USA drehen Handelsstreit weiter: Trump droht Türkei und Indien
Der US-Präsident will den beiden Handelspartnern den Status als Entwicklungsland nehmen. Damit würden sie wichtige Zollvorteile verlieren.

Indien habe den USA keine Zusicherungen gemacht, dass es einen „fairen und vernünftigen Zugang zu seinen Märkten“ erlauben werde, erklärte Lighthizers Büro. Vielmehr habe das Land eine Reihe von Handelsbarrieren errichtet, „die ernsthafte negative Auswirkungen auf den Handel der USA“ hätten.
Die Türkei wiederum sei inzwischen ausreichend wirtschaftlich entwickelt und solle deswegen keinen erleichterten Zugang zum US-Markt mehr erhalten. Die Türkei ist seit 1975 im GSP-Programm der Vereinigten Staaten. Die USA hatten im August eine Überprüfung der Förderberechtigung angekündigt, nachdem der NATO-Verbündete als Reaktion auf die amerikanischen Stahl- und Aluminiumzölle Vergeltungszölle auf US-Waren eingeführt hatte. Zuletzt liefen US-Importe aus der Türkei im Volumen von rund 1,7 Milliarden Dollar über das GSP-Programm. Dazu gehörten Autos, Fahrzeugteile, Schmuck und Edelmetalle. Das waren rund 18 Prozent der gesamten US-Importe aus der Türkei.
Indien würden Vergünstigungen für einen zollfreien Export von Produkten im Wert von 5,6 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten verloren gehen. Trump hatte angesichts eines hohen Handelsdefizits Indien wiederholt wegen hoher Importzölle kritisiert. Zudem hatten zuletzt verschärfte Regeln in Indien für ausländische Onlinehändler wie Amazon und für Kreditkartenanbieter die Handelsbeziehungen zusätzlich belastet. Eine Streichung der Sonderbehandlung wäre die bislang härteste Strafmaßnahme gegen das Land seit Trumps Amtsantritt 2017.
Weitere Runde im Handelsstreit
Die Streichung des Sonderhandelsstatus kann erst nach 60 Tagen erfolgen, nachdem der US-Kongress und die betroffenen Länder informiert wurden. Trump schrieb nun entsprechende Briefe an die Vorsitzenden von US-Repräsentantenhaus und Senat.
Die Maßnahmen gegen Indien und die Türkei sind Teil der Handelspolitik des US-Präsidenten, die Kern seiner „America first“-Politik ist. Trump hat mit nahezu allen großen Wirtschaftsräumen einen Zollstreit begonnen. Er begründet die Verhängung etwa von Strafzöllen mit dem Handelsdefizit der USA. Bislang hatte er dabei vor allem China und die Europäische Union im Blick. Der EU droht er unter anderem mit hohen Zöllen auf Autos, was vor allem die deutsche Wirtschaft treffen würde.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Ricarda Lang über Strategie der Grünen
„Die Schuldenlast tragen die Falschen“
Illegales Autorennen in Ludwigsburg
Männer mit Mercedes im Kopf
Stand der Koalitionsverhandlungen
Bitterer Vorgeschmack
Angriff auf Informationsfreiheit
Amthors Rache
Schlechte Zahlen der Deutschen Bahn
It’s Daseinsvorsorge, stupid
US-Schutzzölle gegen Autoindustrie
Europa sucht nach einer Antwort