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Bürgerliche Fassade: Kurt Hättasch und seine Frau besuchen 2022 ein Seminar des rechtsextremen „Institut für Staatspolitik“ Foto: Objektiv Ost

Terrorvorwurf gegen AfD-PolitikerDie nicht ganz so „anständige“ Familie Hättasch

AfD-Politiker Kurt Hättasch weist im Prozess um die „Sächsischen Separatisten“ alle Vorwürfe zurück. Dabei steht er dem Neonazismus näher, als er zugibt.

Jean-Philipp Baeck
Konrad Litschko

Aus Dresden und Berlin

Jean-Philipp Baeck und Konrad Litschko

M it dem Bild eines anständigen Patrioten gibt sich Kurt Hättasch alle Mühe. Stundenlang sagte er zuletzt an mehreren Prozesstagen vor Gericht aus. Seitenweise berichtete er in den Monaten zuvor in einem Tagebuch aus seiner Haft, formulierte Erklärungen, ließ seine Anwälte Pressekonferenzen abhalten.

Hättasch, früherer AfD-Fraktionschef aus Grimma und Schatzmeister der ehemaligen Parteinachwuchsorganisation Junge Alternative in Sachsen, ist im Prozess um die „Sächsischen Separatisten“ vor dem Oberlandesgericht Dresden als einer von acht mutmaßlichen Rechtsterroristen angeklagt.

Dem Verfahren kommt eine größere politische Bedeutung zu, weil neben Hättasch zwei weitere Mitglieder der AfD angeklagt sind und dies auch im Hinblick auf ein Parteiverbotsverfahren relevant sein könnte. Rund um die acht Angeklagten spannt sich ein rechtes Netzwerk von der AfD und ihrer Jugendorganisation zu den rechtsextremen Parteien NPD/Die Heimat, dem III. Weg und den Freien Sachsen, zu Burschenschaften und Völkischen, zu neuen digitalen und zu alten analogen militanten Neonazistrukturen.

Die „Sächsischen Separatisten“ sollen sich paramilitärisch auf einen Tag X vorbereitet, ethnische Säuberungen sowie Liquidationen von Amtsträgern geplant haben. Bei seiner Festnahme wurde Hättasch von einem Polizisten in den Kiefer geschossen. Weil er in der Situation mit einem Gewehr auf die Polizisten zuging, wird Hättasch auch versuchter Mord vorgeworfen.

Hättasch weist alle diese Vorwürfe von sich. Bei seiner Festnahme sei er von einem Antifa-Überfall ausgegangen – und hatte tatsächlich auch den Notruf gewählt. Die Bezeichnung „Sächsische Separatisten“ kenne er gar nicht. Vor Gericht und in schriftlichen Erklärungen zeichnet er an einem Bild von sich, das so gar nicht zur Anklage passen will. Er sei der „Idealtyp des demokratischen Staatsbürgers“, „Stimmführer im Jugendblasorchester“, „leidenschaftlicher Wanderer“. Politisch stehe er links der Mitte innerhalb der AfD – konservativ, aber keinesfalls rechtsextrem.

Doch politisch ist dieses Bild irreführend. Hättasch unterschlägt in seinen Aussagen vor Gericht entscheidende Aspekte, vieles klingt nach Ausreden und Schutzbehauptungen. Neue Details weisen nach taz-Recherchen vielmehr auf ein politisches Leben hin, in dem die Übergänge von AfD zum Neonazismus fließend sind – insbesondere auch in Hättaschs Familie. Nach taz-Recherchen sind sein Schwiegervater und seine Ehefrau Miteigentümer*innen eines rechtsextremen Szenetreffs in Pirna.

Haufenweise NS-Literatur im Hause Hättasch

Und da ist etwa dieser Haufen an Büchern und Schriften, die bei der Durchsuchung auf dem Dachboden des Hauses der Hättaschs gefunden wurden: das antisemitische Verschwörungspamphlet „Protokolle der Weisen von Zion“, ebenso wie „SS-Rassenkunde und Richtlinien zur Gattenwahl“, ein Lehrbuch der Waffen-SS. Hättasch spricht vor Gericht von einem „Bücherschatz“, der seinem verstorbenen Großcousin gehört und seinem Vater vermacht worden sei. Er selbst habe nie hineingeschaut, behauptet er.

