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Feier der Fußball-Weltmeister in SpanienFreude über den vereitelten „Raub“

Zum Empfang des spanischen Fußballteams werden am Montag im Zentrum von Madrid bis zu eine Million Menschen erwartet. Vorher geht es zum König.

„Wir haben gewonnen und ich bin trotzdem total verärgert“, sagt der Wirt in einer der Dorfkneipen in einem kleinen Ort in den Bergen bei Madrid. Draußen geht ein spontanes Feuerwerk los, aber er kann einfach nicht vergessen, was er „versuchten Raub“ nennt. Dreimal stand die Terrasse seiner Kneipe – und die der anderen am Platz – Kopf. Zweimal wurde das Tor annulliert. Heftige Fouls der Argentinier wurden nicht geahndet. So mancher befürchtete 120 Minuten lang, es könnte ausgehen wie beim Viertelfinale Argentinien gegen Ägypten, wo ebenfalls Fouls nicht geahndet und ein Tor annulliert wurde, was der Elf um Leo Messi schließlich den Weg zu einer Aufholjagd ebnete.

Dann endlich der Schlusspfiff, die Erlösung. 1:0. Spanien ist – nach dem Sieg der Frauen vor zwei Jahren – jetzt auch Weltmeister bei den Männern. Zum zweiten Mal nach 2010. Ein Freudenschrei wie aus einer Brust. Die Menschen strömen auf die Straße und tanzen vor Freude. Eine Stimmung, wie sie nicht einmal beim Dorffest im September herrscht. Feuerwerk – trotz Waldbrandgefahr –, Fahnen, plötzlich laute Musik aus riesigen Lautsprecher, die irgendwer gegenüber aufgestellt hat. „Campeones“ und „Wir sind Spanier“ rufen die meist jungen Leute und tanzen zu sommerlicher Popmusik.

Dort, wo noch welche vor den Bildschirmen sitzen geblieben sind, buhen sie den US-Präsidenten Donald Trump aus, als er zusammen mit dem ebenfalls unbeliebten FIFA-Chef Infantino auftaucht. Trump hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder mit Spanien angelegt, seine Einwohner als „unzuverlässige Leute“ beschimpft. Selbst wer nicht die Linkskoalition gewählt hat, mag ihn nicht. Die Körpersprache so manchen Spielers beim defilieren vor den Autoritäten und dem Empfang der Medaille aus den Händen Trumps zeugt auch davon.

Eine lange, verrückte Nacht

Es sind Szenen, die sich im Kleinen oder im Großen überall im Land wiederholen. In Madrid hatte sich Zehntausende beim Public Viewing eingefunden. Selbst dort, wo sie eher von der Unabhängigkeit von Spanien träumen, wie etwa in Katalonien, ist La Roja – die Rote – wie die Nationalmannschaft hier heißt, beliebt und füllt während und vor allem nach dem Spiel die Plätze. Schließlich ist so mancher der jungen Stars Katalane, wie etwa Lamine Yamal oder Pau Cubarsi. Und die Basken haben ihre Nico Williams, Mikel Oyarzabal, Unai Simón oder Mikel Merino, der sich im Laufe des Turniers mehrmals als Joker erwiesen hat.

Es ist eine lange, verrückte Nacht. Autokorsos und Freudenzüge durch die Straßen bestimmen das Bild überall im Land. Leider nicht immer ohne Folgen. So kam in Ciudad Rodrigo, in der Nähe von Salamanca, in den frühen Morgenstunden ein 13-Jähriger ums Leben, als ein Brunnen einstürzte. Ein Pfeiler des Brunnens hatte dem Gewicht der unzähligen Fans nicht standgehalten. In Alcorcón – einem Vorort von Madrid – brannte das Dach des örtlichen Kulturzentrums, vermutlich ausgelöst durch einen Feuerwerkskörper.

In einigen Städten kam es zu Konflikten mit der Polizei. In Madrid wurden sieben Fans verhaftet. In Barcelona waren es drei. Und in mehreren Orten im Baskenland musste die Polizei einschreiten, um Spanienfans vor denen zu schützen, die von Public Viewing und Feiern der ihnen als „ausländisch“ geltenden Nationalelf nichts wissen wollten und zum aktiven Boykott gerufen hatten.

Am Brunnen der Göttin Cibeles

Viele derer, die in den Dörfern und Vororten rund um Madrid die halbe Nacht getanzt und gefeiert hatten, fanden sich am Montagnachmittag dann in der Hauptstadt ein, als die „Helden von New Jersey“ auf dem Flughafen eintrafen. Am Nachmittag war dann ein Empfang der Roten beim König angesetzt. Felipe VI. war, wie Regierungschef Pedro Sánchez, in aller Eile aus den USA zurückgereist, um im Regierungspalast Moncloa die spanische Mannschaft zu empfangen.

Danach erwartet die Hauptstädter erneut eine lange Nacht. Die Weltmeister werden mit einem offenen Bus durch die Stadt fahren, um anschließend mit den Fans dort zu feiern, wo sonst Real Madrid seine Siege zelebriert – am Brunnen der Göttin Cibeles vor dem Madrider Rathaus. Es wird erwartet, dass sich rund eine Million Menschen den Feierlichkeiten anschließen. Nach Behördenangaben werden mehr als 2.000 Polizisten sowie 400 Einsatzkräfte der Guardia Civil vor Ort sein.

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