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Trumps Winden im IrankriegEin Kindergarten entscheidet über den dritten Weltkrieg

Bernd Pickert

Kommentar von

Bernd Pickert

Trump hat sich selbst eine Falle gestellt, weil er die Folgen des Krieges nicht kommen sah. Wir sehen den dümmsten Kriegsherrn der jüngeren USA.

Donald Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth: Von der verheißenen Möglichkeit der iranischen Befreiung ist nicht mehr die Rede Foto: Mark Schiefelbein/ap

D onald Trump ist ein Meister darin, mit Absicht oder durch Ignoranz und Dummheit schwere Krisen zu erzeugen, die er dann irgendwie gelöst bekommt, um schließlich einen Sieg zu verkünden, den „niemand für möglich gehalten“ habe.

Im Fall des Irankrieges ist es so weit noch nicht. Zunächst hat Trump mit der Androhung, die zivile Energie-Infrastruktur Irans zu zerbomben, eine Eskalationsstufe angedeutet, die nicht nur eine weitere eklatante Verletzung des Völkerrechts wäre, sondern die Weltwirtschaft noch tiefer ins Chaos stürzen würde.

Kurz vor Ablauf des Ultimatums, das vor allem ihn selbst unter Druck gesetzt hat, hat sich Trump dann ausgedacht, dass Gespräche mit irgendeiner Topfigur in Irans Führung schon sehr weit fortgeschritten seien und er daher das Ultimatum aussetzen könne. So habe Iran etwa eingewilligt, auf den Bau einer Atombombe zu verzichten – was für eine Sensation! In all den Jahrzehnten der Auseinandersetzung über sein Atomprogramm hat Iran nie etwas anderes gesagt, auch wenn Teheran nie plausibel erklären konnte, wozu dann die Urananreicherung überhaupt nötig sei.

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Als Trump am Montag auf dem Flugfeld von Palm Beach in Florida vor die TV-Kameras trat, war es, als sähe man sein Hirn auf der Suche nach irgendeinem Rettungsanker live dahinschmelzen. Niemand habe vorhersehen können, dass Iran einfach seine Nachbarländer beschießen werde, behauptete Trump – dabei war das so ziemlich das Erste, was absolut alle Analysten vorhergesagt hatten, genau wie die Blockade der Straße von Hormus. Die Meerenge wäre bald geöffnet und könne dann gemeinschaftlich kontrolliert werden, sagte Trump, und zwar vielleicht von ihm selbst und „dem Ajatollah“, wer auch immer das sein werde, man habe ja ganz viele umgebracht. Aber mit irgendwem werde sich ein Deal machen lassen, der dann für alle gut sei.

Um Befreiung geht es nicht mehr

Ein paar Stunden später dann befand sich Trump bereits im Schuldabwehrmodus für das gesamte Schlamassel des Irankrieges: Bei einem weiteren Presseauftritt, bei dem unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth am Tisch saß, stichelte Trump, der sei es doch gewesen, der zuerst gesagt habe, dass „wir es tun“ sollten. Ein Kindergarten entscheidet über den dritten Weltkrieg.

Von der verheißenen Möglichkeit der iranischen Befreiung ist nicht mehr die Rede. Und Israels Ministerpräsident Netanjahu lässt in Iran und Libanon einfach weiter bomben, als wäre nichts gewesen.

Trump will ja immer in die Geschichte eingehen, und er ist auf dem besten Wege dazu. Als dümmster Kriegsherr der modernen USA.

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Bernd Pickert
Auslandsredakteur
Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
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5 Kommentare

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  • Fast korrekt, der Kommentar. Aber er wird nicht als dümmster Kriegsherr in der Geschichte eingehen. Jedenfalls nicht den USA. Dafür ist die Medienkontrolle der Buddies zu weit fortgeschritten. Dafür wird die Geschichtsklitterung institutionell durchgeführt. Dafür werden Bücher in den Bibliotheken entfernt.

  • Ich hab mal irgendwo gelesen, das Psychos nicht in der Lage sind zu reflektieren.



    Die amerikanische Bande im Koksweißen (bald Gold) Haus besteht nur aus Psychos. Ich glaube, das war das Einstellungskriterium ;)

    Gut auf den Punkt gebracht den Kommentar. Danke.

  • Dass der korrupteste Präsident gleichzeitig auch der dümmste aller Zeiten ist, ist ja eigentlich nichts Neues. Allerdings wird er inzwischen so gefährlich für die Menschheit, dass ein Amtsenthebungsverfahren dringender denn je gefordert werden müsste.



    "Auf der Wettbörse Polymarket steigt die Quote für ein vorzeitiges Amtsende von Donald Trump deutlich. Spekulanten setzen Millionen darauf."

  • Trump würde in der Arbeitswelt noch nicht einmal die Probezeit bestehen.

  • Dumm, aber gerissen. Und möglich, da das amerikanische Parlament versagt, und ein deutscher Kanzler sagte, die erledigen die Drecksarbeit für uns. Vielleicht sehen wir nicht nur den dümmsten Kriegsherren, sondern auch die dümmste deutsche Politik, und gar den dümmsten Kanzler ?