Streik der Flugbegleiter:innen: Klimaschutz-Aktionstag bei der Lufthansa
In ihrem Tarifkonflikt mit der Lufthansa legen die Flugbegleiter:innen den Betrieb lahm. Zehntausende Reisende sind betroffen.
dpa/taz | Zum Ende der Osterreisewelle ist das Kabinenpersonal der Lufthansa in einen Streik getreten, der zu hunderten Flugausfällen führt. Seit Mitternacht lassen die rund 20.000 Flugbegleiter:innen die Arbeit ruhen. Dazu hat die Kabinengewerkschaft Ufo aufgerufen, um in mehrere festgefahrene Tarifkonflikte bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der Regionaltochter Lufthansa Cityline Bewegung zu bringen.
Es ist nach zwei Runden mit Pilot:innenstreiks bereits der dritte große Streik in diesem Jahr bei Deutschlands größter Fluggesellschaft. Lufthansa hat zwar Gegenmaßnahmen angekündigt. So hat sie zusätzliche Flüge von Tochtergesellschaften angekündigt und will größere Flugzeuge einsetzen, um die Folgen des Streiks zu begrenzen. Gleichzeitig hat die Fluglinie aber bereits im Vorfeld hunderte Flüge gestrichen. Der Ausstand geht noch bis Freitagabend, 22 Uhr.
Bestreikt werden offiziell nur die Starts in Deutschland an den Drehkreuzen München und Frankfurt sowie alle Abflüge der Cityline von Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover. Weil in der Folge die Maschinen an ausländischen Zielen fehlen, dürften aber auch zahlreiche Rückflüge von Osterurlauber:innen zunächst ausfallen.
In einer Urabstimmung hatten die Kabinenbeschäftigten der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline Ende März mit großer Mehrheit für einen Arbeitskampf gestimmt. Bei der Kerngesellschaft stimmten rund 94 Prozent für Streiks, bei der Cityline knapp 99 Prozent.
Ufo beklagt fehlende Bewegung der Arbeitgeberseite
„Die Verantwortung liegt bei der Lufthansa, die es bislang nicht einmal geschafft hat, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“, heißt es in einer Stellungnahme des Ufo-Vorsitzenden Joachim Vázquez Bürger. „Wenn sich die Arbeitgeberseite nicht bewegt, müssen wir sie dazu bewegen.“
Ufo habe die Osterfeiertage bewusst von Arbeitskampfmaßnahmen ausgenommen, um die Auswirkungen auf Reisende so gering wie möglich zu halten. „Dass es nun dennoch zu Beeinträchtigungen bei der Rückkehr aus den Ferien kommen kann, ist uns sehr bewusst und wir bedauern das ausdrücklich“, erklärte Vázquez Bürger.
Allein am Flughafen in Frankfurt wurden für Freitag etwa 580 Flüge von ursprünglich geplanten rund 1.350 Starts und Landungen gestrichen, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Darin sind Annullierungen vor allem von der Lufthansa enthalten, aber auch vereinzelt von anderen Airlines. Betroffen sind demnach etwa 72.000 Passagiere.
Zahlreiche Flughäfen betroffen
Am Düsseldorfer Flughafen wurden laut der Webseite des Airports jeweils 13 Abflüge und Ankünfte annulliert – acht Flüge nach beziehungsweise aus München und fünf Flüge nach beziehungsweise aus Frankfurt. Derweil fallen in Köln/Bonn nach Angaben auf der Flughafen-Webseite jeweils drei Verbindungen von und nach München aus.
In Hamburg werden im Laufe des Tages insgesamt 13 Starts und Landungen von und nach Frankfurt sowie 10 Starts und Landungen von und nach München gestrichen, wie aus der Onlineauskunft des Hamburger Flughafens zu den Ankünften und Abflügen hervorgeht.
In Hannover fallen jeweils 9 Starts und Landungen von und nach Frankfurt und München aus, außerdem sind ein Start und eine Landung von Eurowings-Maschinen von und nach Rom gestrichen, wie der Flughafen auf seiner Website bekanntgab. In Bremen fallen jeweils 10 Starts und Landungen aus.
Umbuchungen und Entschädigungen
Den Passagieren rät Lufthansa, sich umfassend über ihren Flug zu informieren. Die Tickets können umgebucht oder erstattet werden. Weiterhin stehen den Fluggästen bei Verspätungen von über drei Stunden Entschädigungen zu. Auch muss die Airline für alternativen Transport, Verpflegung und Unterkunft sorgen. „Wir bitten unsere Gäste um Entschuldigung für die durch den Streik notwendigen Flugplanveränderungen“, erklärte Lufthansa-Vorstandsmitglied Michael Niggemann.
Der Gewerkschaft warf Niggemann eine verantwortungslose Eskalation vor. „Die Verhandlungen der komplexen Einsatzbedingungen unserer Kabinenbeschäftigten benötigen Zeit und einen ernsthaften Gestaltungswillen“, so Niggemann. Stattdessen habe UFO „nun schnell eskaliert“.
In dem Konflikt geht es zum einen um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif für die rund 19.000 Flugbegleiter:innen bei der Kernmarke Lufthansa. Zum anderen beklagt Ufo die fehlende Bereitschaft des Unternehmens, über einen Sozialtarifvertrag für die rund 800 Beschäftigten der vor der Schließung stehenden Cityline zu verhandeln. Der Flugbetrieb der Regionaltochter soll nach Aussagen des Managements im kommenden Jahr enden. An ihre Stelle tritt eine neue Gesellschaft mit dem ähnlichen Namen Lufthansa City Airlines.
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