Und das Buch „Ewiges Deutschland“, das Hättasch selbst von dem wegen Rädelsführerschaft angeklagten Jörg S. erwarb? Es gehört zu einer Reihe, die während des Nationalsozialismus auf Weisung von Propagandaminister Joseph Goebbels herausgegeben wurde. „Das sind sehr spannende Werke, gerade für jemanden, der sich historisch interessiert“, erklärte Hättasch dazu auf Nachfrage der Bundesanwaltschaft im Prozess und beschreibt es als „eine Projektarbeit der 30er-Jahre“ mit gesammelten Liedern und Dichtwerken.

Das „Haus Montag“ in Pirna: Hella Hättasch ist seit Oktober 2023 Miteigentümerin des Szenetreffs der rechtsextremen Szene Foto: xcitePRESS

Noch heikler sind womöglich 13 kopierte Seiten aus der Broschüre „Der totale Widerstand“, die die Ermittler anscheinend in einem Ordner von Hättasch in einer Kommode fanden. Dieser Leitfaden für den terroristischen Guerillakrieg wurde 1957 in der Zeit des Kalten Krieges von einem Major der Schweizer Armee verfasst und enthält eigene Kapitel mit Anleitungen für „improvisierte Sprengladungen“, „Attentate“ und „Zellenbildung“. 1988 kam es in Deutschland auf den Index, kursierte aber insbesondere in den 1990er-Jahren in der Neonaziszene.

Sind die Kopien ein Hinweis darauf, worauf sich die „Sächsischen Separatisten“ bei ihren Treffen im Wald vorbereitet haben?

Alles angeblich nur „Indianerspiele“

Hättasch widerspricht. Die mutmaßlichen Wehrsportübungen, die der Gruppe vorgeworfen werden, nennt er „Räuber- und Gendarm-“ und „Indianerspiele“. Zu dem Fund der 13 Kopien äußerte er vor Gericht eine Vermutung: „Diese 13 Seiten wurden durch BKA-Beamte in die Kommode gelegt.“

Immer wieder kam Hättasch bei seiner Aussage auch auf seine Zeit als Soldat der Bundeswehr zu sprechen, wo er Wissen erworben hat, das er teils in der Gruppe der Angeklagten weitergab. Womit er erst auf Nachfrage der Richterin rausrückte: Im September 2020 ist ihm die Ausübung des Dienstes versagt worden, weil er unter anderem geäußert haben soll, dass die Bundesrepublik Deutschland kein souveräner Staat sei. Hättasch hatte gegen die Entlassung vor dem Verwaltungsgericht Hamburg geklagt, er warte noch auf eine Entscheidung, sagte er vor Gericht. Auf Anfrage erklärte ein Gerichtssprecher der taz inzwischen, dass Hättaschs Klage keinen Erfolg hatte.

Hättaschs Bild, das er von sich bemüht zu zeichnen, ist das eines AfD-Mandatsträgers, der Gewalt ablehnt, fremdenfeindlichen Äußerungen des Mitangeklagten Jörg S. entgegentritt, der in der Jungen Alternative auch Mitgliedern die Rechte entzog, weil sie sich extremistisch äußerten.

Gleichzeitig sagt er Sätze wie jenen, dass Migranten in die Heimat zurückgeführt werden sollten, und zwar „so schnell wie möglich, so viele wie möglich“. Es ist eine Welt, in der vom Junggesellenabschied von Kurt Hättasch später Fotos aufgetaucht sein sollen, auf denen ein Bild Adolf Hitlers zu sehen ist. Und in der die Angeklagten in Chats am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers, von einem „Ehrentag“ schreiben, samt Fotos von Anhängern mit Hakenkreuzen. Ein ganz anderer sei gemeint gewesen, sagte Kurt Hättasch dazu, spricht von Satire und Überzeichnung. Er habe jedenfalls keine nationalsozialistische Gesinnung.

