Urzeit-DNA als Klimaretter: Das Lindner-Mammut

Wie die Erderwärmung stoppen? Der FDP-Chef setzt da ganz auf den Erfindergeist. Und siehe da: Ein Harvard-Professor hat ein Rezept gefunden.

Mammut mit Jägern

FDP-Mitglieder beim „engineered“-klimapolitischen Neustart Foto: dpa

Es ist das Mantra der letzten Fortschrittsgläubigen, also der FDP: Während drumherum alles in Starkregenfluten davonschwimmt, in Dürreperioden vertrocknet oder bei Bränden in Asche aufgeht, setzen sie darauf, an Verbrennungsmotoren, innerdeutschen Flugreisen und freier Fahrt für von Freiheit halluzinierende Bürger nichts zu ändern, weil irgendwem schon rechtzeitig irgendwas gegen die Erderwärmung einfallen wird.

Und siehe da – schon ist es passiert! Ein Genetikprofessor der Harvard-Universität und seine Investoren haben endlich ein Rezept gefunden, das Weltklima zu retten. Nämlich – warum sind wir da nicht gleich draufgekommen! – durch Rückzüchtung von Wollmammuts. Genau, diese Riesenelefanten mit der Harald-Martenstein-Frisur.

Der Plan ist jedem aus „Jurassic Park“ bekannt: Man pflanze die DNA eines der Eiszeithippies in die Eizelle eines real existierenden Elefanten, und schwupps! – schon hat man ein Mammut. Praktisch wie neu.

Nach dieser Starthilfe geht alles ganz von selbst: Jetzt braucht man die Tiere nur noch in der Arktis auszusetzen und sie machen lassen. Wenn erst mal ein paar zehntausend Exemplare dort eine Graslandschaft mit festgetrampeltem Boden etabliert haben, kann kein Methan mehr entweichen. Schon ist das Klima gerettet. Mit der Technik kann man außerdem noch viel mehr ausgestorbene Tiere zurückholen, falls man sie mal vermissen sollte.

Ohnehin Quatsch

Ein paar Mammuts zurückzubringen, mag eine reizvolle Idee sein, aber eines wären sie gewiss nicht: Mammuts. Sondern eben, was dabei herauskommt, wenn Menschen Mammut-DNA in Elefanten pflanzen. Dagegen wirkte selbst Christian Lindner natürlich. Der Klimarettungsplan ist ohnehin Quatsch. Abgesehen von der Realisierungschance würde es viel zu lange dauern.

Wir stehen mitten in einem der größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Die Biodiversitätskrise bedroht uns ähnlich fundamental wie die Erderwärmung. Dennoch wird sie im Wahlkampf nicht mal diskutiert. Jetzt kommen ein paar drittmittelgetriebene Genetiker und versprechen, Arten nach Belieben wieder auferstehen zu lassen. Dann wird’s ja nicht so schlimm sein, wenn sie erst mal weg sind. Warum also Biotope erhalten, die man doch so schön für Palmölplantagen nutzen kann?

Statt darauf zu setzen, irgendwann mit absurdem Aufwand die Schäden zu reparieren, sollte lieber das, was noch zu retten ist, erhalten werden. Schon das ist eine echte: Mammutaufgabe.

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Heiko Werning ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er studierte Technischen Umweltschutz und Geographie an der TU Berlin. Er tritt sonntags bei der Berliner „Reformbühne Heim & Welt“ und donnerstags bei den Weddinger „Brauseboys“ auf und schreibt regelmäßig für Taz und Titanic. Letzte Buchveröffentlichung: „Vom Wedding verweht“ (Edition Tiamat).

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