Vorwürfe gegen Eiskunstlauftrainer

„So ist eben Fajfr“

Eiskunstlauftrainer Karel Fajfr wird von einigen seiner Sportler vom Vorwurf der Misshandlung entlastet. Andere Aussagen stärken die Anschuldigungen.

Ein Schlittschuh auf bunt beleuchtetem Eis

Trainer Karel Fajfr wehrt sich mit einer Anzeige gegen Anschludigungen Foto: dpa

Frostig geht es im Bundesleistungszentrum Eiskunstlauf in Oberstdorf zu trotz hochsommerlicher Temperaturen. Verwunderlich ist das nicht. Schließlich sind die Kufenkünstler im Training auf Wasser im festen Aggregatzustand angewiesen. Doch frostig ist auch die Atmosphäre zwischen Sportlern, Trainern und Eltern, seit der ehemalige Kaderläufer Isaak Droysen Ende Juli öffentlich machte, dass ihn sein früherer Trainer Karel Fajfr gedemütigt, geschlagen, erniedrigt und angeschrien hätte. „Man merkt die Anspannung“, sagt eine Sportlerin der taz.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Der 75-jährige Trainer Fajfr nennt die Vorwürfe haltlos und erklärt, gegen seinen früheren Sportler Strafanzeige wegen falscher Anschuldigungen erhoben zu haben. 1995 hatte ihn das Landgericht Stuttgart zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt. Angeklagt war er wegen Misshandlung eines Schutzbefohlenen und sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen in elf Fällen und Körperverletzung in zwei Fällen. Fajfr sagt, er habe daraus gelernt.

Der Trainer gilt als Meistermacher und hat deshalb auch einen großen Fankreis in der Oberstdorfer Eishalle. Sein Anwalt schickte der taz Statements von sechs Sportlern von Fajfr beziehungsweise deren Eltern. „Er ist ein Trainer und Mensch, der zu hundert Prozent hinter seinen Läufern steht“, schreibt ein Sportler. „Körperliche Übergriffe jeglicher Art gab es zu keinem einzigen Zeitpunkt.“ Die Mutter einer Trainingskameradin von Isaak Droysen schreibt, die Vorwürfe von Droysen „stimmen laut meiner Tochter nicht, Herr Fajfr ist ein sehr guter und netter Trainer“.

Sportler und Mutter wären mit der Nennung ihrer Namen einverstanden. Die taz hat sich im Interesse der Jugendlichen aber für eine Anonymisierung entschieden. Mit einer Ausnahme sind die Statements sehr sachlich. Ausgerechnet Christian Morath, Vizepräsident des Eissport Club Oberstdorf, schreibt, er will ein Hausverbot in den Oberstdorfer Eishallen beantragen – allerdings nicht gegen den beschuldigten Trainer, sondern gegen den Ex-Sportler Droysen, den er als „armseligen, persönlichkeitsgestörten pubertierenden Jüngling“ bezeichnet. Seine Vorwürfe seien „erstunken und erlogen“ und dem Bemühen geschuldet, „Berühmtheit zu erlangen“.

Solches Machtgebaren lässt die ­Fajfr-Kritiker in Oberstdorf in eine Schweigespirale geraten. Alle, die sich gegenüber der taz kritisch zu dem umstrittenen Trainer äußern, bestehen auf Anonymität. Ein Hobbysportler begründet das mit seinem Wunsch, kein Hausverbot in der Eishalle zu kassieren. Er sagt, er hätte vor rund drei Jahren eine Trainingseinheit beobachtet, wo Droysen mit drei Mädchen von Fajfr trainiert wurde. „Er wurde systematisch fertiggemacht, angeschrien und gedemütigt, obwohl er sich bemüht hatte, alles richtig zu machen. Die Mädchen ließ der Trainer in Ruhe. Ich habe mich gefragt, wie kann der Sportler so etwas aushalten.“

Oberstdofer Trainer

„Ich höre bei meiner Arbeit, wie Fajfr die Kinder anschreit“

Ein Oberstdorfer Trainer sagt der taz: „Ich höre bei meiner Arbeit, wie Fajfr die Kinder anschreit.“ Eine Sportlerin, die bei einem anderen Trainer übt, bestätigt das. „Wenn Herr Fajfr in der Halle ist, ist es laut. Ich habe gelernt, das auszublenden und mich auf meine Leistung zu konzentrieren. Ich sage mir: So ist eben Fajfr.“

Und so wundert es nicht, dass die Kritik an Fajfr von außen kommt, genauer vom Deutschen Skiverband. Dessen Mitarbeiter Florian Kuiper ist Geschäftsführer des Skiinternats in Oberstdorf, in dem auch Eiskunstläufer wohnen. Karel Fajfr hat dort seit 2008 ein Hausverbot, sagt Florian Kuiper. Es gab Vorfälle, „die aus pädagogischer Sicht und dem Bereich der Privatsphäre nicht mit unseren Leitsätzen und Überzeugungen in Einklang zu bringen waren“.

Karel Fajfr selbst schildert die Vorkommnisse wie folgt: Vom Parkplatz aus, der sich neben dem Sportinternat befindet, hätte er nach 22 Uhr noch Licht in den Zimmern seiner Sportlerinnen gesehen. Er sei daraufhin in ihre Zimmer gegangen und habe sie aufgefordert, das Licht auszumachen und zu schlafen, damit sie am nächsten Morgen ausgeruht zum Training kommen könnten. Außerdem habe er im Internat tagsüber das Körpergewicht seiner Sportlerinnen kontrolliert.

Gewichtskontrollen von Eiskunstläuferinnen sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist für die Ausführung von Sprüngen und Pirouetten ein zu hohes Körpergewicht kontraproduktiv. Andererseits gibt es Fälle von Bulimie. Fajfrs Anwalt Thomas Eichhorn erklärt, dass diese Vorfälle, die zu einem Hausverbot geführt hätten, „in keinem Zusammenhang mit irgendwelchen Vorwürfen hinsichtlich physischer und psychischer Übergriffe gebracht“ werden könnten. Letzteres weise sein Mandant zurück. Was der Skiverband als Verletzung seiner pädagogischen Grundsätze und der Privatsphäre ansieht, wurde in der Deutschen Eislauf-Union nach taz-Recherchen nicht einmal debattiert. Die Deutsche Eislauf-Union ließ eine Frage der taz dazu unbeantwortet.

Kuiper deutet einen weiteren Vorwurf einer Eissportlerin gegen ­Fajfr an, der jüngeren Datums ist. Seit der bekannt ist, nimmt das Skiinternat keine Fajfr-Schüler mehr auf. Er sagt: „Ich würde mich freuen, wenn die Sportlerin den Mut aufbringt, sich selbst dazu zu äußern.“

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