Tiktok-Trends: Ein Fuckboy im Schafspelz
In Parks Bücher lesen klingt zwar harmlos, aber es ist die kaltblütige Masche von „performative males“. Am Samstag können sie sich in Berlin beweisen.
Mit Kabelkopfhörern und schwarz lackierten Fingernägeln sitzt er auf einer Parkbank. Aus seinem Jutebeutel holt er ein feministisches Buch, das er gleich demonstrativ hochhalten, dabei allerdings nur wenig lesen wird. Er trinkt Matcha und hat ein Tampon in der Hosentasche, just in case.
Eine Falle. Denn all das sind Erkennungsmerkmale eines sogenannten „performative male“. Auf Tiktok werden so heterosexuelle Männer bezeichnet, deren Masche es ist, sich feministisch zu inszenieren. Dabei geht es ihnen viel mehr um Selbstdarstellung als um tatsächliche Überzeugung. Das Ziel: progressive Frauen aufreißen, nur um sie dann genauso toxisch zu behandeln wie gewohnt. Quasi ein Fuckboy im Schafspelz.
Um sie zu enttarnen, kursieren auf Tiktok nicht nur zahlreiche Memes, es werden sogar „performative male contests“ veranstaltet. Nach Jakarta und Seattle kommt der satirische Wettbewerb nun nach Berlin. Auf Tiktok postet die Nutzerin @mayhem Videos, in denen sie Flyer aufhängt und mit „geilen Preisen“ wirbt. „Es ist an der Zeit, dass sich die intellektuellsten Männer Berlins versammeln und sich beweisen“, steht dort geschrieben, als eine Art Köder. Im Voiceover sagt sie: „Beweist euch gerne.“
Hinter dem Account steckt die 21-jährige Kulturjournalistin Mariam Daher, die einfach selbst über das Thema berichten möchte. Sie findet, dass der Trend ein popkulturelles Phänomen ist, über das gesprochen werden muss. „Typen, die in der Öffentlichkeit lesen, waren schon immer meine Feinde, weil sie keine einzige Frage dazu beantworten können“, sagt sie. Deshalb könne man sich über die ausschließlich lustig machen.
Frauen sind auch eingeladen
Gemeinsam mit ihren Freunden Jean und Alex veranstaltet sie am kommenden Samstag ab 17 Uhr im Weinbergspark den ersten „performative male contest“ Deutschlands. Schließlich seien diese neuen Männer eine Berlin-Erfindung. „Das ist quasi ein Spielplatz, wo die sich ausleben können“, sagt Daher.
Ob sie auch schon auf die Masche hereingefallen sei? „Immer. Alle Männer sind eh scheiße“, sagt Daher. Sie habe auch etwas Angst, dass eine ihrer Ex-Situationships am Samstag auftauche.
Für das Event hat sie extra Recherche betrieben und Dating-Profile erstellt, um „performative males“ online zu casten. Die „geilen Preise“ werden von kleinen Buchhandlungen zur Verfügung gestellt. Für Daher wäre es der größte Albtraum, wenn Marken wie LAP Coffee das Event für sich beanspruchen.
Frauen seien natürlich auch eingeladen. „Leute können gerne kommen, um ihre neue toxic situationhsip zu finden“, sagt Daher. Sie hofft, dass ihre Videos auf Tiktok viral gehen und ihr Contest somit Aufmerksamkeit bekommt. Kommende Woche soll es in München weitergehen.
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