Sommerschlussverkauf im Gorki Theater: Alles muss raus
Schnell sein lohnt sich: Poster, Pullis und Postkarten des Gorki Theaters gibt es noch bis zum 14. Juni zu kaufen – nur, solange der Vorrat reicht.
Foto: dpa
Gleich am Eingang türmt sich wadenhoch ein Posterstapel: ANDERE MENSCHEN DENKEN steht in schwarzen Großbuchstaben auf einem 1 x 1 Meter weißem Hintergrund – ein Plakat, das in vielen Berliner Student:innen-WGs hängt. Über die Interpretation dieser Aussage lässt sich an den Küchentischen lange diskutieren und streiten. Entworfen hatte das Plakat der Künstler Alfredo Jaar, und seit 2017 lag der Stapel im Foyer des Gorki Theaters, damals noch deutlich höher.
Willkommen zum Sommerschlussverkauf im Gorki Theater! Denn Shermin Langhoff geht, und das Gorki mistet aus. Noch bis zum 14. Juni können die Ultras hier Werbematerialien und Merchendise bekommen. Zur Gorki-Übernahme der neuen Intendantin Çağla Ilk ist der Ausverkauf der Poster und Werbeartikel wie ein symbolischer Neuanfang.
Poster von Vorstellungen aus vergangenen Spielzeiten, alle unter der Intendanz von Shermin Langhoff, schmücken daneben dicht an dicht die Wände, zusammengerollte Spielzeitposter stehen auf dem Boden. Zettel mit Informationen zu den Stücken häufen sich an jeder freien Stelle im Laden, kostenlos zum Mitnehmen.
Die Poster zeigen sind quietschbunt, zeigen meistens einen oder zwei Schauspieler aus dem Stück in krasser Pose, daneben groß der Gorki-Schriftzug. Der einheitliche, bunt-maximalistische Stil ist ein Markenzeichen der Langhoff-Intendanz. Der Blick bleibt hängen an einzelnen Plakaten, die an tolle Theaterabende erinnern.
Blick in die Vergangenheit und hinter die Kulissen
Zwei Frauen durchforsten die Poster. Das zum Stück „Die Legende von Paul und Paula“ ist schon weg, sehr zum Verdruss der beiden, die ihre Portemonnaies gezückt bereithalten, während sie durch den Ausverkauf tigern.
Vieles ist schon am ersten Tag des Schlussverkaufs schnell vergriffen: Pullover, auf deren Rücken GORKI CREW gedruckt ist, gibt es an diesem Dienstag nur noch drei Stück, alle in Größe XL. Auch die Fleecedecken mit Gorki-Logo sind schon alle weg. In einer weißen Tupperdose liegen noch ein paar kleine Feuerzeuge. Sie sind schwarz und tragen natürlich auch das Logo des Theaters. Ein Feuerzeug schadet nie, auch für Nichtraucher*innen. Haben oder nicht haben.
Ein Besuch des Schlussverkaufs lohnt sich, auch ohne etwas mitnehmen zu wollen. Denn im ganzen Laden sind Fernsehgeräte aufgestellt, die Einblicke in verschiedene Produktionen bieten. Da lassen sich dann Songs nachhören aus dem sehr aktuellen, aber nun auch schon zur Geschichte gehörenden „East Side Story – A German Jewsical“, in dem Lindy Larsson mitspielt und singt. Ach ja, und als Carmen war Larsson doch auch so toll …
Blick in die Zukunft
Die neue Gorki-Intendantin plant vorerst, das gesprochene – oder gesungene – Theater für die nächste Spielzeit etwas weiter hintenanzustellen. Sie hat sich dafür neue Formen der Performance vorgenommen wie etwa Klanginstallationen und Tanz. So zieht die Choreografin Constanza Macras mit ihrer Tanzkompanie Dorothy Park aus der Volksbühne in das Gorki Theater um.
Macras wirkte bereits als Choreografin in den Filmen „Poor Things“ und „The Favourite“ mit. Letzterer gewann auch einen Oscar. Auch ihre Hollywood-Kollegin Sandra Hüller gehört zu Ilks Plänen für die neue Ära im Gorki. Zuletzt war Hüller in Berlin auf der Berlinale zu sehen, in dem Film „Rose“, für den sie den Silbernen Bären gewann.
Falls die Marketingabteilung des Gorki Theaters Vorschläge für neue Merchandiseartikel braucht: Wie wäre es mit Hülli-T-Shirts im Trikot-Look? Passend zur WM, versteht sich.
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