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US-Angriff gegen VenezuelaKomplexe Bodysnatcherei

In „Invasion of the Body Snatchers“ steuert ein Alienparasit die Gedanken der Befallenen. Ähnlich wirkt, wer Trumps Völkerrechtsbruch nicht klar benennt.

N icht Kidnapping solle man es nennen, sondern Festnahme. Diese Regel, das postete der Journalist Owen Jones auf X, habe die BBC angeblich ihrer Belegschaft weitergegeben, und zwar darüber, wie diese über die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro berichten solle. Gefangennahme, Kidnapping, Entführung, Beseitigung oder, wie ich es vorschlage, Snatching.

„Invasion of the Bodys Snatchers“ könnte man die Militärintervention der USA nennen. Maduros Body wurde nach New York gebracht. Danach meldete sich Russlands Ex-Präsident, Dmitrij Medwedew, zu Wort, dass er sich auch gut vorstellen könnte, Friedrich Merz’ Body aus Berlin raus zu snatchen. Trump snatcht sich dann vielleicht noch Grönland. Oder Putin gleich den Selenskyj.

Nicht nur die Militäroperation der USA in Venezuela, auch ein Film von 1978 trägt den Titel „Invasion of the Body Snatchers“. Star ist auch ein Donald, nämlich Sutherland, jung, mit Schnauzer und ziemlich flirty gegenüber seiner Mitschauspielerin Brooke Adams, als diese ihm erzählt, ihr Freund Geoffrey verhalte sich auf einmal so seltsam. Sutherland mutmaßt dann scherzhaft, ob der Freund eine Affäre oder eine soziale Schwäche habe, oder ob er vielleicht einfach Republikaner geworden sei.

Was sie nicht weiß: Eine amöbenartige Alienrasse hat Geoffrey befallen und steuert bereits seinen Körper, oder genauer: eine frisch geschlüpfte Kopie seines Körpers. Der Body ist gesnatcht. Bald ist ganz San Francisco, dann die Welt dran. Dass der von da an fremdgesteuerte Freund im Laufe des Filmes immer mehr aussieht wie Sebastian Stan im Trump-Biopic „The Apprentice“, ist wohl Zufall.

Als sei es eine Alieninvasion

Wenn sie einmal dupliziert sind, können die Menschen nicht mehr frei denken, sind unemotional und identitätslos – sie sind lediglich der Wirt des parasitären Aliens. Zugegeben, ganz so sah die Entführung Maduros nicht aus. Indem sie widerspruchslos mit Trumps Darstellung der Entführung mitgehen, ähneln manche westliche Politiker_innen dennoch den Figuren aus dem Film.

Mit ihrer Rhetorik – gesteuert vom Bloß-Nicht-Trump-Missfallen-Parasiten – machen sie den Überfall zu einem nicht klar erklär- oder verurteilbaren, fast mysteriösem Event, als sei es eine Alieninvasion. Einen Völkerrechtsbruch als solchen zu benennen, Trump zu widersprechen und gleichzeitig Maduros diktatorisches Regime zu verurteilen, scheint ihnen nicht möglich.

Hört man etwa der Bundesregierung dabei zu, wie sie die Intervention einordnet, könnte man den Eindruck bekommen, diese Bodysnatcherei sei eine legitime militärische Praxis. Und wenn nicht legitim, dann sei sie rechtlich lediglich „komplex“, so erklärte Merz den gar nicht so komplexen Völkerrechtsbruch.

Bedenken über unkritische Anpassung sieht man auch im Film. Während die ursprüngliche Version von „Invasion of the Body Snatchers“ aus 1956 in der Alieninvasion den Verlust der Individualität sah und damit vor dem Kommunismus zu warnen versuchte, sieht die spätere Verfilmung die größere Gefahr in blinder Konformität – oder vielleicht eben darin, wie Sutherland befürchtet, auf der Seite der Republikaner zu sein.

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Valérie Catil

Valérie Catil Gesellschaftsredakteurin

Redakteurin bei taz zwei, dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Studierte Philosophie und Französisch in Berlin. Seit 2023 bei der taz.
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