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Abstieg des reinen Frauenklubs SGS EssenSchräge Kontraste

Mit den Fußballerinnen der SGS Essen steigt wohl der letzte selbstständige Erstliga-Verein ab. Der Klub hat sich von seinem Optimismus blenden lassen.

A m Ende sackten die Spielerinnen der SGS Essen jeweils für sich allein auf dem Rasen des Max-Morlock-Stadions zusammen. Die SGS hat nach der 0:3-Niederlage vor 2.270 Zuschauenden beim 1. FC Nürnberg nur noch theoretisch eine Chance auf den Klassenerhalt. Nach 22-jähriger Erstklassigkeit wäre es der erste Abstieg des Traditionsvereins, der immer wieder Nationalspielerinnen hervorgebracht hat. Damit könnte sich vorerst der letzte selbstständige Erstliga-Verein im Fußball der Frauen verabschieden.

Wenn man ehrlich ist, hat sich das lange angebahnt. In der Saison 2024/25 täuschten die besondere Situation mit nur einem Abstiegsplatz und eine starke Sophia Winkler im Tor über vieles hinweg, was auch schon unter Markus Högner nicht gut lief. Sein Abgang zur Frauenabteilung des BVB in die Regionalliga war symptomatisch für die laufenden Verdrängungsprozesse.

Die aufstrebenden Lizenzklubs bedienen sich gern bei höherklassigen Ausbildungsvereinen wie der SGS oder dem FSV Gütersloh. Den FSV hat dieser Aderlass bereits von einem Top-Verein der 2. Bundesliga zu einem abstiegsbedrohten Klub der Regionalliga West gebracht.

In Essen begegnet man diesen strukturellen Problemstellungen oft kämpferisch. Das bringt Sympathien, allerdings scheint man sich mitunter selbst zu blenden. Vor der Saison sprach der unerfahrene Neu-Trainer Robert Augustin von attraktivem Offensivfußball und einem Platz im Tabellenmittelfeld. Da er nicht über die nötige Lizenz verfügte, wurde ihm Thomas Gerstner an die Seite gestellt, der schon bei vorherigen Stationen aneckte. Beide waren nach fünf Spieltagen wieder weg.

Kantersieg gegen Freiburg wird benötigt

Trainerin Heleen Jaques hat taktisch mit kreativer Pragmatik positive Akzente gesetzt, aber die große Verunsicherung nicht nachhaltig aus dem Team bekommen. Um den Abstieg noch abzuwenden, müsste Essen – mit der schwächsten Offensive der Liga – am letzten Spieltag gegen Freiburg möglichst deutlich gewinnen und auf eine heftige Niederlage des HSV gegen Bayern hoffen. In Nürnberg erspielte sich die SGS nach frühem Gegentreffer zumindest Abschlüsse, die aber entweder am Tor vorbeizischten oder gehalten wurden.

Lena Ostermeier ging nach Abpfiff als Erste zu den wenigen mitgereisten Fans, es dauerte, bis andere folgten. Sie lagen traurig auf dem Rasen. Wie zwischen Inseln im Meer eilte Lilli Purtscheller zwischen ihnen her, um sie zu trösten. Die österreichische Dribblerin gab per Einwechslung ihr Comeback nach Kreuzbandriss und war schmerzlich vermisst worden. Im Sommer geht sie zu Werder Bremen. Bisher hat sich nur die auch lange verletzte Jana Feldkamp öffentlich dazu bekannt, bei einem Abstieg zu bleiben.

Inwiefern die Verträge der übrigen Spielerinnen dann gültig wären, ist bisher genauso unklar wie der Heimspielort. Die Miete für das städtische Stadion an der Hafenstraße würde in der 2. Bundesliga – ohne TV-Vertrag und entsprechende Einnahmen – zum größeren Ballast.

Gleichzeitig ist der Standort als Aushängeschild wichtig. Am letzten Spieltag gegen den SC Freiburg soll es besonders voll werden: das bestbesuchte Heimspiel eines eigenständigen Vereins. Dass es zu diesem schrägen Kontrast zwischen Event und maximal angespannter sportlicher Lage kommen könnte, war seit Monaten absehbar. Die Fans wollen für den letzten Hoffnungsschimmer noch mal alles geben.

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