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Spanien und der US-PräsidentSánchez lässt Trump auflaufen

Nach massiver Kritik an Spanien äußert sich der US-Präsident gegenüber Madrid plötzlich handzahm. Der linke Ministerpräsident Sánchez bleibt unbeirrt.

Reiner Wandler

Aus Madrid

Reiner Wandler

Die spanische Tageszeitung El País kommt aus dem Staunen nicht heraus: „Der Weg von Liebe zu Hass und umgekehrt dauert in Donald Trumps Leben kaum ein paar Stunden“, fasst das wichtigste spanische Blatt das Schauspiel zusammen, das der US-Präsident in Sachen Spanien auf dem Nato-Gipfel in Ankara bot. Zuerst schimpfte und beleidigte er, so gut er konnte, um dann auf dem Rückflug gar die Regierung von Spaniens sozialistischem Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zu loben.

Noch am Morgen beschimpfte der US-Präsident die Spanier, als „schlechte Leute“ und als aussichtslosen Fall. „Wir wollen keine Geschäfte mehr mit Spanien machen. Ich möchte, dass das ein Ende hat. Spanien ist ein schrecklicher Nato-Partner. Sie beteiligen sich nicht, sie zahlen nicht. Ich will nichts mehr mit Spanien zu tun haben. Bitte brechen Sie jeglichen Handel mit Spanien ab, auch Besuche“, wütete Trump im Beisein von Nato-Generalsekretär Mark Rutte.

Trump ordnete gar seiner Regierung an, eine Liste mit Produkten zu erstellen, um gegen das Land auf der Iberischen Halbinsel einen Wirtschaftskrieg vom Zaun zu brechen. Es war der x-te Wutanfall des Republikaners angesichts der erneuten Weigerung Madrids, den Rüstungshaushalt auf die von Trump geforderten und von den anderen Nato-Partnern akzeptierten 5 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes zu erhöhen. Es bleibe bei 2,1 Prozent, erklärte Sánchez auf einer Pressekonferenz, und dennoch käme Spanien seinen Verpflichtungen nach.

Das Land ist tatsächlich an 17 Auslandsmissionen mit 3.000 Soldaten und Soldatinnen, Flugzeugen, Panzern und Kriegsschiffen beteiligt. Ob baltische Staaten, Mittelmeer, Rumänien und bald schon Finnland – überall weht die rot-gelbe Fahne vor Kasernen.

Ministerpräsident Sánchez reagiert selbstbewusst

„Anfang Juni war Spanien der Nato-Verbündete mit den drittmeisten im Rahmen von Nato-Missionen und -Operationen eingesetzten Soldaten“, rechnete Sánchez auf seiner Pressekonferenz vor. „Wir haben unseren Teil erfüllt; wir haben die für 2026 gesteckten Fähigkeitsziele erreicht“, beendete er das Thema, um dann ganz direkt auf Trump zu sprechen zu kommen.

Er habe sich mit dem US-Präsidenten unter vier Augen getroffen. „Es ging um Fußball und die Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten. Ein informelles, lockeres Gespräch, in dem es absolut keine Spannungen gab, ganz im Gegenteil. Es wurden nur freundliche Worte gewechselt“, berichtet Sánchez. Er nennt Trump damit indirekt einen Maulhelden, der sich im direkten Kontakt nicht traut, zu den nur wenig zuvor gemachten massiven Vorwürfen und Beleidigungen zu stehen.

Noch ein paar Stunden später, auf dem Rückflug von der Türkei nach Washington, kam dann der totale Schwenk. „Ich muss zugeben, dass ich Probleme mit Spanien hatte und immer noch habe, aber heute hat Spanien sich vollkommen rehabilitiert“, erklärte Trump vor überraschten Journalisten. „Spanien war heute sehr großzügig. Sie haben einer erheblichen Zahlungsforderung zugestimmt, und hätten sie das nicht getan, hätten wir gar nicht mit ihnen gesprochen“, fügte er hinzu.

Auf was sich Trump – für den Beziehungen vor allem Geschäfte sind – damit bezieht, weiß keiner. Und Madrid schweigt sich bisher aus. Ist es einer der vielen plötzlichen präsidentiellen Stimmungswechsel oder der verzweifelte Versuch, seinen Wutausbruch in einen Erfolg umzumünzen, nachdem ihn Sánchez auf einer Pressekonferenz hatte auflaufen lassen? Bei Trump ist alles möglich.

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