Studie zur Fahrradwirtschaft: Aufwärts geht's nur bei Gebrauchträdern
Die Umsätze und Beschäftigungszahlen in der Fahrradbranche sind 2025 erneut gesunken. Expertinnen fordern mehr Zölle für China und mehr Verkehrssicherheit.
Foto: Sylvio Dittrich/imago
Die deutsche Fahrradbranche hat im Jahr 2025 weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr – und auch die Beschäftigungszahlen sind gesunken. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie zur Fahrradwirtschaft in Deutschland der Denkfabrik T3 Transportation. Der Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad, der unter anderem Hersteller, Händler und Radserviceanbieter vertritt, hatte die Studie in Auftrag gegeben.
Der Gesamtumsatz in der Fahrradbranche belief sich demnach 2025 auf 25 Milliarden Euro. Das sind 2 Milliarden weniger als noch 2024. Die größten Einbußen verzeichnete dabei der Handelssektor: Hier sanken die Umsätze um 10 Prozent. 6 Prozent musste der Dienstleistungssektor einbüßen, unter anderem beim eigentlichen Hoffnungsträger, dem Dienstradleasing, ging der Umsatz zurück. Einen Zuwachs gab es hingegen bei gebrauchten Fahrrädern. Der Herstellungssektor verzeichnete einen Rückgang von 2 Prozent.
74.300 Menschen waren 2025 in den Bereichen Herstellung, Handel und Dienstleistung angestellt. Im Vorjahr waren es noch 76.700 Beschäftigte. Dabei macht der Handel mit 55.600 Beschäftigten den größten Anteil aus. 12.700 Menschen sind in der Herstellung beschäftigt – 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahlen im Dienstleistungssektor sind im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben: 6.000 Menschen arbeiteten hier.
Zwar haben die Kund*innen 2025 in etwa so viele Fahrräder nachgefragt wie noch 2024, aber Unternehmen litten an den gestiegenen Kosten. „Die durch den Russland-Ukraine-Krieg gestiegenen Energiekosten und Probleme in den Lieferketten haben auch bei den Herstellern zu gestiegenen Kosten geführt“, sagte Mareike Schodder, Sprecherin von Zukunft Fahrrad, der taz.
Konkurrenz aus China
Auch die überfüllten Lager als Nachwirkung des Fahrradbooms während der Coronapandemie drückten noch lange auf die Preise. Dieses Jahr sei aber erstmalig wieder eine Erholung in den Lagern spürbar, so Schodder. „Für Verbraucher*innen sind kurzfristig die niedrigen Preise attraktiv. Langfristig brauchen wir aber eine stabile Fachhandels- und Werkstattstruktur, damit Beratung, Reparatur und Ersatzteilversorgung erhalten bleiben“, sagte Anika Meenken, Radverkehrsexpertin beim Ökologischen Verkehrsclub VCD, der taz.
Anika Meenken, VCD
Dabei ist der deutsche und europäische Fahrradmarkt weiterhin durch die Konkurrenz aus China gefährdet. „Wenn wir die heimische Industrie schützen wollen, muss man das über eine Zollpolitik machen“, meint Victoria Broßart, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. „Das alleine reicht aber nicht, wir müssten auch die Kontrollen und die Marktüberwachung verbessern.“ Nur so könne Deutschland als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben.
Bereits seit 2022 fordern Verbände und Landesverkehrsministerien die sogenannte Fahrradmilliarde – also 1 Milliarde Euro Förderung für den Radverkehr im Bundeshaushalt. Das wurde bisher noch nicht erreicht, für das Jahr 2026 veranschlagte die Bundesregierung knapp 600 Millionen Euro Förderung.
Seit 2024 werde die Förderung zudem nicht mehr aus dem Bundeshaushalt, sondern aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) gestemmt, kritisiert Victoria Broßart. Für 2027 sei geplant, die Förderung für den Radverkehr mit der Förderung für Fußwege zusammenzulegen.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Sicherheit auf den Straßen. Die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie „Mobilität in Deutschland“ hat zum Beispiel ergeben, dass Frauen, Kinder, ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen weniger Fahrrad fahren als noch vor wenigen Jahren. VCD-Expertin Meenken fordert deshalb: „Wer alle Menschen aufs Rad bringen will, muss die vulnerabelsten Verkehrsteilnehmenden zum Maßstab der Planung machen – mit sicheren Schulwegen, barrierearmen Verbindungen und einer Verkehrsumgebung, in der Fehler nicht sofort lebensgefährlich werden.“
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