Ehefrau und Schwiegervater mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene

Unterstützt wird Hättasch bei seiner offensiven Verteidigung von seiner Frau Hella. Sie übermittelte anscheinend die Tagebuchinhalte ihres Mannes aus dem Knast an einen rechten Blog, traf sich mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, der sodann von einer „anständigen Familie“ sprach, der „übel mitgespielt“ worden sei. Als betroffene Ehefrau und junge Mutter gab sie auch dem rechten Sender Auf1 ein Interview vor der Kulisse ihrer guten Stube, in dem sie sich verwundert zeigte, dass die Familie überhaupt bei irgendwem auf dem Schirm sei. Sie selbst sei eine „normale junge Frau mit Baby“.

Recherchen der taz zeigen nun: Auch Hella Hättasch weist engere Bezüge zu Akteuren der rechtsextremen Szene auf als bislang öffentlich bekannt. Auszüge aus dem Grundbuchamt, die der taz vorliegen, belegen: Ihr gehört ein Anteil an dem „Haus Montag“ in Pirna, das von Sicherheitsbehörden und Medien seit Jahren als Treffpunkt der neonazistischen Szene eingeordnet wird. Hella Hättasch ist im Grundbuch mit ihrem Geburtsnamen bereits seit Jahren als Miteigentümerin eingetragen, zusammen mit ihrem Vater Thomas Sattelberg sowie Max Schreiber, die beide für lange Karrieren in der extrem rechten Szene bekannt sind.

Das ‚Haus Montag‘ in Pirna ist ein fester und bekannter Anlaufpunkt für die rechtsextremistische Szene im Raum Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen

Das sogenannte „Haus Montag“ entstand als Szenetreffpunkt bereits im Jahr 2013, vor allem für die NPD, die heute „Die Heimat“ heißt. Der flache Bau, der an der Hauptstraße in Pirna liegt und markant in Rot gestrichen ist, gehörte in den Anfangsjahren einem norwegischen Neonazi. Schon damals mischte laut Medienberichten Hella Hättaschs Vater, Thomas Sattelberg, mit, der zu der Zeit dem NPD-Kreisverband vorsaß.

Treffpunkt der Neonaziszene in Pirna

Die Neonaziaktivitäten in dem Haus wurden seitdem nicht weniger. Allein im Verfassungsschutzbericht für Sachsen für das Jahr 2024 taucht der Szenetreff sieben Mal auf. Die Behörde schreibt darin: „Das ‚Haus Montag‘ in Pirna ist ein fester und bekannter Anlaufpunkt für die rechtsextremistische Szene im Raum Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.“

Schild von 2024 am „Haus Montag“: Geschäftstelle der NPD und Anlaufpunkt für die rechte Szene in der Region Foto: xcitePRESS

Miteigentümer Sattelberg war einst Teil der Wiking-Jugend, die 1994 verboten wurde, und wirkte später bei den „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS) mit, bis diese wiederum 2001 verboten wurden. 2003 wurde er als Rädelsführer auf Bewährung, 2006 dann wegen Fortführung der verbotenen Organisation zu acht Monaten Haft verurteilt.

Im Bericht für das Jahr 2024 schreibt der Verfassungsschutz, Thomas Sattelberg sei in der neonazistischen Partei Die Heimat Beisitzer im sächsischen Landesvorstand, während er gleichzeitig bei den Freien Sachsen im Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aktiv ist.

Der dritte Miteigentümer, Max Schreiber, sitzt wiederum seit Sommer 2024 für die rechtsextremen Freien Sachsen im Stadtrat von Heidenau sowie im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Schreiber ist mit seiner Undercut-Frisur samt langem geflochtenen Zopf und Bart in der Region als Gesicht der rechtsextremen Regionalpartei und Organisator zahlreicher rechter Demonstrationen bekannt. Er war ebenfalls mal NPD-Kreisvorsitzender. 2025 wurde Schreiber rechtskräftig wegen Körperverletzung, Nötigung und Volksverhetzung verurteilt. Er hatte laut Gericht auf den Kopf und Oberkörper eines Opfers eingeschlagen und weitergeprügelt, als der Mann bereits am Boden lag.

Hella Hättasch ist seit 2023 Miteigentümerin

Max Schreiber, Thomas Sattelberg und seine Tochter Hella sind seit dem 24. Oktober 2023 offiziell im Grundbuch als Eigentümer des „Haus Montag“ eingetragen, wie aus den Auszügen des Amts hervorgeht. Hella Hättasch gehört ein Fünftel des Hauses, Sattelberg und Schreiber jeweils zwei Fünftel.

