des Karl-Liebknecht-Hauses werden Sekt und Limonaden in Kübeln gekühlt, auf dem üppigen Büfett stapeln sich vegetarische und vegane Häppchen sowie Brammibal’s-Donuts für vier bis fünf Euro das Stück. Es wird Merch verschenkt mit der Aufschrift: „Hot Socialist Summer“.

Spätestens die Kooperation mit dem Creator-Trio Monika (@where.is.moni), Sammy (@saammyycore) und Maria Ludovica wirft die Frage auf, wie ernst es die Linkspartei mit dem sozialistischen Anspruch meint. Fast eine halbe Million Menschen folgen den drei Mitte-20-Jährigen, die vor allem als Travel-Creator*innen bekannt sind. Moni und Maria, die zudem als Stripperinnen arbeiten, sprechen in ihrem Podcast „Schamlos“ über Sex und Dating: wann sie geil sind, ob sie ein guter Fuckboy wären und wie man beim Feierngehen Männer aufreißt, ohne unnötig viel Energie zu verschwenden.

Im Wahlkampfvideo der Linken tanzt das Influencer-Trio mit Elif Eralp zu Beyoncés Song „Run the World (Girls)“. Den offensichtlichen Widerspruch bringt ein Nutzer unter dem Video auf den Punkt: „Eine Influencergruppe, die von Urlaub zu Urlaub fliegt, erzählt der deutschen Mitte, dass man LINKS wählen soll.“

Das Geschäftsmodell und die Logik der Influencer-Kultur steht dem sozialistischen Gedanken diametral gegenüber: Aufmerksamkeit, Persönlichkeit und Reichweite werden zum Kapital, das eigene Leben zur Ware. Produktion dient vor allem privater Profitmaximierung, nicht der Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse.

Die Influencer*innen, mit denen die Linke derzeit wirbt, verkörpern jene „Lifestyle-Linke“, die viele Wäh­le­r*in­nen von der Partei entfremdet: urban, gutverdienend, konsumaffin. Wenn Phrasen wie „mit unseren Mieten wird nicht gezockt“, von In­flu­en­cern*­in­nen propagiert werden, deren Einkommen einen Lebensstil ermöglicht, der für viele Ber­li­ne­r*in­nen längst unerschwinglich ist, verkommen sie zu leeren Worthülsen.

Bei aller Inszenierung darf die Partei nicht vergessen, dass die Kernfrage nicht lautet: Wer ist gerade der coolste Influencer im Feed? Sondern: Welche politischen Veränderungen braucht es für eine bessere Zukunft für alle? Sonst bleibt vom Sozialismus am Ende nur noch der Merch.

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Lilly Schröder

Lilly Schröder

Redakteurin für Feminismus & Gesellschaft im Berlin-Ressort Schreibt über intersektionalen Feminismus, Popkultur und gesellschaftliche Themen in Berlin. Studium der Soziologie und Politik.
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