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Uni-Mitarbeiter über Kürzungen„Es verschlechtert sich die Qualität der Lehre“

An der Universität Hamburg wehrt sich das Bündnis AG Ausfinanzierung gegen den Sparkurs des Senats. Es fehlen Millionen, sagt Florian Muhl.

Interview von

Martje Menzel

taz: Florian Muhl, die AG Ausfinanzierung hat zu einem Protestsemester an der Uni Hamburg aufgerufen. Was ist geplant?

Florian Muhl: Wir wollen von den Hochschulen aus öffentlich auf deren problematische Finanzlage und ihre Auswirkungen auf die Studien- und Arbeitsbedingungen hinweisen. Und wir fordern damit den Senat auf, durch entsprechende Beschlüsse und Finanzzusagen zu einer Verbesserung der Haushaltslage beizutragen. Viele Aktionen haben jetzt zunächst innerhalb der Uni stattgefunden. Es gab Informationsveranstaltungen und Diskussionen. Die Finanzlage war Thema in Lehrveranstaltungen. Die Demonstration am 11. Juni soll das Ganze in die Öffentlichkeit bringen.

Im Interview: Florian Muhl

43, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, Mitglied des Personalrats und aktiv in der AG Ausfinanzierung sowie der GEW.

taz: Was erhoffen Sie sich von der Demo?

Muhl: Wir hoffen einerseits, dass mehr Hamburgerinnen und Hamburger ein Bewusstsein von der prekären Lage an den Hochschulen gewinnen. Und wir erhoffen uns Unterstützung aus anderen zivilgesellschaftlichen Bereichen, die auch von Kürzungen bedroht sind, zum Beispiel die Kinder- und Jugendhilfe. Nicht zuletzt wollen wir Druck auf den Hamburger Senat aufbauen, damit sich die Finanzsituation verbessert. Und dass diese Kürzungen, die jetzt hier gerade im Raum stehen, abgewendet werden können.

taz: Wie sehen die konkreten Forderungen aus?

Muhl: Wir fordern, dass in Bezug auf die Universität Hamburg der jährliche Grundetat um 30 Millionen Euro erhöht wird, damit das Defizit, das in den vergangenen Jahren entstanden ist, ausgeglichen werden kann. Mittelfristig fordern wir, dass der Etat in Zukunft politisch so gestaltet wird, dass die Tarifsteigerungen und die Inflation auch ausgeglichen werden.

Demonstration „Wissen Schafft Zukunft“ – Für die Ausfinanzierung der Hamburger Hochschulen 11. Juni 14 Uhr, Edmund-Siemers-Allee 1 (Uni Hamburg Hauptgebäude)

taz: Wieso fehlt es denn an Geld?

Muhl: Weil in der Vergangenheit von den politisch Verantwortlichen andere Prioritäten gesetzt wurden. Die Finanzierung der Universität und auch der anderen Hochschulen ist in Hamburg in den letzten Jahren über Hochschulvereinbarungen geregelt worden. Die aktuelle Vereinbarung, die bis 2027 gilt, sieht nur eine Erhöhung des Etats um 2 Prozent pro Jahr vor. Angesichts der gestiegenen Inflation, höherer Energiekosten und nötiger Ausgaben für IT-Sicherheit reicht das nicht aus. Die Uni soll nun intern kürzen, um den Betrieb zu sichern. Sie braucht aber eine verlässliche Grundlage, sodass sie ihre Struktur nicht um 10 bis 20 Prozent abbauen muss.

Wenn statt Pro­fes­so­r:in­nen Lehrbeauftragte eingesetzt werden, verschlechtert sich die Qualität der Lehre

taz: Ändert der Status als Exzellenzuniversität etwas daran?

Muhl: Leider hilft der nicht weiter, weil diese Mittel ausschließlich für die Exzellenzbereiche und die damit zusammenhängenden Ausgaben vorgesehen sind. Sie dürfen nicht für andere Bereiche, in denen das Geld fehlt, verwendet werden.

taz: Wo merkt man das fehlende Geld schon jetzt?

Muhl: In vielen Bereichen. Viele Stellen in der Verwaltung und in der Wissenschaft werden nicht nachbesetzt. Es gibt Einschränkungen bei den Bibliotheksöffnungszeiten oder im Angebot von Tutorien. Und wenn zum Beispiel statt Pro­fes­so­r:in­nen Lehrbeauftragte oder wissenschaftliche Mit­ar­bei­te­r:in­nen eingesetzt werden, die sehr viel Lehre machen müssen und parallel gar nicht in der Forschung tätig sein können, verschlechtert sich die Qualität der Lehre.

taz: Ende des Jahres hatte der AStA sogar davon abgeraten, an der Uni Hamburg zu studieren.

Muhl: Ich bin dafür, dass die Mitglieder der Uni, also sowohl die Studierenden als auch die Beschäftigten, sich dafür einsetzen, dass sich die Situation verbessert, sodass man gerne in Hamburg studieren mag.

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