Unter anderem gründete sich im Februar 2024 im „Haus Montag“ die Gruppe „Elblandrevolte“, der Dresdner Ableger der JN, der Jugendorganisation der neonazistischen Partei Die Heimat. Die Gruppe gilt als gewaltbereit, einer ihrer Anführer wurde im November 2025 wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Im Juli 2024 marschierte die Polizei in das „Haus Montag“ und durchsuchte das dort ansässige Büro von Thomas Thomsen, Chef vom Dienst beim rechtsextremen „Compact Magazin“. Thomsen war bis 2014 Pressesprecher der sächsischen NPD-Landtagsfraktion. Die Razzia im „Haus Montag“ fand im Rahmen des Vereinsverbots des „Compact Magazins“ statt, das knapp ein Jahr später, im Juni 2025, vom Bundesverwaltungsgericht wieder kassiert wurde.

Anlaufpunkt für den III. Weg, „Stützpunkt“ für die Freien Sachsen

Auch die Neonazi-Partei III. Weg nutzt nach Erkenntnissen des Antifaschistischen Recherche Teams Dresden das Haus in Pirna. So sollen Mitglieder der Partei im April 2025 eine Schulung in dem Haus organisiert haben. Fotos, die der taz vorliegen, zeigen junge Männer in grünen Partei-Sweatshirts bei einem Vortrag in den Räumen des Hauses.

Im Februar 2025 bezeichnete Max Schreiber das „Haus Montag“ offiziell als „Stützpunkt“ der Freien Sachsen in Pirna, die hier ein Bürgerbüro errichten wollten. In einem Video führt Schreiber nach Renovierungsarbeiten durch die Räume: Die Einrichtung ist rustikal in Braun gehalten, mit Bücherwänden, Fernseher und gerahmten Plakaten unter anderem von „Casa Pound“, einer neofaschistischen Bewegung aus Italien, die für das „Haus Montag“ ein Vorbild zu sein scheint.

Welche Rolle Hella Hättasch als Miteigentümerin der Immobilie in Pirna genau einnimmt, ist nicht klar. Über ihren Anwalt ließ sie mitteilen, dass sie sich auf eine Anfrage der taz nicht äußern werde. „Nur im Hinblick auf den Grundbucheintrag wird darauf hingewiesen, dass die Frau Hättasch einzig als potentielle Erbin eingetragen ist, was schlicht Folge der gesetzlichen Erbfolge ist“, schreibt ihr Anwalt.

Im Kreise von Rechtsextremisten

Kurt Hättasch, seine Frau und deren Vater sind auch zusammen unterwegs. Vor Gericht sprach Hättasch beispielsweise von zwei „privaten“ Reisen, die sie rund um das Jahr 2023 gemeinsam nach Norwegen unternommen hätten – und bei denen sie Politiker rechter Parteien getroffen hätten, denen Hättasch einen Vortrag über die politische Landschaft Deutschlands halten sollte. Nach taz-Informationen ist Hättaschs Schwiegervater Thomas Sattelberg in Norwegen mit Personen aus der subkulturell geprägten rechtsextremen Szene vernetzt.

Hättaschs Schwiegervater hat auch andernorts Kontakte. 2019 reiste er mit seiner Tochter in die Ukraine, wo sie sich mit Vertreter*innen der rechtsextremen Asow-Bewegung trafen, wie Fotos zeigen, die der taz vorliegen. Die Reise fand im Rahmen des Projektes „Kraftquell“ statt, das laut Bundesregierung „im Juli 2018 von Angehörigen der Asow-Bewegung und deutschen Rechtsextremisten“ im „Haus Montag“ gegründet wurde.

Im Frühjahr 2022 besuchten Kurt und Hella Hättasch gemeinsam ein Seminar des „Instituts für Staatspolitik“ des rechten Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda. Im Sommer 2024 fotografierte die taz das Ehepaar auf einer Sonnenwendfeier in Strahwalde im Landkreis Görlitz. Dort war auch Kevin R. zugegen, der wie Kurt Hättasch derzeit wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft bei den Sächsischen Separatisten vor Gericht steht. In Strahwalde feierten AfD-Politiker zusammen mit Neonazis, es wurden Lieder des Nationalsozialismus gesungen und ein SS-Standartenführer geehrt. Der sächsische Verfassungsschutz wertet die Feier als „rechtsextremistische Veranstaltung“.

