Vorwürfe gegen Eiskunstlauftrainer: Nur eine Backpfeife?

Für eine Ohrfeige soll Karel Fajfr eine Geldstrafe zahlen. Ermittlungen wegen schwerwiegenderer Vorwürfe stellt die Staatsanwaltschaft ein.

Verschwommener Eiskunstläufer

Schwierige Übung: Gewaltvorwürfe gegen Trainer sind oft schwer zu beweisen Foto: Aflosport/imago

Die Staatsanwaltschaft Kempten hat gegen den Eiskunstlauftrainer Karel Fajfr aus Oberstdorf einen Strafbefehl beim Amtsgericht Sonthofen beantragt. Ihm wird eine Körperverletzung an seinem ehemaligen Sportler Isaak Droysen im November 2016 vorgeworfen. Nach Angaben des Fajfr-Anwalts geht es um den Vorwurf einer Ohrfeige.

Dafür soll der 76-jährige Trainer mit einer Geldstrafe belangt werden, zu deren Höhe die Staatsanwaltschaft keine Angaben machte. Bei allen anderen Tatvorwürfen, die der frühere Eiskunstläufer Droysen seinem Trainer machte, wurden die Ermittlungen eingestellt, weil der Tatnachweis nicht erbracht werden konnte. Sie betrafen die Tatvorwürfe der Misshandlung des Schutzbefohlenen, Beleidigungen sowie weitere Körperverletzungsvorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Ermittlungen währten fast ein Jahr und es wurden viele Menschen, die in der bayerischen Eiskunstlaufszene Rang und Namen haben, als ZeugInnen vernommen: SportlerInnen, TrainerInnen und zudem Eltern. Dabei zeigte sich ein widersprüchliches Bild.

Während manche stark Partei für den erfolgreichen Trainer ergriffen und behaupteten, so etwas würde der nie tun, solidarisierten sich andere mit dem Sportler und bestätigte einzelne Tatvorwürfe. Fajfr ist wegen seiner harten Trainingsmethoden in der Szene umstritten. Einige Sportler wie die frühere deutsche Meisterin Annette ­Dytrt engagierten ihn gerade, weil sie genau so eine harte Hand brauchten.

Umstrittener Coach

Andere Sportler und ­Trainer lehnen ihn deswegen strikt ab. Das Sportinternat Oberstdorf belegt Fajfr seit 2008 mit einem Hausverbot wegen Vorfällen, die, so dessen Sprecher Florian Kuiper, „aus pädagogischer Sicht und dem Bereich der Privatsphäre nicht mit unseren Leitsätzen und Überzeugungen in Einklang zu bringen waren“. Seit einiger Zeit nimmt es keine Fajfr-Schüler mehr auf.

Der heute 20-jährige Isaak Droysen hatte länger als ein Jahr bei Karel ­Fajfr im Bundesleistungszentrum Eiskunstlauf in Oberstdorf trainiert. Im Alter von 15 Jahren zog er von Würzburg nach Oberstdorf, um bei dem Mann zu üben, der ihm als Meistermacher vorgestellt wurde.

Nach einigen Wochen stellte sich beim Training jedoch Angst „vor den Ausrastern von Herrn Fajfr“ ein, wie Droysen es sagt. Aussprachen mit anderen TrainerInnen hätten aus seiner Sicht nichts gebracht, erinnert sich Droysen. Schließlich wechselte er den Trainer. Heute ist Droysen nicht mehr als Eiskunstläufer aktiv.

Beendet ist der Vorgang mit dem Strafbefehlsantrag aber noch lange nicht, und das nicht allein, weil es sich lediglich um einen Antrag der Staatsanwaltschaft handelt. Beide Seiten wollen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft nicht hinnehmen.

Einspruch gegen des Strafbefehl

„Unser Mandant hat die ihm von Herrn Droysen vorgeworfenen Taten nicht begangen. Das sieht nun auch die Staatsanwaltschaft so. Sie hat das Verfahren wegen nahezu aller Vorwürfe eingestellt“, sagt Marcel ­Leeser, der Medienanwalt von Karel Fajfr. Sollte wegen des einzig verbleibenden Vorwurfs, einer angeblichen Ohrfeige, ein Strafbefehl ergehen, wird unser Mandant hiergegen Einspruch einlegen. Eine Ohrfeige hat es niemals gegeben.“

Claus Bohnenberger, der Anwalt des früheren Sportlers Isaak ­Droysen, hat angekündigt, bei der Generalstaatsanwaltschaft in München Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens zu den anderen Tatvorwürfen einzulegen.

Offen ist auch noch eine Zivilklage Fajfrs gegen seinen früheren Schüler Droysen am Landgericht Köln wegen Verleumdung. Fajfr fordert finanzielle Entschädigung wegen der aus seiner Sicht nicht zutreffenden Behauptungen, die sein Sportler in zahlreichen Medien erhob und die sein Ansehen geschädigt hätten.

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