Spitzenkandidatenrunde zur Wahl: Doch nicht auf dem Tennisplatz
SPD-Spitzenmann Krach wollte CDU-Regierungschef Wegner schon beim Sport suchen. Nun trafen sie sich doch auf einem Podium mit anderen Spitzenleuten.
Er müsse wohl auf einen Tennisplatz, um Kai Wegner zu treffen, hatte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach beim Landesparteitag vor zehn Tagen noch gelästert, in Anspielung auf das Tennisspiel des CDU-Regierungschefs zu Beginn des Blackouts im Januar. Denn bisher habe er Wegner bei keiner Diskussionsrunde angetroffen, der habe sich stets vertreten lassen.
Nun also die Premiere: eine Spitzenkandidatenrunde mit Wegner, ausgerichtet vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Der hat sich dafür zwar keinen Tennisplatz ausgesucht, aber einen anderen Ort, der stark mit Wegner verbunden ist: die Räume unter dem Wasserturm auf dem Euref-Campus in Schöneberg. Dort verhandelte der nicht nur 2023 mit den Grünen fast eine Koalition herbei – dort begann 2019 das, was ihn später ins Rote Rathaus führte, mit einer Pressekonferenz zu seinen Ambitionen auf den CDU-Landesvorsitz.
Dass hier so viel Platz und Muße für Vorrede zum eigentlichen Geschehen bei der Dehoga-Diskussionsrunde ab dem späten Montagnachmittag ist, soll schon zeigen: Viel Neues gab es dort nicht – außer den sich verfestigenden Eindruck, dass im Zentrum dieses begonnenen Wahlkampfes Kai Wegner und Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linkspartei, stehen könnten.
Das liegt nicht bloß daran, dass die beiden nebeneinander mittig unter den fünf Politikgästen auf der Bühne stehen. Es wirkt gelegentlich auch so, als würden die Antworten der beiden mehr Eindruck hinterlassen als das, was von den Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Steffen Krach und Bettina Jarasch, zu hören ist. Nummer fünf ist jemand, der absehbar künftig selten auf einem solchen Podium zu finden sein wird: Christoph Meyer, der Spitzenkandidat der FDP.
SPD-Krach legt sich nicht auf Lieblingskoalition fest
Meyers Partei hat sich in den vergangenen Monaten freuen können, wenn sie in Wahlumfragen überhaupt noch separat ausgewiesen wurde und nicht unter „Sonstige“ lief – aktuell ist sie wieder auf 4 Prozent gestiegen. Meyer war bis 2011 zwei Jahre Fraktionschef im Abgeordnetenhaus und ist mutmaßlich nur deshalb in dieser Runde, weil die FDP traditionell mehr als andere Parteien Dehoga-Interessen vertritt.
Die Fragen und Themen an diesem Abend orientieren sich zwar an den Interessen von Wirten und Hoteliers, berühren aber dennoch die zentralen Fragen des Landes: fehlende und zu teure Wohnungen und der Ruf nach Bürokratieabbau. Zum Auflockern gibt es für jeden und jede auf dem Podium eine Entweder-oder-Frage. Die kann mal durchaus trivial ausfallen und sich nach Späti-Bier oder erlesenerem Getränk erkundigen. Bei SPD-Mann Krach aber wird es grundsätzlich: „CDU oder Linke?“, lautet die Frage, die ihm eine Koalitionspräferenz entlocken soll. „SPD“, antwortet Krach und muss sich anhören, den Sinn der Frage nicht so richtig verstanden zu haben.
Von Elif Eralp ist zu hören, dass sie die von der Dehoga, aber auch den anderen in der Runde gescholtene internationale Anbindung des Flughafens BER „gar nicht so schlecht findet“ und sie diese auch manchmal nutze. Weil Krach wie Wegner mehr internationale Verbindungen wollen, schlägt der CDUler ihm gleich vor, gemeinsam auf die Brandenburger Landesregierung zuzugehen und zusammen etwas anzuschieben.
Krach geht darauf nicht ein und kontert: „Wir können auch gern die Expo zusammen auf den Weg bringen“ – von Wegner zu sagen, er brenne nicht gerade für eine Bewerbung für die Weltausstellung, wäre noch eine Beschönigung. Wie die SPD fände auch Jarasch eine Expo in Berlin sinnig. Eralp hingegen will ein schlüssiges Finanzierungskonzept abwarten.
„Jede Regierung wird es sehr schwer haben“
Solches Nicht-aufeinander-Bezugnehmen ist eher die Ausnahme, es bleibt zumeist beim Abfragen schon gehörter Positionen. Von Jarasch gibt es noch eine Festlegung, die in ihrer Partei nicht alle teilen dürften: „Man muss mit Vermieten auch Geld verdienen können.“ Richtung „Elif“, der Linken-Spitzenkandidatin, sagt Jarasch, dass sie nicht glaube, dass sich die nötigen neuen Wohnungen vor allem mit den landeseigenen Unternehmen schaffen lassen.
Jarasch bleibt es auch überlassen, auf das große Problem des sonst nur am Rande gestreiften Themas des Landeshaushalts einzugehen: 2027 würden 5 bis 6 Milliarden Euro fehlen. „Jede nächste Regierung wird es sehr schwer haben“, sagt die Grünen-Spitzenkandidatin. Widersprechen mag da niemand. Nicht an diesem Abend bei der Dehoga – und mutmaßlich auch nicht bei einem der vielen künftigen Podien der Spitzenkandidaten.
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