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Soziale MedienIhre Regeln, ihr Spiel

Die Debatte um das Voksbühnen-Schwimmbad hat es wieder mal gezeigt: Social Media hat seine aufklärerische Energie verloren. Und was machen wir jetzt?

D er rechte Shitstorm gegen die EOTO-Veranstaltung im Volksbad, bei der Schwarze Kinder für einen Nachmittag das Schwimmbad des Theaters für ein paar Stunden für sich haben sollten, war ein niederschmetternder Reminder: Vielleicht hat Social Media als Korrektiv ausgedient.

Die digitalen Räume, in denen wir uns gern aufhalten, gehören nicht denen, die unser progressives Denken teilen. Meta-Chef Mark Zuckerberg (unter anderem Instagram, Facebook, Whatsapp) ersetzte 2023 ganze 21.000 Stellen durch AI, und Elon Musk (X) war 2024 der größte Geldgeber für Trumps Wahlkampagne.

Beide verfolgen autoritäre und antidemokratische Absichten, denn der Unterbau ihrer Firmen basiert nicht auf freier Meinungsäußerung, sondern auf Massenüberwachung. Wie man gewaltige Mengen an Daten aus den Plattformen extrahiert, zeigte Zuckerberg das erste Mal mit Facebook. Die verdeckten Systeme, die jegliche Informationen von Nut­ze­r*in­nen für KI verfügbar machten, fanden Einzug in alle darauf folgenden Netzwerke.

Viel elementarer für die Einschätzung, ob diese Plattformen als Austragungsort für politische Diskussionen dienen, ist jedoch, welche Regeln es für den Austausch gibt. Und vor allem, welcher Content bevorzugt wird.

Trust-and-Safety-Teams

Meta schneidet dabei schlecht ab. Selbst die erneuerten Richtlinien versichern den Nutzer*innen, beleidigende Sprache verwenden zu dürfen, wenn „religiöse oder politische Themen wie Transgender-Rechte, Einwanderung und Homosexualität“ besprochen werden.

Wenn abwertende Kommentare dann trotzdem gemeldet werden, kümmern sich die Trust-and-Safety-Teams um die Bearbeitung. Zuckerberg kündigte im vergangenen Jahr an, diese Teams von Kalifornien nach Texas zu verlegen – einen Bundesstaat, der weniger liberal und um einiges trans-, abtreibungs- und einwanderungsfeindlicher ist.

Auch die Inhalte, die auf Plattformen wie Tiktok am besten performen, sind nicht nur die, die sich an globalen Trends orientieren. Studien zeigen, dass rechter Content sichtbarer ist. Wenn nicht zwingend aufgrund seiner politischen Ausrichtung, dann spätestens durch emotionalisierende und provozierende Sprache.

Andere Forschungen belegen, dass vor allem jungen, männlichen Usern vermehrt antifeministische und rechte Videos vorgeschlagen werden. Social Media ist dadurch nicht nur ein unregulierter Raum, sondern eine Brutstätte für konservative, rechte Gedanken.

Wen Onlinedebatten anziehen

Zurück zum Volksbad: Als der Skandal um die Aussage einer Berliner CDU-Kommunalpolitikerin auf Instagram besprochen wurde, fühlte sich die Masse des Widerspruchs wie ein Moment an, der etwas zurechtrückt. Dass also medial eingeordnet wird, weshalb bei einer Badeveranstaltung für dezidiert Schwarze Kinder nicht im Mittelpunkt stehen sollte, dass sich weiße Menschen ausgeschlossen fühlen.

Problem war nur, dass eine Sache nicht einkalkuliert wurde: Das Potenzial der möglichen Transformation hin zu mehr Gerechtigkeit, das Social Media zugeschrieben wird, hat sich verändert. Onlinedebatten ziehen diejenigen an, die um einiges gewaltvoller und diskriminierender agieren. Dieser Raum, der uns als demokratiestärkend verkauft wurde, ist bedrohlicher geworden.

Das darf nicht bedeuten, dass Debatten nicht mehr stattfinden. Sondern viel mehr, dass wir anerkennen müssen, welche Ideologien und Wertvorstellungen Social Media inhärent sind und wer sie prägt. Oder auch: Wer wird geschützt und wer wird den anderen zum Fraß vorgeworfen. Können wir die Veränderung, die wir uns wünschen, dort erreichen?

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Yasemin Said

Yasemin Said Redakteurin

schreibt aus dem Ressort Reportage & Recherche, mit den Schwerpunkten Rechtsextremismus, Migrationspolitik und Erinnerungskultur. Und arbeitet als freie Autorin und Regisseurin im Dokumentarfilmbereich für ZDF, ARD Kultur und MDR sowie als Podcast-Producerin.
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