Trumps Zölle: Warum bloß Lesotho?
Erst die Streichung der US-Hilfen, jetzt die höchsten Zölle. Auf den Staat mitten in Südafrikas Bergen hat Trump es anscheinend besonders abgesehen.

Der Grund: Die USA verkaufen nach Lesotho fast nichts. Nach amtlichen US-Zahlen beliefen sich US-Importe aus Lesotho im Jahr 2023 auf knapp 227 Millionen Dollar und US-Exporte nach Lesotho auf etwas über 3 Millionen. Das ist ein weltrekordverdächtiges Missverhältnis, deswegen jetzt die weltrekordverdächtigen Zölle.
Eigentlich gehört das bitterarme Lesotho, dessen Bevölkerung historisch entweder in der kargen Landwirtschaft in den Bergen oder als ausgebeutete Gastarbeiter in Südafrikas Bergwerken oder niedrigen Dienstleistungsjobs schuftete, zu den Nutznießern des US-Gesetzes für Freihandel mit besonders armen Ländern Afrikas, des „Africa Growth and Opportunities Act“ (Agoa) aus dem Jahr 2000, einer Hinterlassenschaft der Clinton-Präsidentschaft. Unter Agoa sind bestimmte Exporte in die USA zollfrei. Wegen Agoa war Lesotho von 2000 bis 2013 der größte afrikanische Lieferant von Textilprodukten in die USA – mittlerweile wurde es von Kenia und Madagaskar überholt.
Als Unternehmer verkauft sogar Donald Trump in den USA über einen Onlineversand T-Shirts „made in Lesotho“, wie südafrikanische Medien herausgefunden haben. Die Textilindustrie ist in Lesotho wie überall vornehmlich Frauensache, viele Männer aus Lesotho hingegen arbeiten im Bergbau, im eigenen Land und insbesondere in Südafrika. Diamanten sind Lesothos wichtigstes Exportprodukt insgesamt und das zweitwichtigste in die USA: 56 Millionen US-Dollar im Jahr 2023, gegen 160 Millionen für Textilprodukte.
Schon die zweite Grätsche gegen Lesotho
Die Zölle sind nun schon die zweite Grätsche Trumps gegen Lesotho. Die erste war die Streichung der US-Hilfsgelder zur Finanzierung von Aidsmedikamenten – 200.000 Menschen in Lesotho, fast ein Zehntel der Bevölkerung, sind HIV-positiv.
Eine offizielle Reaktion Lesothos auf die Zölle steht noch aus. Ökonomisch lässt sich nicht viel machen – Lesotho wendet die gemeinsamen Außenhandelstarife der Zollunion des südlichen Afrika an. Politisch dürfte eine Antwort durchaus selbstbewusst ausfallen. Lesotho hält viel auf seine Eigenständigkeit, die es auch gegen Apartheid-Südafrika immer bewahrte, und Premierminister Sam Matekane wurde, als er 2022 mit seiner neuen Partei „Revolution For Prosperity“ (RFP) an die Macht kam, viel mit Donald Trump verglichen.
Der schwerreiche Unternehmer, der Lesothos Wirtschaft auf Vordermann bringen will, versprach bei seiner Amtseinführung „I promise to make Lesotho great again“. Im Dezember 2022 war er Stargast auf Joe Bidens USA-Afrika-Gipfel, zu dem nur ausgewählte afrikanische Staats- und Regierungschefs geladen wurden. Im September 2024 traf Matekane am Rande der UN-Vollversammlung in New York Elon Musk, und der südafrikanischstämmige Trump-Berater hat in Lesotho eine Starlink-Lizenz beantragt. Es gibt sogar eine US-Botschaft in Lesotho. Dort dürften jetzt Überstunden anstehen.
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