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Verlorene GegenständeLost and Found

Die Gäste unseres Autors vergessen immer wieder persönliche Objekte in seiner Pension oder lassen sie zurück. Das ist nicht immer lustig.

Der Gast ist weg – seine Schuhe sind geblieben Foto: Olaf Krüger/imagebroker/imago

N un ist es doch passiert. Ziemlich unangenehm, wenn in einem Hotel etwas Wertvolles verloren geht. Auch für die Gastgeber! Und was kann wertvoller sein als ein Ehering? Nicht nur weil der Verlust beziehungstechnisch zu ganz Bad Vibrations führen kann. „Mir muss der Ring beim Packen vom Finger gerutscht sein“, sagte der junge Mann beim Check-out. Und sein Partner: „Wir haben schon das ganze Zimmer auf den Kopf gestellt.“ Er war recht gefasst: „Falls Sie ihn doch finden …“, „… melde ich mich sofort“, sagte ich und versuchte mir nicht vorzustellen, was mit „Auf den Kopf stellen“ gemeint war. Das Zimmer besteht aus Einbaumöbeln.

Der Ehering ist bei Weitem das Teuerste, was bisher bei uns verloren ging. Immerhin gab es verantwortungstechnisch keine Unklarheiten: Er war weg, bevor jemand Drittes das Zimmer betreten hat. So eindeutig ist das nicht oft.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

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Man muss auf dem Gebiet der Herrenlosigkeit zwei Gruppen unterscheiden: Es gibt vermisste Gegenstände. Die tauchen meist wieder auf, bevor sich abgereiste Gäste deswegen melden. Bleibt das teure Stück verschwunden, kann die Sache cringe werden. Denn ich möchte eigentlich nicht nachfragen müssen, ob der Besitz tatsächlich erst seit der Abreise aus unserem Haus vermisst wird.

Und noch weniger will ich gefragt werden, ob das Housekeeping wirklich alles an der Rezeption abgibt. Lässt sich der Gast mit der Verlustmeldung Zeit, wird es teilweise geradezu grotesk. Etwa als ein Mann sich vier Monate nach seinem Besuch mehrmals meldete, weil er „absolut sicher“ war, dass er „ein sehr teures Duschgel“ bei uns hatte stehen lassen.

Meist vergessen: Ladekabel

Duschgel gehört eigentlich zu der zweiten Gruppe, den zurückgelassenen Gegenständen. Sie werden selten so vermisst, dass sich Gäste deswegen melden. Dazu gehören Socken, Mützen und Lesebrillen, angeführt wird die Gruppe aber von Ladekabeln. Mein Tipp: Falls Sie mal keines zur Hand haben, fragen Sie im nächstbesten Hotel, bevor Sie eines nachkaufen.

Eine Sonderkategorie der zurückgelassenen Dinge sind Sachen, bei denen man sich wundert, wie ein Gast sie überhaupt vergessen konnte. Und die, wie sich später herausstellt, nicht vermisst werden. Da wäre zum Beispiel die Tüte voll mit Artikeln aus dem Mode-Outlet oder das Wein-Geschenk-Set; möglicherweise sind sie so schnell erstanden, dass sie gar nicht als etwas Eigenes betrachtet werden.

Wir haben auch schon gut eingelaufene Wanderschuhe gefunden. Bei genauerer Betrachtung stieß ich auf eine lose Stelle an der Sohle. Ein vergessener Koffer hatte eine defekte Schließe. Soll man so was trotzdem an den Gast zurückschicken? Ich finde schon. Ich möchte keinen Müll geschenkt.

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Jörn Kabisch
Autor
Wirt & Autor für taz und FuturZwei
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1 Kommentar

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  • Zwei Punkte:

    Jemand kann auch den Verlust merken, wissen, dass es schlecht zu verschicken ist, und deshalb es einfach für sich verabschieden.

    Sachen nachschicken machen gute Hotels nie. Denn es könnte gar nicht die eigene Frau gewesen sein, und so fliegt ein Aufenthalt auf, der Diskretion gebraucht hätte. Schade ist das ökologisch, denn irgendwann sollte das Brauchbare wieder in den Gebrauch.