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Volt will die 5-Prozent-Hürde nehmenBerlin, du kannst so abgefuckt sein

Mit knalligen Plakaten und Digitalisierung will es Volt ins Berliner Abgeordnetenhaus schaffen. Ein Treffen mit der Spitzenkandidatin.

Volt bezeichnet sich selbst als die „neue sozial-liberale Mitte“ in Berlin, erreichte bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2023 aber nur knapp 1 Prozent der Stimmen. An Berliner Straßenlaternen ist die Partei mit ihren lila Wahlplakaten hingegen sehr präsent – zumindest dort macht Volt den großen Parteien schon Konkurrenz.

Im Volt-Büro in Berlin-Prenzlauer-Berg hängt eines der lila Plakate mit der neongelben Aufschrift „unf*ck Berlin“. Davor sitzt die Spitzenkandidatin Anna Auerbach in Jeansjacke und einer Tasse Kaffee in der Hand an einem Konferenztisch. Abgefuckt sei an Berlin die Dysfunktionalität der Stadt, Dauerbaustellen oder das Datenleck in der Verwaltung: „Und das ist kein Zustand, den wir akzeptieren dürfen.“

Das Berlin wieder funktioniert, hänge auch stark von der Digitalisierung ab, sagt Auerbach. Das Thema schreibt sich Volt groß auf die Fahne: Die Partei möchte das IT-System der Stadt zentralisieren und setzt sich für ein bundesländerübergreifendes System ein. Sie sei bei diesem Thema „absolut arrogant und selbstbewusst“, sagt die 45‑jährige Anwältin und fügt hinzu, ihre Partei könne das besser als andere. Sie verweist auf Bürgerämter im Süden von Deutschland, die Volt bereits digitalisiert habe.

Bei der Wohnungspolitik vertritt Volt einige marktliberale Standpunkte: Die Partei ist gegen Enteignung und Mietendeckel – setzt sich für eine Senkung der Grunderwerbsteuer ein. Eine FDP light sei Volt aber nicht, sagt Anna Auerbach. Ihre Partei wolle den Anteil nicht gewinnorientierter Wohnungen auf 50 Prozent erhöhen. Während die FDP nach rechts in eine libertäre Ecke gerutscht sei, mache ihre Partei eine sozial-liberale Politik.

Millionen-Spenden für Volt

Zuletzt sorgte Ludwig von Jagow, der für Volt im Bezirk Steglitz‑Zehlendorf kandidiert, für Aufsehen, weil er sich im Cicero für ein Ende der AfD-Brandmauer aussprach. Anna Auerbach stellt klar, dass diese Haltung komplett gegen die Parteilinie von Volt verstoße und von Jagow damit allein dastehe.

Volt geht mit Spenden außergewöhnlich transparent um, bekommt aber gleichzeitig für eine Kleinpartei beachtliche Summen gespendet. Nach eigenen Angaben erhielt die Partei allein in den letzten drei Jahren über 2,5 Millionen Euro von einem gewissen Thadaeus Friedemann Otto. Der ist auch als Rapper „Alo Thadeus“ bekannt und Erbe der Hausschuh-Dynastie Haflinger. „Er ist einfach ein extrem überzeugter Demokrat“, sagt Anna Auerbach. Ob er auch selbst Parteimitglied ist, wisse sie nicht.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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