piwik no script img

Uniper verklagt NiederlandeWegen Kohleausstiegs vor Gericht

Die niederländische Regierung will die Laufzeit eines Kohlekraftwerks senken. Dagegen klagt nun der Düsseldorfer Eigentümer Uniper.

(rtr/taz |) Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper zieht in den Niederlanden wegen der Einbußen durch den geplanten Kohleausstieg vor Gericht. Durch das Gesetz zum Kohleausstieg bis Anfang 2030 werde die Laufzeit des erst 2016 in Betrieb genommenen Kohlekraftwerks Maasvlakte nahe Rotterdam auf rund 15 Jahre begrenzt, teilte der Konzern am Freitag mit. Dies sei eine Zwangsschließung ohne Entschädigung. Das Gesetz sei unausgewogen. Der Versorger könne seine Eigentumsrechte nicht wahrnehmen und werde nicht angemessen entschädigt. Der Essener RWE-Konzern hatte im Februar in den Niederlanden Klage wegen seines Kohlekraftwerks Eemshaven eingereicht.

Das Kraftwerk Maasvlakte mit einer Leistung von rund einem Gigawatt hat etwa 1,6 Milliarden Euro gekostet. Uniper hatte nach eigenen Angaben in Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium, Abgeordneten und dem Senat versucht, seine Position zu dem 2018 beschlossenen Ausstieg deutlich zu machen – ohne Erfolg.

Im Interesse der Kunden und Mitarbeiter sollten nun Gerichte entscheiden. Der niederländische Wirtschaftsminister Bas van't Wout betonte am Freitag, in dem Gesetz seien alle Interessen abgewogen worden. Die Betreiber könnten den Energieträger wechseln. Die Notwendigkeit von mehr Klimaschutz sei seit Jahren klar.

Uniper betonte, die niederländischen Klimaziele unterstützen zu wollen. „Der Uniper-Standort Maasvlakte eignet sich perfekt zur Produktion von grünem Wasserstoff in industriellem Maßstab“, betonte Uniper-Vorstand David Bryson. Der Manager machte deutlich, dass er den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen will. „Wir hoffen aufrichtig, dass wir eine tragbare Lösung finden, um unsere Bemühungen für den Wandel schneller umsetzen zu können.“

Scharfe Kritik von Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich empört. Durch eine Entschädigungszahlung an Uniper würden die Dinge auf den Kopf gestellt, sagte Campaignerin Faiza Oulahsen. Uniper solle der niederländischen Gesellschaft Schadenersatz für Schäden am Klima und der Gesundheit zahlen. Der Versorger habe die Klimakrise schon beim Bau der Anlage ignoriert. Der finnische Energiekonzern Fortum, dem rund drei Viertel der Uniper-Anteile gehören, stellte sich hinter das Vorgehen der Tochter. Es sei die Pflicht des Managements, die Rechtmäßigkeit überprüfen zu lassen.

Auch Urgewald protestierte: Erst vor wenigen Tagen habe der Mehrheitseigentümer Fortum die Führung bei Uniper ausgetauscht, so Urgewald-Campaigner Sebastian Rötters. Nun werde der „niederländische Staat wegen seines mit Ach und Krach Paris-kompatiblen Kohleausstiegs“, verklagt. Damit wolle „Fortum Unipers ignorante Kohle-Investitionsentscheidungen der Vergangenheit mit Steuergeldern kompensieren.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

5 Kommentare

 / 
  • J_CGN

    Das ist ein Ausblick darauf, wenn die Grünen CETA zustimmen.

    ISDS ist dann Standard und es sind die Gewinnerwartungen zu entschädigen.

    Alle, die CETA zustimmen wollen, sind im September nicht wählbar.

  • Martin_25

    1. Grundsätzlich steht dem Konzern Ersatz von nachgewiesenem Schaden zu. Bei 14 Jahren Betriebszeit ist das Kraftwerk aber schon zu einem guten Teil abgeschrieben, und könnte bei Änderung des Brennstoffs auch weiter betrieben werden. Das wäre im Rahmen der Energiesicherheit auch zu begrüßen. Ein paar Gasturbinen vorschalten, und die Kessel als Abhitzekessel betreiben, und schon werden die Investitionen mit verträglichem Brennstoff weiter genutzt.

    2. Finde ich Ausnahmen für Großkonzerne komplett daneben. Wenn jeder Bürger sich an die Gesetze im Land halten muss, dann bitteschön auch die Konzerne.

    3. Könnte man ja auch etwas über den CO2 Preis machen. Damit wäre das Kraftwerk schnell unwirtschaftlich, und der Konzern würde sich freuen das Kraftwerk loszuwerden.

    • Ber.lin.er

      @Martin_25:

      Die Welt ist aber nun mal kein Wünsch Dir was. Und wenn Ihre Investitionen als Privatperson durch Gesetz eingeschränkt werden, dann haben Sie auch eine Übergangsfrist und Anspruch auf Entschädigung.

  • Stechpalme

    Wir brauchen dringend ein Gesetz gegen Blödheit und Investitionsverschwendung. Dies angewandt bei Ignoranz der Klimakatastrophe wäre geeignet, Konzerne davon abzuhalten, in die Vernichtung der Erde zu investieren und auch noch Geld vom Steuerzahler zu fordern, das dann für die Schadensbeseitigung nicht zur Verfügung steht. Wer 2016 neue Kohlekraftwerke in Betrieb nimmt, bekommt als Wiedergutmachung für den Profitausfall ein gratis Hörgerät - von wg. Schuss nicht gehört.

    • Ber.lin.er

      @Stechpalme:

      Wenn Sie nur im Sommer leben oder in ständig warmen Gefilden, dann können Sie den mal raushau 'n.