Supermarktleiter über Klopapier-Hype: „Nicht mal für 99 Cent“

Dirk Bruns leitet einen Supermarkt bei Oldenburg. Im März bestellte er wegen Corona große Mengen Klopapier, das jetzt keiner mehr kaufen will.

Paletten mit verpacktem Klopapier gestapelt in einem Lkw

Klopapier ist in Deutschland normalerweise dreilagig – und nicht so hart wie in Portugal Foto: dpa

taz: Herr Bruns, Sie wollen 140.000 Rollen Klopapier loswerden. Wie machen Sie das?

Dirk Bruns: Erst haben wir überlegt, jedem Kunden an der Kasse ein Paket in die Hand zu drücken. Aber die Qualität des Klopapiers entspricht nicht unseren Standards. Wir sind hier im Speckgürtel von Oldenburg. Die Leute sagen: Wir nehmen das, was wir kennen und nicht das, was wir nicht kennen, selbst wenn wir es geschenkt kriegen. Deshalb haben wir das schnell verworfen und entschieden: Wir wollen das Klopapier da hingeben, wo Hilfe benötigt wird. Inzwischen haben Mitglieder von Tafeln, die Johanniter, ein Tierheimhospiz und andere Vereine das meiste abgeholt.

Wieso haben Sie so viel Klopapier überhaupt bestellt?

In der zweiten Märzhälfte wurden wir von den Kunden angefeindet, dass wir nicht in der Lage seien, genug Toilettenpapier zu organisieren. Wenn wir mal was aus der Zentrale bekommen haben, war es in Windeseile weg. Wir wollten uns das Gequake nicht mehr anhören, da wird man erfinderisch. Wir haben dreilagiges Papier in Portugal bestellt, per Zuruf, die Probe war auch in Ordnung. Eigentlich hätte die Ware eine Woche vor Ostern bei uns sein sollen. Aber sie kam nicht. Erst zehn Tage nach Ostern wurde sie geliefert, da war der Klopapier-Hype schon vorbei. Und die Qualität war gelinde gesagt... fürn Arsch.

Was war das Problem mit dem Klopapier?

Es ist nur zweilagig und recht fest. Der deutsche Hintern mag es aber lieber dreilagig, das Papier hat dann einen anderen Griff. Teilweise wird in Klopapier sogar Baumwolle eingearbeitet, damit es weicher ist. Keiner wollte unsere Pakete für 2,22 Euro. Wir haben das Toilettenpapier im Markt an vier Stellen platziert, damit wir die Kunden vielleicht doch davon überzeugen. Aber nicht mal für 99 Cent wurde es gekauft.

53, leitet seit 30 Jahren einen Supermarkt in Friedrichsfehn bei Oldenburg.

Haben Sie das Klopapier selbst getestet?

Ja natürlich. Für mich war das in Ordnung. Ich habe zu meiner Familie gesagt: Wir sind vier Leute, wir brauchen in den nächsten 90 Jahren kein Toilettenpapier mehr kaufen. Wir haben Zuhause vier Toiletten, die habe ich mit dem portugiesischen Papier bestückt. Nach einer Woche hat meine Frau gesagt: Du kannst das benutzen, aber unser Papier suchen wir schon selber aus. Damit hatte ich dann für 400 Jahre Klopapier. Jetzt ist es ja zum Glück weitgehend weg.

Wie viel hat Sie das Ganze gekostet?

20.000 Euro sind im Eimer. Aber eine Lagerfläche anmieten, das hätte auch keinen Sinn gemacht. Seit den Medienberichten über uns höre ich auch von anderen, die auf dem Zeug sitzen bleiben. Wir hatten 20 Paletten, in einem anderen Markt sollen sie 120 Paletten rumstehen haben.

Immerhin sind Sie ein bisschen berühmt geworden mit Ihrem Klopapier.

Das kann man nicht anders sagen. Ich wurde auch als „Klopapierkönig vom Ammerland“ bezeichnet. Aber alles gut. Ich bin jetzt auch nicht grämig, da hat man mal was vergeigt, das passiert. Ist doch am Ende ganz witzig.

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