TikTok, Corona und Kevin Kühnert: FDP, sag doch nochmal was Lustiges!

Wirtschaftswissenschaften sind nur ein Ratespiel, und George Orwells gequältes Lächeln begegnet uns überall, ob nun in China oder in der USA.

Mehrere behelmte Polizisten

Staatsmacht für Milliardärsfamilie – Polizei bei der Räumung des Berliner „Syndikat“ Foto: dpa

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Wehmütig erinnert man sich an Guido Westerwelles Chuzpe, als „Kanzlerkandidat der FDP“ anzutreten.

Und was wird besser in dieser?

SPD benennt Kanzlerkandidaten.

Spahn hat gesprochen. Wer ab sofort von Reisen in ein Risikogebiet zurückkehrt, muss sich auf Covid testen lassen. Allerdings kostenfrei. Gerecht so?

Ja. Der körperliche Eingriff ist minimal – Wattestäbchen, Speichelprobe. Drunter ist nur noch Anhauchen und „Können Sie mal pupsen, bitte“. Angenommen, Bill Gates würde die Bundesregierung veranlassen, gesetzlich vorzuschreiben, dass man bei Rot stehen und bei Grün gehen soll, gäbe ich uns derzeit drei Wochen, bis die ersten Querdenker mit dem heroischen Ruf „Nachdenken!“ bei Rot untern Laster hüpfen. Das frisch gedopte Infektionsschutzgesetz senst in die Versammlungsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung, informationelle Selbstbestimmung, die Freizügigkeit – made in Eile und dringend zur Ausnüchterung empfohlen. Dagegen ist der Abstrich harmlos. Apropos „Wir müssen alle Abstriche machen“: Wer sehenden Auges in eines der gut 130 Risikoländer fährt, dem kann eine Schutzgebühr für den Test danach durchaus abverlangt werden.

Leichte Erholung der Wirtschaft meldet das Statistische Bundesamt. Die deutschen Exporte sind im Juni um beinahe 15 Prozent zum Vormonat gestiegen und übertreffen damit die Schätzungen. Wer kauft denn da schon wieder Autos?

Auch der Auftragseingang stieg um stattliche 27,9 Prozent. Und besonders interessant an diesen Zahlen scheint: Wenn man sie komplett falsch vorhergesagt hat, darf man sich „Analyst“ und „Wirtschaftswissenschaftler“ nennen. Lieber mal abwarten, ob die Karren uns aus dem Dreck ziehen oder Maschinenbau, Chemie, Datenverarbeitungsprodukte. Und genauer hingucken, welche Branchen hilfsbedürftig sind und welche es allein schaffen. „Kultur“ steht nicht unter den Top 15 deutscher Exportartikel. Schon vor Corona nicht.

US-Präsident Trump verbietet Geschäfte mit den chinesischen Firmen hinter Tiktok und WeChat. Offenbar will er erzwingen, das diese ihre beliebten sozialen Netzwerke in die USA verkaufen. Microsoft stünde bereit. Aber sollten die sich das wirklich antun?

Das kapitalistischste Land der Welt fuchtelt mit Staatseinmischung herum, um Privatfirmen aus dem kommunistischsten Land der Welt zu bändigen. Hallo FDP! Sag doch nochmal was Lustiges zum Staatsanteil bei VW, Commerzbank, Lufthansa! Oder bleib liegen. Jedenfalls: Microsoft hat kein „soziales Netzwerk“ im Angebot und diesen Markt verschlafen. Durch die Snowden-Enthüllungen wurde offenbar, dass die NSA Microsoft hackt, andere sagen auch: Microsoft „kooperiere“ und der Staat nutze diese „backdoors“. Fazit für User: Von welchem Staat möchten Sie lieber georwellt werden?

In Berlin hat die rot-rot-grüne Koalition in der Nacht zum Freitag Hunderte Polizeibeamte zu einer linken Kiezkneipe geschickt. Die wurde dann zugunsten eines undurchsichtigen Immobilienkonzerns geräumt. Macht es doch keinen Unterschied, wer regiert?

Ohne den glücklichen Zufall einer Recherche von Tagesspiegel und Correctiv wüsste die Polizei nicht mal, für wen sie die Bude räumt: eine britische Milliardärsfamilie, die ihre Berliner Mieteinnahmen über Luxemburg, Zypern, Jungferninseln absaugt und retour gefühlt null Steuern zahlt. Das spricht erstens für ein Vermummungsverbot für Immobilienbesitzer. Und zweitens irritiert, dass dieselbe Obrigkeit „77 Immobilien einer Berliner arabischstämmigen Großfamilie“ seit 2 Jahren beschlagnahmt hält. Vor R2G Berliner Prägung müssen weder FDP noch AfD Angst haben.

SPD-Darling Kevin Kühnert gibt den Juso-Vorsitz ab und macht sich bereit, für den Bundestag zu kandidieren. Dafür müsste er 2021 den Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg holen. Easy?

Kein Heimspiel; man hatte bisher den Ureinwohner Michael Müller erwartet. Und kein Heimspiel, die SPD-Kandidatin rauchte hier 2017 mit um die 20 Prozent ab und die CDU gewann. Die SPD kann durch Vergabe eines guten Listenplatzes an Kühnert ausdrücken, wie weit sie am Überleben Interesse hat.

Das Justizministerium findet es erst mal okay, wenn die Polizei zu Ermittlungszwecken einen Blick auf die Corona-Gästelisten in Cafés und Restaurants wirft. Nennen Sie uns doch bitte die letzten drei falschen Namen, mit denen Sie Ihre Zettel aufgefüllt haben!

Anfangs gab’s keinen Kaffee ohne ausgefüllten Zettel. Dann brachte der Kellner Kaffee und Zettel zusammen. Dann brachte er Kaffee und man gab ihm dafür einen der ausgefüllten Zettel, die von vorherigen Gästen da noch so rumlagen. Offensiv danach fragen tut keiner. Also daran erkennt man die Polizei.

In Baden-Württemberg sollte eine Drittklässlerin eine Strafarbeit schreiben, weil sie auf dem Schulhof türkisch gesprochen hatte. Ein paar Tage vorher meinte der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, jeder solle so sprechen dürfen, „wie ihm der Schnabel gewachsen“ sei. Ja, wie denn nun?

Meine Verstehenschance bei Schwäbisch oder Türkisch ist 50/50.

Und was machen die Borussen?

Ulli Hoeneß sorgt sich, Stars sähen sich in Dortmund „nur als Verkaufsobjekte“ auf der Durchreise zu seinem Top-Club. Das wiederum ist so luzide, dass man sich Sorgen um Ulli Hoeneß machen muss.

Fragen: PWE, KRT

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben