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Wadephul in Tunesien und Algerien Ein Plan fehlt

Mirco Keilberth

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Mirco Keilberth

Im Maghreb herrscht kalter Krieg. Wer in diesem Minenfeld verlässliche Partner sucht, muss mehr investieren als eine Stippvisite.

A uf der Suche nach neuen Energiepartnern ist die Bundesregierung in Nordafrika fündig geworden. Bei seinem Besuch in Algier bekam Außenminister Johann Wadephul das Versprechen weiterer Gaslieferungen, die Deutschlands derzeit nur zur Hälfte gefüllten Speicher vor dem Winter auffüllen sollen.

Wadephul wurde von Präsident Tebboune empfangen, in Tunis am Vortag von Kais Saied. Dass ein Außenminister von Staatsoberhäuptern empfangen wird, ist eher unüblich. Aber auf beiden Seiten des Mittelmeers will man die Funkstille beenden. Seit Beginn des israelischen Einmarsches in Gaza lagen Projekte wie die hoffnungsvoll begonnenen Wasserstoffpartnerschaft mit Tunesien auf Eis.

Beide Kurzvisiten waren von geradezu harmonischer Atmosphäre geprägt. Die ist auch nötig, hatte man doch aufseiten der Gastgeberländer den Glauben an den Westen als verlässlichen Partner verloren. Nun will Saied von Deutschland ein verbessertes Antimigrationsabkommen, also mehr Geld im Gegenzug für das Stoppen von Migranten.

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Algerien ist ein zwar wichtiger Gaslieferant für Europa – aber auch der erste Kunde von Russlands neuem Tarnkappenbomber Suchoi Su-57 und eng mit dem Kreml liiert.

Im Maghreb herrscht kalter Krieg. Wer in diesem Minenfeld verlässliche Partner sucht, muss mehr investieren als eine Stippvisite. Nur ein paar Beispiele: In Tunesien und Marokko hält die US-Armee alljährlich Manöver mit afrikanischen Partnern ab. Algerien wiederum ist einer der schärfsten Kritiker der israelischen Regierung und Erzfeind Marokkos, das im Gegenzug für die Normalisierung der Beziehungen mit Israel von dort mit High-Tech-Waffensystemen ausgerüstet wird.

Eine Woche nach dem Besuch von Spaniens Premier Sanchez in Algier begann der orchestrierte Ansturm auf Ceuta. Für das Auffüllen der Gasspeicher dürfte Wadephuls Reise reichen. Doch soll Nordafrika eine Alternative für die Hormus-Route werden, ist eine außenpolitische Strategie nötig. Andere haben diese.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mirco Keilberth

Mirco Keilberth Auslandskorrespondent Tunis

Mirco Keilberth berichtet seit 2011 von den Umstürzen und den folgenden Übergangsprozessen in Nordafrika. Bis 2014 bereiste er von Tripolis aus Libyen. Zur Zeit lebt er in Tunis. Für den Arte Film "Flucht nach Europa" wurde er zusammen mit Kollegen für den Grimme Preis nominiert. Neben seiner journalistischen Arbeit organisiert der Kulturwissenschaftler aus Hamburg Fotoausstellungen zu dem Thema Migration. Im Rahmen von Konzerten und Diskussionsveranstaltungen vernetzt seine Initiative "Breaking the Ice" Künstler aus der Region, zuletzt in Kooperation mit der Boell-Stiftung im Rahmen des Black Box Libya Projektes.
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1 Kommentar

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  • Martin Rees

    "Im Maghreb herrscht kalter Krieg. Wer in diesem Minenfeld verlässliche Partner sucht, muss mehr investieren als eine Stippvisite. Nur ein paar Beispiele: In Tunesien und Marokko hält die US-Armee alljährlich Manöver mit afrikanischen Partnern ab. Algerien wiederum ist einer der schärfsten Kritiker der israelischen Regierung und Erzfeind Marokkos, das im Gegenzug für die Normalisierung der Beziehungen mit Israel von dort mit High-Tech-Waffensystemen ausgerüstet wird."



    Fast ein Anachronismus darauf hinzuweisen, dass heute weltweiter Antikriegstag ist.



    !Heute, am 1. September 2026, bei dgb.de:



    "Seit 1957 wird in Deutschland am 1. September an die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie an die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus erinnert. An jedem 1. September machen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften seitdem deutlich: Die deutschen Gewerkschaften stehen für Frieden, Demokratie und Freiheit. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!



    Der diesjährige DGB-Aufruf zum Antikriegstag steht unter dem Thema: "Friedensfähig statt kriegstüchtig! Gemeinsam für Völkerverständigung, soziale Gerechtigkeit und eine Welt ohne Krieg."



    Im Maghreb eine Herkules-Aufgabe!