Unabhängiger Frauenverein SGS Essen: Verdrängte Gattung
Mit der SGS Essen ist der nächste Traditionsverein in der Bundesliga akut abstiegsgefährdet. Dabei hatte man sich für die Spielzeit viel vorgenommen.
S eit inzwischen 22 Saisons am Stück spielt die SGS Essen in der 1. Bundesliga der Frauen. Doch der Ruhrgebietsverein ohne finanzkräftiges Männerteam im Rücken gehört zu einer verdrängten Art. Die Zusammensetzung der Liga hat sich immer mehr jener der Männer angeglichen: Traditionsvereine sind entweder abgestiegen wie Turbine Potsdam oder wie der 1. FFC Frankfurt zur Frauenabteilung eines Lizenzvereins geworden.
Nach vier Spieltagen ist zwar noch viel Saison übrig, es fällt aber auf, dass ausgerechnet Carl Zeiss Jena, dessen Männerabteilung in der Regionalliga spielt und von den Frauen querfinanziert wird, und die SGS Essen im Tabellenkeller stehen. Der Prozess könnte also weitergehen. Speziell Essen scheint durch zuletzt schwache Leistungen gepaart mit einer völlig anderen Erwartungshaltung akut abstiegsgefährdet.
Die wachsende Konkurrenz in der Liga und auch lokal durch den BVB und Schalke hat in den letzten Jahren zu Zweifeln geführt, wie lange sich die SGS wohl noch halten könne. Die Antwort darauf gaben die Essenerinnen mit Hilfe guter Nachwuchsarbeit auf dem Platz und mit Selbstbewusstsein abseits davon. Klar ist auch, dass es weder Fans, Spielerinnen noch Verantwortlichen Freude bereitet, medial ständig auf das eigene potenzielle Scheitern reduziert zu werden. Über die Jahre gab es zwei Pokalfinalteilnahmen, tabellarische Positiv-Ausreißer und ausgebildete Nationalspielerinnen.
Spielansatz funktioniert nicht
Nun wollte die SGS nach der wenig überzeugenden letzten Saison also 2025/26 mit attraktivem Fußball zurück ins Mittelfeld, trotz Erweiterung der Liga mit starken Aufsteigerinnen. Neu verantwortlich sind Teamchef Robert Augustin und Trainer Thomas Gerstner. Sie folgen auf den langjährigen Cheftrainer Markus Högner, der zum BVB in die Regionalliga gewechselt ist.
Doch der offensive Spielansatz mit gewollt hoher Flexibilität statt klarem System funktioniert bisher nicht, das junge Team kommt kaum zu klaren Torchancen und wirkt inzwischen auch defensiv verunsichert. Und so werden Phrasen rausgekramt, bei denen es abstiegserprobten Zuhörer*innen unangenehm kribbelt: von „Malocherfußball“ bis „Ein weiter so darf es nicht geben“. Dabei wäre ein „weiter so“ der SGS in Liga eins angesichts der sonst beliebig wirkenden Namen in der Tabelle wirklich wünschenswert. Annika Becker
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