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Taliban verbieten VerhütungsmittelFrauen und Kinder zuletzt

Lisa Schneider

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Lisa Schneider

In Teilen Afghanistans verbieten die Taliban Verhütungsmittel. Angesichts von Hunger, Armut und Entrechtung kann das für Frauen den Tod bedeuten.

D ie Taliban in Afghanistan gehen, zunächst (noch) im Lokalen, gegen Verhütungsmittel vor: Deren Anwendung sei „haram“ – nach den Regeln des Koran verboten. Das stimmt in dieser Einfachheit nicht und ist über Jahrhunderte immer wieder von muslimischen Gelehrten diskutiert worden. Der Konsens heute, knapp zusammengefasst: Verhütung ist gestattet, solange beide Partner zustimmen und die Methode reversibel ist, auch wenn es im Allgemeinen erwünscht ist, Kinder zu bekommen.

Die Auslegungsdebatte ist freilich zweitrangig, wenn man das aktuelle Verhütungsmittelverbot vor dem Hintergrund der Nachrichten betrachtet, die in den letzten Monaten aus Afghanistan kommen: In der Provinz Balkh wird es Frauen verboten, einen männlichen Arzt aufzusuchen, weitere könnten folgen. Frauen wird der Zugang zu höheren Schulen und Universitäten verboten, ob auch Medizinstudentinnen betroffen sind, ist noch nicht klar. Es gibt aber Berichte, dass ihnen – im Gegensatz zu den männlichen Kollegen – ihre Zeugnisse nicht mehr ausgestellt werden.

Von Arbeitsverboten für Frauen ausgenommen sind zwar die, die im Gesundheitssektor arbeiten, doch die nächste Einschränkung lässt nicht lange auf sich warten: In der Provinz Kandahar dürfen Frauen nur noch in Begleitung ihres männlichen Quasi-Vormundes, genannt Mahram, den Weg zur Arbeit antreten. In Kabul müssen in Krankenhäusern arbeitende Frauen sich das Gesicht verhüllen. In einem Artikel des afghanischen Medienportals Rukhshana fragt ein Mediziner: Wie soll eine Ärztin so operieren?

Als Frau medizinische Hilfe zu erhalten, gleicht immer mehr einem Spießrutenlauf. Seit der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 steigt die Mütter- und Kindersterblichkeit deutlich an, von 100.000 Müttern sterben nun über 600 bei der Geburt. Auch die Armut in Afghanistan nimmt zu, selbst wenn medizinische Versorgung verfügbar ist, muss sie bezahlt werden. Bei einer Umfrage von Ärzte ohne Grenzen geben 95 Prozent der Teilnehmenden an, sie hätten Schwierigkeiten, sich ausreichend Nahrungsmittel zu leisten. Manche Frauen seien so unterernährt, dass sie keine Muttermilch produzieren könnten, berichtet die Zivilorganisation.

Im Hinblick auf die sich immer weiter verschlechternde medizinische Versorgungslage, die Armut, den Hunger, steht fest: Keinen Zugang mehr zu Verhütung zu haben, wird für manche Frauen und ihre Kinder letztlich den Tod bedeuten. Auch den Taliban muss dieser Zusammenhang bewusst sein. Das Leben von Frauen ist für sie schlicht zweitrangig.

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Lisa Schneider

Lisa Schneider Redakteurin für Nahost

Redakteurin für Westasien & Nordafrika. Studium in Beirut, Mainz und Paris. Alumna des Ernst Cramer & Teddy Kollek Programms (IJP) bei Times of Israel.
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2 Kommentare

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  • Es werden keine Ärztinnen mehr ausgebildet, und zu einem männlichen Arzt zu gehen, wird den Frauen verboten --> Frauen und Mädchen sollen nicht mehr medizinisch versorgt werden, eher sollen sie sterben. -- Das wird mittelfristig zu einem Frauenmangel führen, aber ob das die Taliban irgendwas lehrt...? Wir sehen ja leider, dass die Gesetze des Marktes hier nicht greifen: Wenn eine Ware, die man unbedingt braucht, immer rarer wird, steigt normalerweise ihr Wert und ihre Wertschätzung; bei Frauen ist das nicht der Fall, siehe Indien, siehe China. Der Wahnsinn der Misogynie ist allemal stärker.

  • Das es soweit (wieder) kommen mußte war doch von vornherein klar. Die jetzigen Talibans unterscheiden sich nur in der Geschwindigkeit, mit der Einschränkungen und Unterdrückung voranschreiten,von ihren Vorgängern. An der rückwärtsgewandten Frauenverachtung und allgemeinen Freiheitsunterdrückung hat sich nichts geändert. Und ändern, das haben die letzten 20 Jahre gezeigt, können das die Afghanen wohl nur selbst.