Zahlen der Fahrradwirtschaft: Stabile Strampelbranche
Corona brachte den Boom, die Folgejahre machten Schwierigkeiten. Jetzt versucht sich die Fahrradindustrie auf gutem Niveau einzupendeln.
Burkhard Stork konnte sich ein paar Seitenhiebe in Richtung der deutschen Autoindustrie nicht verkneifen. Der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) hat am Mittwoch mit dem Verein Zukunft Fahrrad und dem Verbund Service und Fahrrad die Marktzahlen der Branche für das Jahr 2025 vorgestellt.
„Die führende Elektromobilität in Deutschland ist das E-Bike“, sagte Stork. Auf deutschen Straßen seien mehr als 17 Millionen E-Bikes unterwegs, und erst rund 2 Millionen E-Autos. „Wir sind sehr viel resilienter als die Industrie, die heute die Nachrichten bestimmt“, meint Stork – eine Anspielung auf den kriselnden Autobauer Volkswagen, der am Dienstag Gewinneinbrüche verkündet hatte.
Zu Beginn der Coronapandemie schnellte die Nachfrage nach Fahrrädern in Deutschland in die Höhe. Händler stockten Lager auf. Später flaute die Nachfrage ab, die Händler wurden ihre Räder nicht los. Rabatte sollten die Lager leeren, dämpften aber die Umsätze. Daran hatte die Fahrradwirtschaft in den letzten zwei Jahren ordentlich zu knabbern.
Nun zeigten sich die Verbände optimistisch. „Die Fahrradbranche pendelt sich auf einem stabilen Niveau ein“, sagte Stork. So wurden 2025 in Deutschland etwa 685.000 Fahrräder produziert, 3 Prozent mehr als 2024. Verkauft wurden mit 3,8 Millionen Rädern 4 Prozent weniger als 2024. Und auch der Umsatz aus dem Verkauf von Fahrrädern und E-Bikes sank um 7,7 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro – dennoch war der Umsatz höher als vor der Pandemie, betonten die Verbände.
Mehr Geld für Radinfrastruktur
Der Gesamtumsatz im Fachhandel sank um 6,8 Prozent im Vergleich zu 2024. „Das tut schon weh“, vor allem für kleine Läden, sagte Uwe Wöll, Geschäftsführer beim Verbund Service und Fahrrad. Aber: Im Werkstattgeschäft machten Händler 13,5 Prozent mehr Umsatz; so bemühte sich auch Wöll, die „positive Entwicklung des gesamten Fahrradmarktes“ hervorzuheben.
Burkhard Stork, Zweirad-Industrie-Verband
Und die politischen Bedingungen? Da gebe es noch einiges zu tun, sagte Wasilis von Rauch vom Verband Zukunft Fahrrad, milde lächelnd. Vor allem bei der langfristigen Finanzierung der Radinfrastruktur. Viele Menschen fühlten sich beim Radfahren noch immer nicht sicher – ein „Hemmschuh“ für die gesamte Branche, sagte von Rauch.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert