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Vor Präsidentschaftswahl in FrankreichRechte und Linke bringen sich in Stellung

Erst im Frühling 2027 wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt. Schon jetzt gibt es einen Favoriten: den Rechtsextremen Jordan Bardella.

Aus Paris

Rudolf Balmer

In einem Jahr geht das zweite Mandat von Staatspräsident Emmanuel Macron zu Ende und er kann nicht erneut für eine Wiederwahl antreten. Hinzu kommt: Weil die Unzufriedenheit ihm gegenüber steigt, hätte er wohl auch nur geringe Chancen und kaum jemand will mit Macrons Bilanz angeben. Laut Umfragen geht Jordan Bardella, der gegenwärtige Parteichef des rechtsextremen Rassemblement National (RN), als gesetzter Favorit in den Wahlkampf.

Er kandidiert anstelle von Marine Le Pen, die wegen des Verlusts des passiven Wahlrechts nicht antreten darf. Bardella werden zwischen 34 und 38 Prozent der Stimmen im ersten Durchgang vorausgesagt. Prognosen zufolge hätte allenfalls Macrons Ex-Premierminister Édouard Philippe eine Chance, Bardellas Wahl zu verhindern.

Es sind noch etliche Monate bis zur Wahl. Und meistens war es nicht der Favorit der Meinungsforscher, der letztlich gewonnen hat. Groß ist darum die Zahl der Politiker, die sich entweder Chancen ausrechnen oder einfach aus Karrieregründen ein Zeichen setzen wollen. So auch im Fall des Konservativen Bruno Retailleau, der am Wochenende von den Mitgliedern der Partei Les Républicains (LR) als Präsidentschaftskandidat nominiert worden ist.

77.000 Stimmberechtigte hatten die Möglichkeit, sich für die direkte Nominierung von Retailleau oder für Vorwahlen auszusprechen. Außer Bruno Retailleau stand aber kein anderer Name zur Auswahl. Für die LR-Mitglieder lautet darum die Frage: Wollt ihr Retailleau oder Retailleau?

Nur einer ist out: Nicolas Sarkozy

Der Senator der Vendée ist Vorsitzender von LR, seit sein Vorgänger Éric Ciotti ohne Skrupel und mit einer Handvoll treuer Anhänger für eine Allianz mit Marine Le Pens RN ins Lager der extremen Rechten übergelaufen ist. Retailleau muss sich also ständig sowohl von Macron wie vom RN abgrenzen. Er war rund ein Jahr lang Macrons Innenminister, doch für Macrons Politik der verpassten und verpatzten Reformen möchte er lieber keine Mitverantwortung übernehmen.

Retailleau hofft nicht nur für LR, jetzt ein weit besseres Resultat zu erzielen als 2022 Valérie Pécresse, die mit nur 4,78 Prozent der Stimmen eine Schlappe einstecken musste. Er will 2027 in die Stichwahl kommen und dann gegen Bardella als relativ gemäßigte Stimme gewinnen. Dass sich sein Traum erfüllt, ist angesichts der Konkurrenz unwahrscheinlich.

Abgesehen von Bardella, dem rechtsextremen Konkurrenten Éric Zemmour von Reconquête und dem Vertreter der Macronisten, Édouard Philippe von seiner Partei Horizons, haben auch mehrere Vertreter der Rechten die feste Absicht zu kandidieren: unter ihnen beispielsweise Jacques Chiracs ehemaliger Außen- und Premierminister Dominique de Villepin. Nur einer ist definitiv out: der mehrfach gerichtlich verurteilte Nicolas Sarkozy.

Keine Einigkeit bei der Linken

Auch die politische Linke kann sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur einigen. Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise (LFI) hatte 2022 mit fast 22 Prozent nur knapp die Stichwahl verpasst. Obwohl er sich in der öffentlichen Meinung und auch in der Linken viele Feinde gemacht hat, bleibt er für die LFI der einzig denkbare Kandidat ohne Konkurrenz.

Die Kommunisten schicken erneut ihren Parteichef Fabien Roussel ins Rennen, die Sozialisten zögern noch zwischen dem Linksliberalen Raphaël Glucksmann und Ex-Präsident François Hollande, der seit Langem sein Comeback vorbereitet. Die Basis der linken Wählerschaft möchte allerdings eine möglichst offene Vorwahl für eine einheitliche Kandidatur mit echten Erfolgsaussichten. Doch die Parteien haben offenbar andere Pläne und Prioritäten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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