Prozess gegen sächsische Separatisten: Angeklagter AfD-Mann fühlt sich missverstanden
Im Terrorprozess gegen die „Sächsischen Separatisten“ beteuert ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Neonazimiliz seine Unschuld.
Der Mann, der einst einen Neonazischläger zu seinem Vorbild erklärte, der wohlwollend über SS-Führer Heinrich Himmler chattete und rechtsterroristische Manifeste auf seinem Computer gespeichert hatte, er sagt: Es ist alles nur ein Missverständnis. Als einer von acht jungen Männern, die sich als „Sächsische Separatisten“ auf einen neonazistischen Umsturz in Deutschland vorbereitet haben sollen, steht Hans-Georg P. seit Januar vor dem Staatsschutzsenat des Dresdner Oberlandesgerichts.
Es geht um Terrorismus und Hochverrat. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 26-Jährigen und seinen mutmaßlichen Mitstreitern vor, von der Errichtung eines „ethnisch gesäuberten“ NS-Staats in möglichst großen Teilen Ostdeutschlands geträumt und mit paramilitärischen Wehrsportübungen und dem Besuch von Schießständen dafür trainiert zu haben.
„Ich bin seit zehn Jahren in der politischen Rechten aktiv“, sagt der gelernte Straßenbauer, als er sich am Dienstag zur Anklage äußert. Anfangs „aktivistisch“, wie er seine Zeit in der militant-neonazistischen Szene umschreibt, heute als Mitglied der AfD. Und nein, gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung habe er nichts. Auch nicht gegen Juden.
„Terrorismus schadet der politischen Rechten, weil diese dann kriminalisiert wird“, erklärt Hans-Georg P. Separatismus halte er „nicht für zielführend“, von einer Gruppe namens „Sächsische Separatisten“ habe er nie etwas gehört, geschweige denn ihr angehört. An den „Outdoor-Veranstaltungen“, so nennt das der Dresdner, will er mal nur aus Langeweile, mal zur Vorbereitung auf eine angestrebte Ausbildung im Sicherheitsgewerbe teilgenommen haben. Es sei allerdings eher enttäuschend gewesen.
Anregende Gedanken von Heinrich Himmler
Doch je mehr ihn Gericht und Bundesanwaltschaft befragen, desto mehr gerät er ins Schlingern. Muss zugeben, dass er die Totenkopfsturmmaske, wie sie Anhänger*innen der rechtsterroristischen „Atomwaffendivision“ zu tragen pflegen, doch nicht bloß für „lustige Fotos vorm Spiegel“ benutzte, sondern auch beim Häuserkampftraining mit Airsoftwaffen auf einem ehemaligen Militärflugplatz.
Er windet sich, um zu erklären, warum er in Heinrich Himmlers berüchtigter Posener Rede über die „Endlösung der Judenfrage“ vom Oktober 1943 anregende Gedanken gefunden habe. Behauptet, das Manifest des rechtsterroristischen Massenmörders Anders Breivik nur aus „morbidem Interesse“ besessen zu haben. Und räumt ein, dass er Leon R., den unterdessen rechtskräftig verurteilten Anführer der neonazistischen Schlägertruppe Knockout 51, als „maskulines Rollenvorbild“ gesehen habe.
Hans-Georg P. ist der dritte Angeklagte, der sich zu den Vorwürfen einlässt. Vor ihm haben bereits Jörg S. (25), der aus einer österreichischen Dynastie von Rechtsextremen stammende mutmaßliche Rädelsführer, und die einstige AfD-Nachwuchshoffnung Kurt Hättasch (26) ihre Unschuld beteuert. Tagelang sprach Hättasch, bis zu seiner Festnahme im November 2024 als Kommunalpolitiker und Funktionär für die sächsische AfD aktiv, und inszenierte sich dabei mit beinahe komischem Eifer als konservativ-spießbürgerlicher Gutmensch, der musiziert und volkstanzt und dem jegliche Radikalität fremd sei.
Auch Kevin R., 27 Jahre alt und das dritte AfD-Mitglied auf der Anklagebank, hat eine Aussage angekündigt. Doch etwas überraschend erklärte sein Anwalt André Picker nun, dass man mit der Einlassung „aus verteidigungstaktischen Gründen“ bis irgendwann nach dem Beginn der Beweisaufnahme warten werde. Nur wenige Minuten zuvor hatte Co-Verteidiger Günther Herzogenrath-Amelung noch verkündet: „Wenn jemand Dreck am Stecken hat, hält er den Mund.“ Er meinte damit aber natürlich nicht seinen Mandanten.
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