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Väter und Elterngeld"Selten mehr als zwei Monate"

Immer mehr Väter nehmen Elternzeit und sehen in der Auszeit kein Karrierehemmnis. Die Tübinger professorin Kerswtin Pull über die Vätermonate.

Interview von

Niklas Wirminghaus

taz: Frau Pull, das Bundesfamilienministerium spricht im Zusammenhang mit dem Elterngeld gern von einer "Väterrevolution". Sie haben untersucht, inwieweit Männer dank des Elterngelds bereit sind, Vätermonate zu nehmen. Ist das Elterngeld ein Erfolgsmodell?

Kerstin Pull: Ja, das ist es. Es gehen deutlich mehr Väter als früher in Elternzeit. Das zeigen ja auch offizielle Statistiken. Auch wenn sich unsere Zahlen nicht so ohne Weiteres hochrechnen lassen, weil Väter in Elternzeit in unserer Befragung deutlich überrepräsentiert sind.

Sie machen in Ihrer Studie trotzdem Einschränkungen. Welche?

Kerstin Pull

43, ist Professorin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Es gehen zwar mehr Väter in Elternzeit, aber die Dauer der väterlichen Erziehungszeit ist zurückgegangen. Mehr als zwei Monate sind für die meisten Väter nicht drin.

War das Vorgängermodell Erziehungsgeld besser?

Nein, so einfach lässt sich das nicht sagen. Das Elterngeld hat zumindest einen hohen symbolischen Wert. Unsere Studie zeigt auch, dass Väter, die eine Auszeit wegen ihres Kinds nehmen, diese jetzt viel weniger als Karrierehindernis betrachten. Dass man Karrierehemmnisse befürchtet, war und ist ein Grund dafür, dass Väter nicht in Elternzeit gehen.

Was hat sich seit der Reform noch getan?

Einkommensdifferenzen spielten früher eine entscheidende Rolle: Je mehr Geld der Vater im Vergleich zur Mutter verdiente, desto seltener ging er in Elternzeit. Das scheint nach der Reform kein Argument mehr zu sein.

Was müsste für eine echte "Väterrevolution" tatsächlich passieren?

Die Elterngeldreform hat in den Köpfen der Menschen offenbar schon einiges bewegt. Insofern habe ich die Hoffnung, dass sich da noch mehr tun wird, als wir jetzt in den nackten Daten sehen können.

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2 Kommentare

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  • PA
    papi allein zu haus

    als vater, der sich jetzt sogar für fünf monate in vollzeit um seinen nachwuchs kümmern will, war ich ziemlich erstaunt, von kollegen und freunden, die ähnliches vor haben, immer wieder zu hören, daß es doch bei ihnen nur zwei monate sein sollen, in der sie das elterngeld in anspruch nehmen. 'immerhin' denkt man vielleicht, aber letztlich sind es die beiden monate, die eh ganz wegfallen würden, wenn sich die papis gegen die elternzeit entscheiden würden. denn für die mutter (oder eben den vater, das ist egal) gibt es maximal zwölf monate elterngeld. mit den beiden papimonaten sind das dann zusammen vierzehn. im grunde könnten auch die väter zwölf monate und die mütter zwei nehmen. ich finde das im grunde ziemlich traurig, daß die meisten väter nur die 'mindestzeit' in anspruch nehmen.

  • P
    pinky

    Väter nehmen 2 monate elternzeit, weil das zusätzliche zahlungen bedeutet, es ist keine herzensentscheidung, sondern finanzielles kalkül. pull sieht den zusammenhang wohl nicht. außerdem gibt die elterngeldregelung die möglichkeit, das populäre image des sorgenden vaters ohne einschränkungen zu produzieren. die frauen bleiben zuhause, die männer bekommen den bonus, da "immer mehr" männer elternzeit nehmen.