Technologie im Fußball: Als der VAR noch in einer Glaskabine auf der Tribüne saß
Der umstrittene Videoassistent hatte einen Vorläufer im Jahr 1976. Wie zwei französische Ingenieure damals den Fußball revolutionieren wollten.
Foto: Imago/Team 2
Im Oktober ist ein Jubiläum zu feiern. 50 Jahre VAR. Genau genommen ist es nicht der Video Assistant Referee, der 1976 vorgestellt wurde, aber sein bahnbrechender Vorgänger. „Schiedsrichtermaschine“ wurde das Gerät genannt, mit dem Pierre Joly und René Moreau aus Frankreich den Fußball revolutionieren wollten. „Eine elektronische Schiedsrichtermaschine, die nur noch Mehrheitsbeschlüsse des Dreier-Gespanns Schiedsrichter/Linienrichter ausführt, ist jetzt von zwei Ingenieuren in Boulogne-sur-Mer entwickelt worden“, so stand es in einer Meldung der Nachrichtenagentur AP, die am 22. Oktober 1976 von etlichen Zeitungen veröffentlicht wurde.
So funktionierte das System: Das Schiedsrichtergespann sollte das Spiel aus einer verglasten Kabine verfolgen, jeder vor einem Schaltkopf platziert. „Wenn wenigstens zwei der drei Unparteiischen eine Regelwidrigkeit erkennen und im Abstand von nicht mehr als zwei Sekunden ihre Knöpfe drücken, wird das Spiel durch eine Glocke unterbrochen. Bestätigt nur einer wegen eines Regelverstoßes den Knopf, passiert nichts.“
Eine Kabine für die Schiedsrichter, die im Stadion platziert ist: so eine Art Kölner Keller, nur nicht im Keller, aber in Köln ist der andere ja auch nicht mehr. Eher schon so wie ein TV-Studio, das allerdings mit besonders gutem Blick aufs Spielfeld.
René Moreau, Erfinder
Einer der zwei Erfinder, René Moreau, erklärte damals: „Mit diesem Mehrheitssystem würde der allmächtige und unfehlbare Schiedsrichter abgeschafft.“ Zivilisierende Auswirkungen fürs soziale Umfeld prognostizierte er auch: „Und es würde kaum noch Zuschauerausschreitungen wegen fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen geben. Hinzu kommt noch, dass das in der Kabine sitzende Trio der Unparteiischen vor möglichem Volkszorn besser geschützt wäre.“
Durchgesetzt hat sich die „Schiedsrichtermaschine“ nicht. Noch nicht einmal ausprobiert wurde sie. Doch ist nicht der VAR ein würdiger Nachfolger?
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