Zweites Hausprojekt in der Familie

Bei seinen Einlassungen vor Gericht kam Kurt Hättasch auch auf ein zweites rechtes Immobilienprojekt zu sprechen – sein eigenes. Kurt Hättasch hatte mit dem Mitangeklagten Kevin R. und dem Leipziger Bekannten Nils Martin K. vor seiner Festnahme an einem Hausprojekt in Grimma gewerkelt, an einem Haus nahe des Bahnhofs – ebenfalls rot, aber diesmal dreistöckig.

Nach taz-Informationen hatten die drei das Grundstück bereits im Oktober 2023 erworben. Final übertragen wurde die Immobilie auf sie im Juni 2025 – ein gutes halbes Jahr nach den Festnahmen von Hättasch und Kevin R. Auch das geht aus Grundbucheinträgen hervor, die der taz vorliegen. Das Trio hatte 2024 auch gemeinsam einen „Verein für sächsische Kultur und Turnen“ gegründet.

Auch Nils Martin K., der nicht angeklagt ist, spielte bei den jüngsten Verhandlungstagen eine Rolle: Die Bundesanwaltschaft zählt den Besuch eines Schießstands im Rahmen eines Junggesellenabschieds von K. zu den Aktivitäten der Sächsischen Separatisten. K. selbst soll zum erweiterten Kreis der Beschuldigten gehören.

Für die Finanzierung des Hauses in Grimma hatte der frühere Berliner Finanzsenator Peter Kurth den jungen Rechtsextremen ein Darlehen von 100.000 Euro überlassen. Das hatte der CDU-Mann der taz bestätigt. Ihm sei gesagt worden, dass es bei dem Haus um die „Schaffung von Wohnraum“ gehe und um „kommunalpolitisches Engagement“, sagte Kurth bei Bekanntwerden der taz. Von den Sächsischen Separatisten habe er erst aus den Medien erfahren.

Zweigstelle der AfD in Grimma?

Bei einem Besuch der taz in Grimma nach den Festnahmen von Hättasch und Kevin R. waren vorherige Sanierungen in dem Gebäude zu sehen. Zuletzt soll es dort nur noch sporadisch Arbeiten gegeben haben.

Im Prozess in Dresden sagte Hättasch nun aus, dass er das Haus mit den anderen erworben habe, um dort perspektivisch politische Veranstaltungen durchzuführen und möglicherweise eine Zweigstelle seines AfD-Verbands einzurichten, für Sitzungen der Fraktion oder Kreisparteitage. Kevin R. und er selbst hätten einiges an Renovierungsarbeiten vorgenommen. Ein Veranstaltungsraum sollte für bis zu 100 Personen Platz bieten. Auch ein Name für das Haus sei schon erdacht worden: „Roter Baron“ – in Anlehnung an Freiherr von Richthofen, dem Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg.

Dass ein Szeneobjekt in Planung war, hatte auch der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek bestätigt. Er hatte nach den Festnahmen von Hättasch und Kevin R. bedauert, dass in Grimma nach seiner Darstellung „ein rechtes Hausprojekt beendet worden“ sei.

Ein Sprecher der Stadt Grimma sagte der taz, an dem Objekt seien derzeit „keine Auffälligkeiten“ festzustellen. Auf die Frage, wie dort ein rechtsextremer Treffort verhindert werden kann, sagte er nur allgemein, es gelte die Rechtslage.

Bei der Immobilie in Pirna wiederum, die anteilig Hättaschs Frau und seinem Schwiegervater gehört, scheint man da mit den Gegenmaßnahmen schon weiter zu sein. In einem „Lagebild“ zu rechtsextremistisch genutzten Immobilien, das die Innenministerien aller fünf ostdeutschen Bundesländer im Jahr 2024 gemeinsam herausgaben, heißt es zum „Haus Montag“: Dies sei ein Beispiel dafür, wie die Nutzbarkeit solcher Immobilien für rechtsextremistische Veranstaltungen mithilfe des Baurechts eingeschränkt werden könne. Bauauflagen und Nutzungsvereinbarungen verhinderten größere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen oder Konzerte.

Ein Szenetreffpunkt blieb die Immobilie trotzdem.

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